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Rheingau Edle Weine sind in diesem Jahr rar

28.10.2008 ·  Die Weinlese im Rheingau ist fast beendet. Die Winzerhaben große Mengen von mäßiger Qualität geerntet – und kaum Hoffnung auf Eiswein.

Von Oliver Bock
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Leicht überdurchschnittlich in der Menge, aber eher durchschnittlich in der Güte – das ist das erste Fazit der diesjährigen Weinlese im Rheingau, die zwischenzeitlich auf dem größten Teil der 3.200 Hektar Rebfläche abgeschlossen ist. Nur vereinzelt pokern noch Winzer auf kleinen Flächen um trockene oder gar edelsüße Spitzenweine. Die Aussichten indes sind nicht sehr gut, weil die Fäulnis durch die häufigen Regenfälle weit fortgeschritten ist. Und von einer Beruhigung der Wetterlage und anhaltender Trockenheit kann nach den Vorhersagen der Wetterdienste keine Rede sein. Keine guten Voraussetzungen für Topweine.

An die Güte der Rieslingweine des vergangenen Jahres, als ein goldener Oktober eine ausgedehnte Ausreifung der Trauben und eine langsame, qualitätsorientierte Lese zugelassen hatte, werden die Weißweine des Jahrgangs 2008 aus dem Rheingau wohl nicht anknüpfen können. Etwas besser sieht es beim Rotwein aus, weil der Spätburgunder im Gegensatz zum Riesling kurz vor der Ernte noch einige Oechslegrade zugelegt hat. Aber von einem phänomenalen Rotweinjahrgang ist 2008 weit entfernt.

Weniger Spätlesen

Der Leiter des Eltviller Weinbauamtes, Andreas Booß, wartet gespannt auf die Verkostung der ersten, gerade vergorenen Jungweinproben aus dem Fass, die schon in zwei Wochen stattfindet. Sie wird erste Orientierung geben und Indizien liefern für die Aromatik des neuen Jahrgangs. Wirklich zufrieden können die Winzer aber nur mit der Menge sein. Das Weinbauamt schätzt die Erntemenge derzeit auf rund 86 Hektoliter je Hektar, was rund zehn Prozent über dem langjährigen Durchschnitt von 78 Hektolitern liegt. Noch vor zwei Wochen sah es nicht danach aus. Doch der Regen vor und während der Lese hat die Beeren veranlasst, sich mit dem reichlich vorhandenen Wasser vollzusaugen. Der Qualität ist das allerdings nicht förderlich.

Booß erwartet, dass das Gros der geernteten Weine vom Mostgewicht her Kabinett-Qualität hat, also zwischen 75 und 84 Grad Oechsle aufweist. Zwar seien auch Moste mit 90 und mehr Oechsle in die Keller eingebracht worden, doch die Spitze sei diesmal nicht sehr breit. Es wird demnach weniger Spätlesen als in den vergangenen Jahren geben, und damit wohl auch weniger „Erste Gewächse“ als trockene Spitzenweine.

Erntemenge gut

Auch edelsüße Weine bis zur Trockenbeerenauslese werden eher rar gesät sein und in der Menge nur gering auf den Markt kommen. Und ähnlich wie nach dem verregneten Herbst im Jahr 2006 wird es kaum Winzer geben, die jetzt noch auf Eiswein warten. Ob es mehr gibt als das damalige Rekordminus von nur 300 Litern muss sich noch zeigen. Es hängt allein davon ab, wann die ersten eiskalten Nächte mit Temperaturen von minus sieben Grad und mehr nach Hessen kommen. Lassen sie noch einige Wochen auf sich warten, sieht es für diese Spezialität wieder einmal schlecht aus.

Der Präsident des Rheingauer Weinbauverbandes, der Martinsthaler Winzer Klaus-Peter Keßler, sieht die Lage naturgemäß immer ein wenig positiver als die Beamten im Weinbauamt. Auch wenn das Wetter während der Ernte nicht wie gewünscht gewesen sei, könnten die Rheingauer Erzeuger zufrieden sein, meint Keßler. Die Erntemenge sei gut, die Qualität vielversprechend, wenn auch nicht so erfreulich wie 2007. Dem hohen Anteil fauler Trauben müssten die Winzer jetzt mit modernen kellerwirtschaftlichen Methoden begegnen.

Booß: „Es muss auch mal ein normales Jahr geben“

Nicht zufrieden ist Keßler mit dem sogenannten Herbstpreis, den große Wein- und Sektkellereien für Riesling aus den Rheingauer Weinkellern anbieten. Die Spanne liegt zwischen 75 und 80 Cent und damit nach Einschätzung des Weinbauverbands deutlich unter dem Selbstkostenpreis von einem Euro je Liter.

Für Weinbauamtsleiter Booß war in diesem Herbst wieder einmal derjenige Winzer im Vorteil, der durch aufwendige Bearbeitung und Pflege der Weinberge über das ganze Jahr hinweg den Boden für gesunde Beeren im Herbst bereitet hat. Diese Mühe zahle sich in der Regel aus. Der Verlauf der Weinlese in diesem Jahr habe zudem die gewachsene, hohe Schlagkraft der Weingüter bei fortschreitender Mechanisierung der Ernte erwiesen. Ein großes Weingut habe beispielsweise binnen drei Tagen rund 20 Hektar abgeerntet und verarbeitet. Das sei früher undenkbar gewesen.

Weil 2008 der Anteil der Prädikatsweine gegenüber den einfacheren Qualitätsweinen wohl geringer als in den Vorjahren ausfallen werde, rechnet Booß auch angesichts der höheren Erntemenge eher nicht mit großen Preissteigerungen. Vielleicht passe der Jahrgang mit einer großen Zahl von Brot-und-Butter-Weinen ja zur gegenwärtigen wirtschaftlichen Lage: „Es muss auch mal ein normales Jahr geben.“

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