04.08.2008 · Heute hat in Hessen die Schule wieder begonnen, und einiges ist anders als vor den Ferien. Die wichtigste Änderung betrifft die noch immer umstrittene Verkürzung der Gymnasialzeit auf acht Jahre. An 19 von 123 Kooperativen Gesamtschulen ist das „Turbo-Abitur“ wieder Vergangenheit.
Von Jacqueline VogtHeute hat in Hessen die Schule wieder begonnen, und einiges ist anders als vor den Ferien. Die wichtigste Änderung betrifft die noch immer umstrittene Verkürzung der Gymnasialzeit auf acht Jahre (G8). Eine Alternative boten bisher nur Integrierte Gesamtschulen, im Mai war außerdem beschlossen worden, dass mit Anfang des Schuljahres 2008/2009 auch die Kooperativen Gesamtschulen ihre Schüler wieder in neun Jahren zum Abitur führen dürfen. Gymnasien müssen bei der verkürzten Schulzeit bleiben.
123 Kooperative Gesamtschulen gibt es in Hessen, 19 von ihnen bieten wieder G9 an; allein drei dieser Schulen befinden sich in Darmstadt. Insgesamt werden rund 600 Jungen und Mädchen und damit knapp drei Prozent der Fünftklässler, die gymnasiale Bildungszweige besuchen, an Kooperativen Gesamtschulen mit G9-Angebot lernen.
Kultusminister Jürgen Banzer (CDU) hatte in der vergangenen Woche gesagt, er werte die geringe Zahl von Schulen, die umgestellt hätten, als Bestätigung dafür, dass G8 als regulärer Weg zum Abitur inzwischen akzeptiert sei. Widersprochen hatte der Philologenverband, der damit rechnet, dass im Laufe des Jahres weitere Schulen den Schritt zurück vollziehen werden. Der Verband Bildung und Erziehung, dessen Landesvorsitzender Helmut Deckert vor den Ferien noch einmal seine Forderung bekräftigt hatte, Kinder nach der vierten Klasse in nur noch zwei Schulzweige zu verteilen, kritisierte die Wahlmöglichkeit an Gesamtschulen. Damit lasse das Kultusministerium Schulen mit Gymnasialzweig zweiter Klasse zu, anstatt das System grundlegend zu reformieren.
Viele Eltern wollen „sofort zurück“ zu G9
Der stellvertretende Vorsitzende des Landeselternbeirats Amin Wagner sagte, es müsse ein Weg gefunden werden, Schülern, die sich schon in G8 befänden, die neunjährige Gymnasialzeit anzubieten. Viele Eltern wollten „sofort zurück“, so Wagner, ihnen müsse das juristisch möglich gemacht werden. Kritik übte der Vorsitzende des Philologenverbandes in Hessen, Knud Dittmann, daran, dass Gymnasien nicht zu G9 zurückkehren könnten. Zwar hatte der Kultusminister gesagt, er persönlich könne sich das vorstellen, das aber nicht veranlasst. „Wir warten noch auf eine Begründung“, äußerte Dittmann in einem Interview.
Neuerungen gibt es bei den Lerninhalten. Die G8-Lehrpläne sind überarbeitet und um rund ein Fünftel gestrafft worden. Sie sollen von sofort an gültig sein, doch weil sie erst in der zweiten Ferienhälfte das bürokratische Verfahren durchlaufen haben - unter anderem hatte der beteiligungspflichtige Landeselternbeirat für Lesung und Debatte eine Sondersitzung einberufen -, waren sie in der vergangenen Woche noch nicht allen Schulen zugänglich.
Neu ist auch, dass es für Gymnasien eine sogenannte Kontingent-Stundentafel gilt. Die von den Jahrgangsstufen fünf bis zum Abitur vorgeschriebenen 260 Wochenstunden können flexibel verteilt werden; die Klassengröße in G8-Jahrgängen darf jetzt 30 Schüler nicht mehr überschreiten. Ob sie mit der zweiten Fremdsprache in Klasse fünf, sechs oder sieben beginnen, können Schulen künftig selbst entscheiden.
Mangel an Lehrerkräften ein „Riesenproblem“
Um die Belastung für die Schüler im verkürzten Gymnasialgang zu mindern, hat das Kultusministerium zudem die Zahl der vorgeschriebenen Klassenarbeiten in Hauptfächern um eine je Halbjahr reduziert, wie viele Arbeiten über das Mindestmaß hinaus geschrieben werden, können die Schulen selbst entscheiden.
Für den Alltag an den Gymnasien ist allerdings anderes als die Zahl der Arbeiten womöglich noch wichtiger. „Ein Riesenproblem“ ist nach Worten des Vorsitzenden der Landesdirektorenkonferenz der Mangel an Lehrkräften: Zu Beginn des Schuljahres heute, sagt Volker Räuber, der in Frankfurt das Carl-Schurz-Gymnasium leitet, seien an vielen Schulen noch Stellen unbesetzt. „Man bemüht sich, Leute zu gewinnen, egal, um welchen Preis.“ Anders als früher seien es nicht mehr nur die klassischen Mangelfächer wie Physik und Mathematik oder Musik, in denen Pädagogen fehlten, auch Englischlehrer zum Beispiel seien schwer zu bekommen.
Womöglich ändert sich das noch: Mancher Schulleiter hat wie Räuber Einstellungsvereinbarungen mit Referendaren getroffen, die aber erst im Herbst ihre Ausbildung abgeschlossen haben werden. Bis sie anfangen können, gestalten Vertretungskräfte den Unterricht.
Studiengebühren und Lehrermangel...
Paul Rabe (heidelpaul)
- 04.08.2008, 15:11 Uhr
Ach, Herr Rabe...
Andreas Spengler (a.spengler)
- 08.08.2008, 13:35 Uhr
@Rabe
Sven Michaelsen (Der_kleine_Amrumer)
- 08.08.2008, 16:48 Uhr
Jacqueline Vogt Jahrgang 1962, Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung, verantwortlich für den Rhein-Main-Teil der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
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