10.07.2009 · Mit einer „Atom-Ausstiegsuhr“ hat der Bund für Umwelt und Naturschutz in Wiesbaden gegen längere Laufzeiten alter Kernkraftwerke wie Biblis protestiert. Das Kraftwerk in Biblis solle umgehend stillgelegt werden, fordern die Umweltschützer.
Mit einer „Atom-Ausstiegsuhr“ hat der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) in Wiesbaden gegen längere Laufzeiten alter Kernkraftwerke wie Biblis protestiert. Die am Freitag vor dem Landtag aufgebaute Uhr zeigt die Jahre, in denen sieben Kraftwerke ursprünglich abgeschaltet werden sollten - darunter 2008 für den älteren Block Biblis A. Der Kraftwerkbetreiber RWE zögert nach Darstellung des BUND mit zeitaufwendigen Wartungsarbeiten die endgültige Abschaltung bis zur Zeit nach der Bundestagswahl hinaus in der Hoffnung, eine bürgerliche Mehrheit werde längere Laufzeiten auch für Biblis genehmigen.
„Hessen wählt die Atomkraft ab. Biblis stilllegen“ hieß es auf einem Transparent. Vertreter des BUND suchten das Gespräch mit Passanten, die Aktion stieß aber auf geringes Interesse. Die Grünen-Landtagsabgeordnete Ursula Hammann unterstützte den Protest. Sie warf CDU und FDP vor, ihnen seien die Sicherheitsinteressen der Bevölkerung egal. Laufzeitverlängerungen müssten verhindert werden, „und die unsicheren Schrottreaktoren in Biblis dürfen erst gar nicht mehr ans Netz gehen.“ Beide Biblis-Blöcke sind derzeit für Wartungsarbeiten abgeschaltet.
Streit zwischen Fraktionen um Zukunft von Biblis
Erst bei der Landtagssitzung am Mittwoch hatten SPD, Grüne und Linke die sofortige Stilllegung von Biblis gefordert. CDU und FDP warfen der Opposition daraufhin Panikmache vor. Umweltministerin Silke Lautenschläger (CDU) betonte, in Biblis sei in den vergangenen zehn Jahren eine Milliarde Euro in die Sicherheit investiert worden. Deutsche Kernkraftanlagen zählten zu den sichersten in der Welt. Der FDP-Abgeordnete Frank Sürmann sagte, Biblis sei dank Nachrüstungen „fast wie ein Neubau“.
BUND-Sprecher Thorben Becker sagte während der Protestaktion, die Betreiber verdienten hervorragend an alten, wirtschaftlich längst abgeschriebenen Atommeilern. Er sprach von einem Reingewinn von rund 300 Millionen Euro pro Jahr. Dabei vermieden die Betreiber Investitionen in die Sicherheit alter Anlagen, wie der jüngste Zwischenfall im Atomkraftwerk Krümmel zeige.