10.02.2010 · Der Baustart des landesweit größten Gas- und Dampfturbinenkraftwerks in Osthessen verzögert sich. Wann es losgeht, soll bis Anfang 2011 feststehen.
Der Baustart des landesweit größten Gas- und Dampfturbinenkraftwerks in Osthessen verzögert sich und wird entgegen ersten Planungen nicht mehr in diesem Jahr erfolgen. Es seien noch weitere Anträge des spanischen Energie-Riesen Iberdrola für das mehr als 415 Millionen Euro teure Projekt in Ludwigsau (Kreis Hersfeld- Rotenburg) nötig, sagte Bürgermeister Thomas Baumann (parteilos) am Mittwoch auf Anfrage. Spekulationen, wonach das Unternehmen von seinen Plänen Abstand nehmen könnte, seien unrealistisch. In Gesprächen habe die spanische Projektleiterin sich eindeutig zum Bau bekannt. Wann es losgeht, solle bis Anfang 2011 feststehen.
Die Anlage soll auf einer Ackerfläche am Industriegebiet Mecklar- Meckbach entstehen und die größte ihrer Art in Hessen werden. Mit einer thermischen Leistung von 1920 Megawatt beziehungsweise einer elektrischen Leistung von 1100 Megawatt sollen nach Firmenangaben etwa 300 000 Haushalte versorgt werden können. Das Regierungspräsidium Kassel gab als Genehmigungsbehörde bereits grundsätzlich grünes Licht. Genehmigungen sind auch bereits für die Entnahme und Einleitung von Kühlwasser aus der Fulda sowie die Umweltverträglichkeit erteilt worden.
„Es ist wieder Schwung in den Prozess gekommen“
Um mit der Errichtung des Mittellastkraftwerks mit seinen zwei 550-Megawatt-Blöcken beginnen zu können, fehlen laut Bürgermeister Baumann noch Genehmigungen für den Hochbau, die Gaszuleitung und für die Stromeinspeisung ins Netz. Dazu seien bereits Verhandlungen geführt worden, sagte er. Der Rathaus-Chef der rund 5800 Einwohner zählenden Gemeinde hat keine Bedenken, dass das Projekt noch kippen könnte: „Es ist wieder Schwung in den Prozess gekommen.“ Dass Iberdrola die ursprüngliche Zeitplanung verworfen habe, sei mit der konjunkturellen Wirtschaftslage zu erklären. Er stellte jedoch klar: Der Zeitkorridor für den Baustart ist nicht unendlich. Bis 2014 müssten erste Bauarbeiten umgesetzt werden - oder Genehmigungen verlängert werden.
Während der Bauphase sollen etwa 900 Arbeiter auf dem elf Hektar großen Gelände tätig sein. Um das Kraftwerk später erweitern zu können, seien Optionsflächen vorhanden. Wenn alles fertig ist, sollen 80 Menschen in dem Kraftwerk arbeiten und knapp 100 weitere in der Peripherie als Wach- und Serviceleute. Die Gemeinde kann beim Betrieb des Kraftwerks mit steigenden Steuereinnahmen rechnen.
Das Unternehmen entschied sich für den Standort, weil es in Mecklar-Meckbach einen Anschluss an ein Umspannwerk und zu Gasleitungen vorfindet. Ein Umspannwerk ist Teil des elektrischen Versorgungsnetzes eines Energieversorgungsunternehmens und dient der Verbindung zweier unterschiedlicher Spannungsebenen.