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Schule Hessen sucht Partner für islamischen Religionsunterricht

04.03.2009 ·  Hessen plant einen ersten Schritt auf dem Weg zu einem Islam-Unterricht an den Schulen. Kultusministerin Henzler (FDP) kündigte im Landtag an, einen runden Tisch mit islamischen Religionsgemeinschaften einzuberufen. SPD, Linke und Grüne sicherten Henzler ihre Unterstützung zu.

Von Ralf Euler
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Kultusministerin Dorothea Henzler (FDP) hat einen Runden Tisch als ersten Schritt auf dem Weg zur Einführung des islamischen Religionsunterrichts in Hessen angekündigt. Sie werde alle muslimischen Religionsgemeinschaften zur Teilnahme an der ergebnisoffenen“ Gesprächsrunde einladen, sagte die Ministerin im Landtag. Am Ende könne möglicherweise ein Modellversuch mit Teilnehmern des Runden Tisches als Kooperationspartner für islamischen Religionsunterricht stehen. Im günstigsten Fall werde sich ein einziger verlässlicher und für alle muslimischen Glaubensrichtungen akzeptabler Partner finden, mit dem das Land eine deutschsprachige und nach deutschen Lehrplänen ablaufende Islamlehre vereinbaren könne.

Henzler gab zu, dass es alles andere als leicht sein werde, auf Seiten der Muslime einen oder mehrere legitimierte und allgemein anerkannte Kooperationspartner zu finden. Falls dies nicht gelingen sollte, wolle die CDU/FDP-Landesregierung im Fach Ethik eine verpflichtende religionskundliche Unterweisung zum Islam einführen. Die Entscheidung darüber wird, wie Ministerpräsident Roland Koch (CDU) angekündigt hat, noch in dieser Legislaturperiode fallen.

Grundsätzliche Unterstützung für Vorstoß

Mit ihrer Initiative strebe sie eine bessere Integration der Muslime in die deutsche Gesellschaft und Kultur an, erläuterte Henzler. Die derzeit etwa 60.000 Kinder und Jugendlichen muslimischen Glaubens in Hessen würden in ihrer Religion bisher nur in Koranschulen unterrichtet, in ihrer Muttersprache und von Imamen, die eigens zu diesem Zweck nach Deutschland geschickt würden. „Die Kinder glauben natürlich, was sie dort erzählt bekommen, denn sie können es nicht kritisch hinterfragen“, sagte die Ministerin. „Und der Staat hat keinerlei Kontrolle über das, was an den Koranschulen gelehrt wird.“ Finde ein islamischer Religionsunterricht hingegen an deutschen Schulen statt, werde es möglich sein, auch Tabuthemen wie die Zwangsverheiratung junger muslimischer Frauen anzusprechen.

Grundsätzliche Unterstützung für ihren Vorstoß erhielt die Kultusministerin von allen fünf im Landtag vertretenen Fraktionen. SPD und Grüne bemängelten im Anschluss an die Debatte allerdings das zögerliche Vorgehen Henzlers. Offenbar müsse die Liberale Rücksicht auf „CDU-Randgruppen“ nehmen, mutmaßte Mürvet Öztürk (Die Grünen). Es sei bezeichnend, dass der schulpolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Hans-Jürgen Irmer, der Abstimmung über einen Antrag, in dem der Landtag Henzlers Absichten einmütig befürwortet habe, ferngeblieben sei. Irmer steht dem Projekt der Ministerin kritisch gegenüber.

Der SPD-Abgeordnete Gerhard Merz mahnte, sich mit Modellversuchen nicht zu lange Zeit zu lassen. Islamischer Religionsunterricht sei ein dringend erforderliches Signal an die Menschen muslimischen Glaubens, dass ihre Religion in Deutschland willkommen sei. Alexander Bauer (CDU) nannte die Hoffnung trügerisch, dass die Pläne Henzlers zu einer Verringerung der Zahl sogenannter Hinterhofmoscheen führen würden. „Die Gleichung ,Koran an der Schule statt Koranschule‘ wird nicht aufgehen.“

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Jahrgang 1960, Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Wiesbaden.

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