16.09.2008 · Andrea Ypsilanti ist einem Radiomoderator auf den Leim gegangen, der sich als Franz Müntefering ausgegeben hatte. Jetzt ist ein Mitschnitt im Internet aufgetaucht. Die SPD behält sich rechtliche Schritte vor. Doch dadurch wird die Aufzeichnung wohl kaum aus dem World Wide Web verschwinden.
Von Ralf EulerOffiziell stellten sich in der hessischen SPD-Führung gestern alle taub. Nein, die Aufzeichnung des Telefonats, in dem Andrea Ypsilanti einem Radiomoderator auf den Leim ging, der sich als Franz Müntefering ausgegeben hatte, habe man nicht gehört, hieß es. Aus Prinzip nicht, denn es handele sich schließlich um den illegalen Mitschnitt eines privaten Gesprächs. Hinter vorgehaltener Hand räumte der eine oder andere dann aber doch ein, dass er die Aufzeichnung im Internet abgerufen habe – „natürlich nur aus politischem Interesse, um auf dem Laufenden zu sein“.
Jochen Krause, ein Stimmenimitator des niedersächsischen Privatrundfunksenders FFN, hatte sich am vergangenen Mittwoch als der designierte SPD-Bundesvorsitzende Franz Müntefering ausgegeben und war von einer Sekretärin umgehend mit Ypsilanti verbunden worden. Diese habe ihm gesagt, sie habe ihn ohnehin anrufen wollen, und ihn mit „Franz“ angeredet, berichtet Krause im Internetprogramm der „Bild“-Zeitung stolz. „Wie ist die Lage?“, wollte der vermeintliche Müntefering militärisch knapp von der SPD-Chefin wissen, und die versicherte: „Die Lage ist ruhig.“
Veröffentlichung der Aufnahme wurde ausdrücklich untersagt
Der Internetdienst YouTube präsentierte noch gestern eine auf eine Minute und 43 Sekunden komprimierte Version des rund siebenminütigen Telefonats, in dem Ypsilanti mit dem Stimmenimitator aus Niedersachsen unbefangen spricht, ohne Verdacht zu schöpfen. Wie es dazu kommen konnte, weiß im Nachhinein niemand zu erklären, denn eigentlich hatte Ypsilanti Radio FFN die Veröffentlichung der Aufnahme ausdrücklich untersagt. Kein Wunder, hat die Landeschefin mit dem angeblichen Anrufer aus der Parteizentrale doch nicht nur über das Wetter geplaudert, sondern auch über ihr riskantes Experiment mit der Linkspartei in Hessen.
Radio FFN hat YouTube nach Angaben von Programmchefin Ina Tenz inzwischen ultimativ aufgefordert, alle Aufzeichnungen, die Auszüge aus dem Dialog enthalten, zu löschen. Doch das erweist sich als ein schier aussichtsloses Unterfangen, denn für jede gelöschte Aufnahme werden offenbar zehn neue ins Netz eingestellt. Bis gestern Morgen hatten bereits Zehntausende von Nutzern das Gespräch abgerufen, das zu diesem Zeitpunkt auch in anderen Internetportalen zu hören war. Die SPD behalte sich rechtliche Schritte gegen den Radiosender vor, denn der trage schließlich die Verantwortung für die ungenehmigte Publikation des Gesprächs, teilte ein hörbar verärgerter Parteisprecher am Nachmittag mit.
Das World Wide Web indes hat seine eigenen Gesetze. Am Ende des Tages sah sich die Hessen-SPD jedenfalls mit der paradoxen Situation konfrontiert, dass ein privates, illegal aufgezeichnetes Telefonat ihrer Landesvorsitzenden im Internet noch immer von jedermann ungehindert mitgehört werden konnte.
FFN hat Wortbruch begangen
M.W. Jacobs (BonSchott)
- 15.09.2008, 22:17 Uhr
was bleibt: der Schuh ist viel zu gross
rene dustmann (reduma)
- 16.09.2008, 10:21 Uhr
Ach was...
Johann Schulz-Gebeltzig (johannsg)
- 16.09.2008, 10:53 Uhr
Die betrogene Lügnerin
joachim bovier (jbovier)
- 16.09.2008, 19:42 Uhr
So nicht!
Rüdiger Noll (krn)
- 16.09.2008, 19:54 Uhr