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Nach der Rettung Karstadt-Mitarbeiter erwarten Investitionen in Köpfe

03.09.2010 ·  Die Karstadt-Rettung ist in der Rhein-Main-Region mit Erleichterung aufgenommen worden. Arbeitnehmervertreter fordern nun, die Kaufhauskette fit für den Wettbewerb zu machen.

Von Thorsten Winter
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Ob in Frankfurt an der Zeil oder in Gießen, in Wiesbaden oder im Main-Taunus-Zentrum: Die Zeit des Zitterns liegt hinter den Mitarbeitern von Karstadt, es beginnen die Tage des Verzichts und des Wartens auf eine Runderneuerung des Warenhauskonzerns. So freut sich Rainer Hopf über das Ende des „Pokerspiels“ um seinen Arbeitgeber und der Hängepartie, die mit dem am Freitag besiegelten Verkauf von Karstadt an den Investor Nicolas Berggruen der Vergangenheit angehört. Doch gleichzeitig blickt der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende von Karstadt an der Zeil wie seine 440 Kolleginnen und Kollegen erwartungsvoll nach vorne. Sie erhoffen sich und fordern von Berggruen „ein Konzept, wie Karstadt wettbewerbsfähig wird“.

In dieser Hinsicht zeigt er sich einig mit Verdi-Sekretär Hans Kroha, der sich für die Dienstleistungsgewerkschaft im Rhein-Main-Gebiet um den Fall Karstadt kümmert. Wenn der Warenhauskonzern auf dem Markt bestehen wolle, müssten die vom neuen Eigentümer fest zugesagten Investitionen zwingend erfolgen. Kroha denkt dabei nicht nur an die Standorte und Sortimente – sondern auch an Köpfe: „Das Waren- und Kaufhaus wird sich auf die Dauer nur dann durchsetzen können, wenn in Personen investiert wird“, meint der Handelsexperte. Ein Warenhaus könne nur mit Bedienung und Beratung punkten – „deshalb muss endlich Schluss sein mit dem Personalkosten- und dem Stellenabbau“. Darauf werde sich Verdi fortan konzentieren.

Heftiger Aderlass in Frankfurt

Betriebsrat Hopf bläst ins gleiche Horn. Ihn schmerzt der Aderlass der vergangenen Jahre. Zur Jahrtausendwende zählte Karstadt an der Zeil noch 700 Beschäftigte, zehn Jahre zuvor waren es sogar 1200 gewesen, wie er sagt. Kunden gut beraten und bedienen zu können, „unterscheidet uns vom Internet“, hebt er hervor. Beim Blick auf das Sortiment fällt ihm als erstes das Textilangebot auf, wenn es um Nachholbedarf geht. Hier müsse Karstadt mehr für die betuchte Kundschaft jenseits der 50 Jahre sowie für junge Leute tun. Sie kaufen derzeit lieber bei H&M oder Zara ein, Kaufhäuser sind für sie von gestern. Chancen, die zahlungskräftigen „Kunden der Zukunft“ zu Karstadt zu locken, sieht der Betriebsrat durchaus. Zu diesem Zweck müsse aber nicht nur Karstadt neu positioniert werden: Auch einheitliche Öffnungszeiten auf der Zeil hält Hopf für notwendig.

Während mithin noch einige Fragen rund um Karstadt der Zukunft unbeantwortet sind, steht der Umfang des Verzichts, den die Mitarbeiter leisten müssen, schon fest. Alle Tarifbeschäftigten beziehen bis auf weiteres kein Urlaubsgeld und müssen sich mit einem Viertel des Weihnachtsgeldes begnügen; Bemessungsgrundlage sind 62,5 Prozent vom Bruttoentgelt, wobei das Monatsgehalt einer Vollzeit-Verkaufskraft 2150 Euro beträgt. Das Weihnachtsgeld einer Vollzeitkraft beläuft sich fortan folglich auf 336 Euro. Auch vor diesem Hintergrund erfreut es die Belegschaften, dass der neue Eigentümer nach eigener Aussage beim Personal nicht weiter sparen will.

Knowhow als Fundament

Hopfs Chefin Silke Neumann möchte das Kerngeschäft weiterentwickelt sehen. Karstadt an der Zeil verfügt aufgrund des Know-hows in den eigenen Reihen über ein gutes Fundament, auf dem eine erfolgreiche Zukunft aufgebaut werden kann, wie die Geschäftsführerin sagt. Das Textilangebot auszubauen passe zu der strategischen Ausrichtung des Hauses mit einer Verkaufsfäche von 33.000 Quadratmetern. Neumann denkt dabei etwa an Marken wie Basler oder Marco Polo, die das Modesortiment ergänzen könnten.

Ihr Gießener Kollege Lothar Schmidt bringt Linien des Designers Max Azria, der mit Berggruen zusammenarbeitet, ins Spiel. Außerdem lenkt er das Augenmerk auf Uhren, Schmuck und Kosmetik. In diesen Segmenten könnte sein Haus stärker werden. Karstadt in Gießen zählt 400 Mitarbeiter, gehört zu den zehn größten Filialen des Warenhauskonzerns und zieht auch zahlreiche Kunden aus der Wetterau und dem Taunus an. Beim Umsatz sind die Mittelhessen „fast auf Augenhöhe“ mit Karstadt an der Zeil, wie er sagt, obwohl sie gut 10.000 Quadratmeter Verkaufsfläche weniger haben. Karstadt in Wiesbaden verfügt über 19.500 Quadratmeter. Dort zeigt sich der Betriebsrat wortkarg. „Wir erwarten, dass es weitergeht“, heißt es lediglich.

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