07.04.2010 · Wegen des Missbrauchsskandals an der Odenwaldschule hat die Staatsanwaltschaft Darmstadt bislang zehn Ermittlungsverfahren eingeleitet. Die Berichte ehemaliger Schüler mit neuen Missbrauchsvorwürfen liegen der Staatsanwaltschaft bislang nicht vor.
Wegen des Missbrauchsskandals an der Odenwaldschule in Heppenheim hat die Staatsanwaltschaft Darmstadt bislang zehn Ermittlungsverfahren eingeleitet. In neun Fällen gehe es um sexuellen Missbrauch von Lehrern an Schülern, sagte ein Sprecher der Behörde. Gegen den früheren Schulrektor Wolfgang Harder werde wegen möglicher Strafvereitelung ermittelt. Zwei der Beschuldigten seien schon gestorben. Nach derzeitigem Kenntnisstand seien die Taten verjährt, sagte der Sprecher. Neue Sachverhalte würden aber geprüft. Die Berichte ehemaliger Schüler mit neuen Missbrauchsvorwürfen liegen der Staatsanwaltschaft bislang nicht vor.
An der Odenwaldschule wurden Schüler nach Informationen der „Frankfurter Rundschau“ noch bis weit in die neunziger Jahre hinein von Lehrern sexuell missbraucht. Der Schulleitung lägen inzwischen Berichte von ehemaligen Schülern vor, die grausige Rituale aus der jüngeren Vergangenheit schildern. „Das sprengt unsere Vorstellungskraft“, sagte Rektorin Margarita Kaufmann.
„Furchtbare Misshandlungen von Schülern an Schülern“
Vor etwa vier Wochen waren erstmals Fälle von sexuellem Missbrauch an der Odenwaldschule im südhessischen Heppenheim bekanntgeworden, die jedoch meist Jahrzehnte zurücklagen. Die Privatschule zählt zu den bekanntesten Einrichtungen der Reformpädagogik in Deutschland und besteht seit knapp 100 Jahren. Nun berichtete die Rektorin, es hätten sich auch Missbrauchsopfer gemeldet, die von „furchtbaren Misshandlungen von Schülern an Schülern“ berichtet hätten. Dazu habe das Versengen und Verbrühen von Genitalien gehört. Kinder hätten Mitschüler als „Sandsack missbraucht“ und vor anderen erniedrigt. Ein ehemaliger Schüler habe die Vorfälle mit der filmischen Gewaltorgie „Clockwork Orange“ (Uhrwerk Orange) von Stanley Kubrick verglichen.
Kaufmann sagte, dass mehrere Schüler einen Vorfall beschrieben hätten, bei dem ein gefesselter Schüler von Mitschülern sexuell misshandelt worden sei. Der Lehrer soll untätig dabei gestanden haben. Demselben Lehrer werde auch vorgeworfen, an der Odenwaldschule Jungen und Mädchen missbraucht zu haben. Er war bis 1999 an der Schule. Die Schulleiterin sagte dazu: „Ich frage mich, wie das passiert sein kann, ohne dass Lehrer die schrecklichen Schmerzensschreie gehört haben.“