08.11.2008 · Thorsten Schäfer-Gümbel soll Spitzenkandidat der SPD werden. Der 39 Jahre alte Landtagsabgeordnete gilt als Vertrauter Ypsilantis - und als Überraschungskandidat, nachdem bis zuletzt gemutmaßt worden war, dass Manfred Schaub antreten wird.
Von Philip EppelsheimFast niemand mehr rechnete damit, dass Andrea Ypsilanti als Spitzenkandidatin der hessischen SPD in den vorgezogenen Wahlkampf ziehen würde, als gestern Vormittag der Landesparteirat der SPD im Wilhelm-Leuschner-Saal des DGB-Hauses in Frankfurt zusammentrat – mit dem einzigen Tagesordnungspunkt: die aktuelle politische Situation und „der Bericht unserer Landesvorsitzenden Andrea Ypsilanti“. Viel war in den Tagen zuvor spekuliert worden. Wen würde die Parteivorsitzende vorschlagen? Manfred Schaub, Vorsitzender der SPD Hessen-Nord, wurde auch gestern noch gemutmaßt, könne derjenige sein, der gegen Roland Koch antritt. Thorsten Schäfer-Gümbel, den der Parteirat am Ende der Sitzung als Spitzenkandidaten präsentierte, dagegen spielte in den Diskussionen keine Rolle.
Ypsilanti und Schaub im Fokus
So waren Ypsilanti und Schaub die Ziele der Fotografen, die sich seit neun Uhr auf die Lauer gelegt hatten, Haupteingang und Hintereingang bewachten, sahen, wie zwanzig Minuten vor Beginn der Sitzung die Vorhänge an den Fenstern zugezogen wurden. Kurz darauf bekamen sie Schaub in den Sucher, dann auch Ypsilanti. Schäfer-Gümbel war auch nicht im Fokus, als kurz vor der Sitzung noch Fotografen und Filmteams in den Saal durften. Wieder richtete sich das Augenmerk auf die, die an der Front Platz nahmen: Frau Ypsilanti und zur ihrer Rechten Schaub.
Erst als im Saal der Parteirat immer wieder applaudierte, mal rhythmisch, mal verhalten –, fiel draußen zum ersten Mal der Name Schäfer-Gümbel. „Wer?“, fragten Journalisten, „Wie heißt er?“, fragten Fotografen. Stellvertretender Vorsitzender der SPD Hessen-Süd aus Gießen. Soll dem linken Parteiflügel angehören, lautete die Antwort. Der Zusatz: „Mehr weiß ich auch nicht.“
Nach knapp drei Stunden ertönt zum letzten Mal Klatschen aus dem Saal, die Tür geht auf: „Bitte. Lassen Sie uns reden“, sagte Andrea Ypsilanti. Sie spricht von der Vergangenheit. Davon, dass sie die hessische SPD in einer schweren Zeit übernommen habe. Dass sie mit vielen daran gearbeitet habe, die Partei wiederaufzurichten. Dass auch Schaub – der später sagt, für ihn sei eine Spitzenkandidatur ausgeschlossen gewesen – und der Bezirksvorsitzende der SPD Hessen-Süd, Gernot Grumbach, einen großen Anteil daran gehabt hätten, eine „diskussionsfreudige“ und „geeinte“ Partei zu schaffen. Dann gesteht sie Fehler ein: Der erste sei gewesen, im Wahlkampf eine Koalition mit der Linkspartei auszuschließen, der zweite, die Kehrtwende nicht ausreichend vorbereitet zu haben. Sie habe ihrer Partei vorgeschlagen, mit einem neuen Spitzenkandidaten in den Wahlkampf zu gehen, „auch deshalb, weil wir niemandem gönnen wollen, mit der Frage von Glaubwürdigkeit und Wortbruch die Themen zu überlagern, mit denen wir in den Wahlkampf ziehen wollen.“ Daher habe sie sich für jemanden aus der „nächsten Generation“ ausgesprochen: Schäfer-Gümbel. 39 Jahre alt, verheiratet, dreifacher Vater, römisch-katholisch getauft, heute evangelisch. Er gilt als enger Vertrauter von Ypsilanti.
Mit alten Themen in den neuen Wahlkampf
Er soll mit den alten Themen in den Wahlkampf ziehen: Bildungspolitik, Sozialpolitik und Energiepolitik. „Alles das bleibt richtig.“ Schäfer-Gümbel, lobt Ypsilanti, sei kreativ, fleißig und intelligent und wirke in der Partei als Integrationskraft. Sie sei sicher, dass er die Herausforderung bewältigen könne. Und sie werde ihm als Landes- und Fraktionsvorsitzende zu Seite stehen. Sie sei eine Kämpferin und werfe die Flinte nicht ins Korn. „Wir spielen nicht auf Opposition, sondern auf Sieg.“
Schäfer-Gümbel gibt das Lob zurück und greift zur Formulierung, es sei ungerecht, dass sie „gescheitert wurde“. Doch gelte: „Jetzt erst recht.“ Die politischen Gegner müssten sich „warm anziehen“, er nehme die Herausforderung an, sie reize ihn sogar. Er ist gewarnt, nicht noch einmal den gleichen Fehler zu machen. Auf die Frage, ob er eine Koalition mit der Linkspartei ausschließe, lässt er James Bond sprechen: „Sag niemals nie.“
Bembel Putins Marionette
joachim bovier (jbovier)
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Gerhard Merz (GerhardMerz1)
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wolf haupricht (emilgilels)
- 10.11.2008, 17:09 Uhr
Philip Eppelsheim Jahrgang 1981, Redakteur in der Politik der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
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