07.04.2010 · Das Resort Beberbeck in Nordhessen ist seit Jahren heftig umstritten. Jetzt aber scheint es, als könnte das rund 300 Millionen Euro teure Vorhaben wahr werden.
Von Claus Peter MüllerDie Ferienanlage Beberbeck bei Hofgeismar im Landkreis Kassel könnte Wirklichkeit werden. Es wäre dem Vernehmen nach das größte Tourismusprojekt in Europa. Im Sommer könnte der Bau beginnen. Nach Informationen der Frankfurter Allgemeinen Zeitung plant eine bisher namentlich nicht genannte Investorengruppe mit Kapitalgebern aus Spanien, der Schweiz und den Niederlanden rund um die Domäne Beberbeck bei Hofgeismar eine Ferienanlage mit einer Kapazität von 6000 Betten in drei Hotels und einigen Feriendörfern. Rund um eine Seenlandschaft sollen Golfplätze und Sportanlagen entstehen. Bis zu 300 Millionen Euro sollen investiert werden.
Die Finanzierungsbestätigung liegt seit einigen Tagen vor. Das hessische Ferienresort soll privat finanziert werden. Die Investorengruppe hat bisher vor allem im Mittelmeerraum ihre Projekte verwirklicht. Sie verweist auf die ökologische Verträglichkeit ihrer Planungen. Juristisch vertreten wird die Gruppe durch Gerd Niebaum, den ehemaligen Präsidenten von Borussia Dortmund. In diesen Tagen könnten die Verhandlungen in Dortmund entscheidend weiterkommen.
„Henners Traum“
Wenn die Pläne, die nach Ostern vorgestellt werden sollen, Wirklichkeit werden, könnte „Henners Traum“ wahr werden. Henner ist die niederhessische Umgangsform für Heinrich. Heinrich ist wiederum der Vorname des Hofgeismarer Bürgermeister Sattler (CDU). Es ist nicht typisch, dass in Hessens Norden ein Christdemokrat zum Bürgermeister gewählt wird, und dies sogar schon zum dritten Mal. Sattler hat mit viel Überzeugungsarbeit für das Projekt geworben. Von 37 Stadtverordneten sprachen sich 35 für das Ferienresort aus. Auch die nordhessische Regionalversammlung gewann der Bürgermeister für den Plan.
Dann aber wurden vor zwei oder drei Jahren wieder Zweifel laut: Ob das Projekt doch zu groß sei? Hessen Forst erwies sich als profilierter Gegner, und Umweltschutzorganisationen protestierten gegen die geplante Naturzerstörung. Ein Film „Henners Traum“ entstand. Der bisweilen etwas kecke und sehr selbstbewusste Sattler dürfte es bereut haben, dass er die Hauptrolle darin übernahm. Denn wer den Film gesehen hatte, sprach nur noch mit Häme über Sattler und dessen vermeintlichen Größenwahn. Auch die SPD, die Sattlers Projekt mitgetragen hatte, ging auf Distanz. Andrea Ypsilantis geplante Koalition lehnte das Projekt ab.
Auf der Website der Hofgeismarer Sozialdemokraten ist Sattler als Münchhausen dargestellt, der von der Kugel fällt. Bemerkenswert war vor allem die nicht einmal klammheimliche Freude, mit der sich zahlreiche Nordhessen das erahnte Scheitern des Projektes ausmalten. Dann kam der schwerste Einbruch der Weltwirtschaft seit 80 Jahren. Von der Jahresmitte 2008 an, aber auch im vergangenen Jahr und eigentlich bis heute schien die Investorensuche aussichtslos. Doch Sattler gab nicht auf. Just in dieser Lage könnte sich das Blatt nun wenden, könnte die Arbeit der vergangenen sechs Jahre sich auszahlen. Noch ist nicht sicher, dass das Ferienresort entsteht. Aber allein die Tatsache, dass über die Möglichkeit des Baubeginns in einer Regionalzeitung berichtet wird, muss für Sattler eine Genugtuung sein. Das Ferienresort soll zwar etwas kleiner und preiswerter sein als gedacht. Aber es gab bisher nichts als realitätsnahe Exposés mit einer Investitionsschätzung von 400 Millionen Euro. An der Grundvision hat sich also nichts geändert.
Niederländer in großer Zahl in Nordhessen zu Gast
Die Investoren werden den Zweiflern entgegenhalten: Warum sollte sich ausgerechnet in der sehr gut zu erreichenden Mitte Deutschlands ein Ferienresort nicht lohnen? Seit Jahren schon kommen die Niederländer in großer Zahl nach Nordhessen, um Sommer- und Winterferien zu verbringen, aber auch für Gäste aus dem Ruhrgebiet, aus Norddeutschland und Berlin ist das Kasseler Umland schon immer ein Ziel für den Kurzurlaub.
Die Tradition Hofgeismars und seiner Nachbarorte als Pilgerstätte reicht bis ins Mittelalter zurück. Im 14. Jahrhundert verhalf das „Wunder von Gottsbüren“ dem gleichnamigen Ort im Reinhardswald zu großer Bekanntheit und beachtlichem Wohlstand. Rückblickend schreiben Heimathistoriker der Äbtissin des nahen Klosters Lippoldsberg eine „geniale Geschäftsidee“ zu: Um 1330 soll bei Gottsbüren ein Leichnam gefunden worden sein, bei dem es sich um die sterblichen Reste Jesu Christi gehandelt haben soll. Nach einer anderen Darstellung wurde eine Hostie gefunden. Wie auch immer: Gottsbüren wurde jedenfalls für etwa 100 Jahre zum Pilgerziel. Um den Pilgerstrom zu schützen, ließ Balduin von Luxemburg, der als Erzbischof von Trier auch Verwalter des Bistums Mainz war, von 1334 an die Zappenburg, die heutige Sababurg, errichten. Als die Wallfahrt zum Erliegen kam, versank auch die Burg, die sich unterdessen im Besitz der hessischen Landgrafen befand, in Bedeutungslosigkeit.
Von der Mitte des 15. Jahrhunderts an setzte sich das Jagdregal als landesherrliches Vorrecht durch, begannen die hessischen Landgrafen sich von neuem für die Burg zu interessieren. Sie richteten dort eine Wildpferdezucht ein, indes der Wald mit seinem reichen Tierbestand zur Jagd lockte. Die Sababurg wurde ausgebaut. Es ist auch von einem Neubau die Rede.
Gesundbrunnen mit mehreren hundert Jahren Geschichte
Über Jahrhunderte war die Sababurg Jagdschloss und ein Ort höfischer Feste, zu dem die Bewohner und Gäste in großer Zahl regelmäßig anreisten. In unmittelbarer Nachbarschaft entstand von 1570 an ein Tierpark - er gilt als die erste zoologische Anlage in Europa. Wenige Kilometer westlich der Sababurg liegt wiederum das Gut Beberbeck in einer Senke. Kurfürst Wilhelm II. von Hessen-Kassel hat den Hof in den zwanziger und dreißiger Jahren des 19. Jahrhunderts durch seinen Oberhofbaumeister Johann Conrad Bromeis zum Gestüt ausbauen lassen.
Die Geschichte des Gesundbrunnens in Hofgeismar reicht schließlich bis ins 17. Jahrhundert zurück. Es ist eine historische Blaupause für die Entwicklung dessen, was man heute eine Wellness- oder Ferienanlage nennen würde. Zunächst wurden Kranke und Erholungsuchende von einer Heilquelle aus dem norddeutschen Raum angelockt, später wurde eine Schlossanlage mit einem großen Park errichtet, in der den Gästen Glücksspiel, Theater und allabendliche Feste geboten wurden. Die Schlossanlage beherbergt heute die Evangelische Akademie Hofgeismar.
Bürgermeister Sattler hat nicht mehr und nicht weniger getan, als die Heimatgeschichte zu studieren, die geprägt ist von den Infrastrukturprojekten vermeintlich übermütiger Spinner, um diese in die Zukunft zu verlängern. In Kürze dürfte sich zeigen, ob erfolgreich oder nicht.
Man fragt sich - und das schon länger - ,
Karl-Heinz Andresen (khaproperty)
- 08.04.2010, 21:19 Uhr
Claus Peter Müller Jahrgang 1960, politischer Korrespondent für Nordhessen und Thüringen mit Sitz in Kassel.
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