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Nach dem Amoklauf von Winnenden Bouffier rechnet mit Trittbrettfahrern

12.03.2009 ·  Nach einem Angriff auf eine Schule in Emdsdetten 2006 gab es in Hessen 62 „Verdachtsfälle von Amoklagen“, wie es im Polizeideutsch heißt. Auch nach dem Amoklauf von Winnenden rechnet Innenminister Bouffier mit solchen Vorfällen. Das kann aber teuer werden. Erwischte Trittbrettfahrer müssen den Polizeieinsatz bezahlen.

Von Tobias Rösmann
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Der hessische Innenminister Volker Bouffier (CDU) rechnet nach dem Amoklauf in Winnenden mit „Trittbrettfahrern“, die mit Anschlagsdrohungen in die Medien kommen wollten. Das sei nach solch spektakulären Verbrechen nicht ungewöhnlich, sagte Bouffier. Jede falsche Ankündigung werde von der Polizei wie ein Ernstfall behandelt. Es könne deshalb passieren, dass hessische Schulen geräumt würden.

Landespolizeipräsident Norbert Nedela kündigte an, dass Trittbrettfahrer die Kosten für einen unnötigen Großeinsatz tragen müssten. Innerhalb weniger Stunden könnten Beträge von mehr als 85.000 Euro entstehen. Es gebe Schüler in Hessen, die mehrere tausend Euro in monatlichen 50-Euro-Raten abzahlten.

„Unsere Schulen dürfen kein Hochsicherheitstrakt sein“

Bouffier und Kultusministerin Dorothea Henzler (FDP) sehen Polizei und Schulen gut vorbereitet. So gebe es in allen hessischen Schulen einen Krisenstab, der wisse, wie im Falle eines Amoklaufs zu reagieren sei. Jede Schule habe zudem einen klar Verantwortlichen für dieses Team, sagte Henzler. Außerdem hätten die beiden Ministerien vor zwei Jahren einen Leitfaden mit dem Titel „Handeln in Krisensituationen“ an die Schulen ausgegeben.

Henzler schlug vor, gelassen und sachkundig zu reagieren. Am Mittwoch habe ihr Ministerium eine E-Mail an alle Schulen geschickt, um an den Leitfaden zu erinnern. „Unsere Schulen sind und dürfen eines nicht sein: ein Hochsicherheitstrakt.“ Bouffier sagte, die Polizei könne zwar sehr schnell eingreifen, 100 Prozent Sicherheit werde es aber nicht geben. Er warnte außerdem davor, jetzt einen „Wettbewerb der vermeintlichen Lösungen“ zu beginnen.

Polizeipräsident Nedela berichtete, seit dem Amoklauf im westfälischen Emsdetten Ende 2006 (Amokläufer tötete sich mit Schuß in den Mund) habe es in Hessen 62 „Verdachtsfälle von Amok-Lagen“ gegeben. 94 Prozent aller Einsatzbeamten seien in den vergangenen Jahren in etwa 500 Seminaren geschult, Schulen auf Schwachstellen hin untersucht, Fluchtwege festgelegt worden.

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Jahrgang 1977, Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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