Home
http://www.faz.net/-gzm-167fl
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Missbrauchsskandal Mehrere Verfahren zu Odenwaldschule abgehakt

30.04.2010 ·  Einen Tag nach dem Rücktritt des Interimssprechers der Odenwaldschule hat die Staatsanwaltschaft Darmstadt die Einstellung von Ermittlungsverfahren wegen sexuellen Missbrauchs eingestellt. Gegen den früheren Schulleiter Becker wird aber weiter ermittelt.

Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (0)

Im Zusammenhang mit den Missbrauchsfällen an der Odenwaldschule hat die Staatsanwaltschaft Darmstadt fast die Hälfte der 13 Ermittlungsverfahren eingestellt. Dies teilte ein Sprecher der Behörde am Freitag mit. Zwei beschuldigte ehemalige Lehrer seien schon tot, in zwei weiteren Fällen die zur Last gelegten Taten verjährt.

„In zwei anderen Verfahren waren keine konkreten Straftatbestände zu erkennen“, sagte der Sprecher. Sieben Verfahren seien noch offen, sechs gegen ehemalige Lehrer und ein Verfahren gegen einen beurlaubten Pädagogen. Darunter ist auch der als Hauptbeschuldigter geltende frühere Schulleiter Gerold Becker.

„Ich halte an meiner Ankündigung fest“

Mitten in der Aufarbeitung des Missbrauchsskandals war zuvor der Sprecher des Trägervereins der südhessischen Odenwaldschule, Philipp Sturz, zurückgetreten. Er hat sein Amt erst vor einem Monat angetreten. „Ich halte an meiner Ankündigung fest“, sagte der 48 Jahre alt Sturz am Donnerstag. Acht Vereinsmitglieder, die an dem für seine Reformpädagogik bekannten Internat schon während der Zeit der sexuellen Übergriffe Verantwortung trugen, seien seiner ultimativen Aufforderung nach Rücktritt nicht gefolgt. Nach tagelangem Warten war die Frist am Mittwoch verstrichen. „Da war Schweigen im Wald. Es geht aber nicht, dass die Mitglieder von damals im Trägerverein bleiben.“ Ende Mai soll ein neuer Sprecher bestimmt werden.

Die Odenwaldschule spricht von etwa 40 Missbrauchsopfern zwischen 1966 bis 1991. Die Staatsanwaltschaft ermittelt, die Fälle gelten aber als verjährt. Die Schule hatte kürzlich ihr 100-jähriges Bestehen gefeiert.

Fried fordert Neubeginn mit Unbelasteten

Beim nächsten Treffen des Trägervereins Ende Mai sollen auch die Nachfolger von fünf Vorständen gewählt werden, die bei einer Krisensitzung Ende März zurückgetreten waren. Damals war Sturz neben dem ehemaligen Landrat Norbert Hofmann an die Spitze des aus rund 30 Personen bestehenden Vereins bestimmt worden, der den Vorstand wählt.

Nach den nicht erfolgten Rücktritten will die frühere Schülerin Amelie Fried dem Trägerverein nun doch nicht angehören. „Ich bin der festen Überzeugung, dass ein glaubwürdiger Neubeginn an der Odenwaldschule nur mit Persönlichkeiten möglich ist, die damals nicht in Verantwortung standen“, schrieb sie Sturz.

Das sei keine Schuldzuweisung. „Ich behaupte aber, dass die damaligen Vorstandsmitglieder entscheidenden Hinweisen nicht nachgegangen und deshalb mitverantwortlich für die damals nicht erfolgte weitere Aufklärung der Missbrauchsvorwürfe sind“, so Fried weiter. Den meisten Beteiligten habe damals mehr daran gelegen, „den Ruf der Schule zu schützen, als die Interessen der betroffenen Schüler wahrzunehmen“.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen

Perspektivlosigkeit ist Gift

Von Rainer Schulze

Die Zukunft der Wohnungsbaugesellschaft Nassauische Heimstätte ist unklar. Das Land will sich von der Beteiligung trennen - Frankfurt hat die Hand gehoben. Eine Entscheidung tut not. Mehr