16.06.2010 · Der frühere Schulleiter der Odenwaldschule muss im Skandal um sexuellen Missbrauch keine Anklage mehr befürchten. Wie die Staatsanwaltschaft mitteilt, wurde das Verfahren wegen Verjährung eingestellt.
Im Skandal um sexuellen Missbrauch an der für ihre Reformpädagogik bekannten Odenwaldschule muss der Hauptbeschuldigte keine Anklage mehr befürchten. Das Ermittlungsverfahren gegen den früheren Schulleiter Gerold Becker sei wegen Verjährung eingestellt worden, teilte die Staatsanwaltschaft Darmstadt am Mittwoch mit. Auch die zuletzt noch übrigen fünf anderen Verfahren gegen Ex-Lehrer würden aus diesem Grund nicht mehr weiterverfolgt. Die Staatsanwaltschaft hatte etwa ein Dutzend Verfahren geführt.
An dem Elite-Internat im südhessischen Heppenheim waren einer Untersuchung zufolge von Ende der 1960er bis Anfang der 1990er Jahre etwa 50 Schüler missbraucht worden. Es gibt aber einen gesonderten Fall, der als noch nicht verjährt gilt. Dieser könnte ein juristisches Nachspiel haben. Den Fall hatten Ende Mai zwei Juristinnen genannt, die im Auftrag der Schule das Ausmaß des Skandals analysieren. Genaue Angaben dazu gab es unter Hinweis auf Vertraulichkeit auch am Mittwoch nicht.
Neue Satzung als Konsequenz aus dem Skandal
Becker war von 1969 bis 1985 an dem Internat tätig. Er hatte im März in einem Brief an die Leitung der Odenwaldschule sexuelle Verfehlungen zugegeben und sich dafür entschuldigt.
Als Konsequenz aus dem Skandal will sich die Odenwaldschule im Juli während ihrer Jubiläumswoche zum 100-jährigen Bestehen eine neue Satzung geben. Diese werde „eine klare Aufteilung von Kompetenzen“ festlegen, sagte der Sprecher des Ende Mai neu gewählten Vorstandes der Schule, Johannes von Dohnanyi.
Verantwortung und Zuständigkeit von Schulleitung und Geschäftsführung würden klar geregelt. „Das ist nun kein Frühstücksdirektorenvorstand mehr. Diese Zeiten sind vorbei“, sagte von Dohnanyi. In der Veranstaltungswoche soll das Thema sexueller Missbrauch noch einmal angesprochen werden. Erwartet wird auch die Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Christine Bergmann.
Das Recht braucht eine Reform
Franz Antonis (frantonis)
- 16.06.2010, 22:59 Uhr