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Modellprojekt Kirche will mehr Männer in Kindertagesstätten

20.08.2011 ·  Die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau nimmt an einem Modellprojekt teil, das den Erzieherberuf für Männer attraktiver machen soll. Schließlich seien männliche Vorbilder wichtig für Kinder.

Von Rainer Hein, Darmstadt
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Die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) hat in dieser Woche in der Evangelischen Hochschule in Darmstadt offiziell mit dem Projekt „Mehr Männer in Kitas“ begonnen. Ziel ist, bis Ende 2013 den Anteil männlicher Erzieher in den rund 600 Kindertagesstätten der Evangelischen Kirche signifikant zu steigern. Derzeit liegt deren Anteil bei etwas über zwei Prozent oder bei 131 Männern - bei insgesamt rund 5500 Kita-Mitarbeitern. Bundesweit werden im Schnitt in allen Trägereinrichtungen 3,3 Prozent Männer als Erzieher beschäftigt. Größere Mitwirkungsmöglichkeiten in den Kitas sollen künftig auch Vätern, Großvätern und männlichen Ehrenamtlichen eingeräumt werden.

Mehr Männer in Kitas ist ein Projekt des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, das mit Fördergeldern aus dem Europäischen Sozialfonds finanziert wird. Für eine Teilnahme hatten sich, wie Projektkoordinator Jens Krabel bei der Auftaktveranstaltung in Darmstadt mitteilte, bundesweit 74 KitaTräger beworben, von denen 16 ausgesucht worden seien. Deren Konzepte würden in den nächsten drei Jahren mit insgesamt 13 Millionen Euro gefördert. Die Leiterin des Fachbereichs Kindertagesstätten bei der EKHN, Sabine Herrenbrück, hatte den Förderbescheid schon im Dezember vergangenen Jahres in Berlin entgegennehmen können. Seitdem wurde eine Projektstelle mit fünf Mitarbeitern in Darmstadt eingerichtet, deren Aufgabe vor allem in der Koordination besteht. Erste Produkte der Koordinatoren sind die Broschüre „Kerle - Kids - Kitas“, in der die Zielsetzung des Projekts und dessen Bausteine erläutert werden, sowie eine Internetseite (www.mikitas.de).

„weibliche Teamkultur“

Die EKHN hat, wie Herrenbrück berichtet, ihre Initiative unter das Motto „Kitas: Ein Ort (auch) für Männer“ gestellt. Vorgesehen sei eine Aufklärungskampagne, die mit falschen Vorstellungen über den Beruf des Erziehers aufräume, Schranken abbaue und eine „Kultur der Anerkennung und Unterstützung von Männern in Kitas“ schaffe. Geschehen soll dies zum Beispiel durch den Einsatz von sogenannten Werbe-Erziehern. Das sind Kita-Mitarbeiter, die ihren Beruf gerne ausüben, sowie junge Männer im Freiwilligen Sozialen Jahr oder männliche Praktikanten, die Schulen besuchen, Arbeitsagenturen und Ausbildungsmessen oder Konfirmanden ansprechen, um über die Praxis der Arbeit mit kleinen Kindern und die Verdienst- und Karrieremöglicheiten des Erzieherberufs zu informieren.

Der Männernotstand in Kitas ist ein zähes Phänomen, das auch die 2008 intensivierten Anstrengungen des Bundes bis jetzt nicht gravierend haben ändern können. Die Zahlen im Ranking unter den Bundesländern bewegen sich zwischen einem Männeranteil von 9,6 (Bremen) und weniger als zwei Prozent (Bayern). Hessen liegt im Mittelfeld. Verantwortlich gemacht werden für diese Situation vor allem stereotype Geschlechtsbilder. Das Argument, das Einkommen eines Erziehers sei für Männer nicht attraktiv genug und daher der zentrale Hinderungsgrund, spielt nach Herrenbrücks Erfahrung keine so entscheidende Rolle. Schon einfache Vergleiche zeigten, dass das Mindestgehalt eines Erziehers über dem Verdienst eines Kochs, eines Bäckers, eines Fleischers oder einer Fachkraft für Lagerlogistik liege.

Weil Einstellungen und Verhaltensmuster offensichtlich wichtig sind, richtet sich die Aktion „Mehr Männer in Kitas“ auch an die beschäftigten Erzieherinnen. In Fortbildungsveranstaltungen und Kursen sollen gezielt die meist durch eine „weibliche Teamkultur“ geprägten Rollenbilder hinterfragt werden. Nach den Erfahrungen von Herrenbrück und Carmen Prasse aus der Koordinationsstelle ist unter Erzieherinnen, aber auch unter Müttern ein genereller „Missbrauchs-Verdacht“ gegenüber Männern keineswegs selten: „Das ist einer der zentralen Punkte, auf die wir in Gesprächen immer wieder stoßen und die oft als eine Strategie der Abgrenzung zu werten sind.“ Auch die „wilden Spiele“ der Männer seien Frauen oft suspekt. Nur wenn sich diese Haltungen ändern ließen, werde es für Männer leichter sein, „in der Kita Fuß zu fassen“.

Kontakt via Internet

Bleibe es dabei, werde sich nur die derzeitige Praxis der „kurzen Verweildauer“ fortsetzen. Den anvisierten Bewusstseinwandel unterstützen soll ein sogenanntes Online-Mentoring. Berufsanfänger bekommen hier die Gelegenheit, mit erfahrenen Berufskolleginnen und Kollegen auch via Internet in Kontakt zu treten, um zum Beispiel über die Rolle als Mann in der Kita und Konfliktlösungsstrategien zu diskutieren.

Solches Erfahrungswissen könne helfen, „sich besser in der bisher weiblich dominierten Kita-Kultur zu verorten und mehr Arbeitszufriedenheit zu erreichen“. Dass Männer in Kitas gewünscht sind, steht für die Initiatoren des Modellprojekts außer Frage, nicht nur wegen des drohenden Fachkräftemangels. Männliche Vorbilder seien grundsätzlich wichtig für Kinder.

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Jahrgang 1958, Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Darmstadt.

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