11.03.2010 · Die Leiterin der Odenwaldschule, Margarita Kaufmann, hat unter Tränen geschildert, was sie in Gesprächen mit Missbrauchsopfern herausfand. So habe sich eine zehn Jahre alte Schülerin der Reformschule vor dem Musiklehrer ausziehen und streicheln lassen müssen.
An der Odenwaldschule in Heppenheim haben sich bislang 33 ehemalige Schüler gemeldet und von sexuellen Übergriffen von Lehrern aus der Zeit von den sechziger Jahren bis 1985 berichtet. Im Verdacht stehen acht ehemalige Lehrer, deren Namen der Staatsanwaltschaft von der Schulleitung übergeben wurden. Am Donnerstag schilderte die Leiterin der Reformschule, Margarita Kaufmann, unter Tränen, was sie in den Gesprächen bisher herausfand. So habe sich eine zehn Jahre alte Schülerin vor dem Musiklehrer ausziehen und streicheln lassen müssen. Ein Schüler habe vom Schlafzimmer des Schulleiters seine Eltern anrufen dürfen; danach habe ihn der Pädagoge an intimen Stellen berührt und sich dabei selbst befriedigt.
Frau Kaufmann sagte, sie sei „zutiefst erschüttert“ und beschämt, was hier jungen Menschen angetan worden sei; die Schule habe große Schuld auf sich geladen, die durch nichts wiedergutzumachen sei. Die Schulleiterin wies auch darauf hin, dass ein Schüler die Nacht bei Schulleiter B. verbracht habe. Dem Hinweis darauf sei dessen Nachfolger im Amt aber nicht nachgegangen. Er habe nichts unternommen, weshalb Kaufmann von „aktivem Täterschutz“ sprach.
Um Aufarbeitung des Themas gebeten
Die Odenwaldschule berichtete über die Reaktionen auf ihre am Montag versandten 900 Briefe an frühere Schüler. Denn im Herbst 2008 hatten sich Ehemalige, die in den siebziger und achtziger Jahren Opfer von sexuellen Übergriffen der Lehrer geworden waren, an die Schulleitung gewandt und um Aufarbeitung des Themas gebeten. Offenbar ging aber den damaligen Opfern die Anstrengung der Schule nicht weit genug, so dass sie sich selbst an die Öffentlichkeit wandten. Seitdem werden im Internet ständig neue Vorwürfe gegen die frühere Leitung laut. Gewusst hätten davon Hunderte von Schülern.
Die Leitung der Odenwaldschule hat sich bei ihren ehemaligen Schülern wegen des Missbrauchskandals entschuldigt.
Inzwischen richtet sich der Blick auf den aus sieben Personen bestehenden Vorstand der Schule, der zum Teil schon in den achtziger Jahren im Amt gewesen sein soll. Gestern teilte Geschäftsführer und Vorstandsmitglied Meto Salijevic mit, dass über Rücktritte erst in einer außerordentlichen Mitgliederversammlung am 27. März entschieden werde. Zu Beginn dieser Woche hatte ein Vorstandsmitglied geäußert, das Gremium trete geschlossen zurück. In dieser Woche war auch die Heppenheimer Polizei in die Kritik geraten. Eine Schülerin soll sich damals an die Polizei gewendet haben, aber abgewiesen worden sein. Die Polizei will diesem Vorwurf nachgehen.