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Missbrauchsfälle Henzler lässt alle Internate überprüfen

 ·  Als Konsequenz aus den Missbrauchsfällen an der privaten Odenwaldschule hat Kultusministerin Dorothea Henzler (FDP) eine Überprüfung aller 33 hessischen Internatsschulen angekündigt.

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Als Konsequenz aus den Missbrauchsfällen an der privaten Odenwaldschule hat Kultusministerin Dorothea Henzler (FDP) eine Überprüfung aller 33 hessischen Internatsschulen angekündigt. Es dürfe weder Verständnis noch Toleranz für die Täter geben, sagte sie am Donnerstag im kulturpolitischen Ausschuss des Landtags. Zudem kündigte sie an, dass das Schulgesetz ergänzt werde.

Künftig solle jeder Fall eines Verdachts auf sexuellen Missbrauch angezeigt werden, schulinterne Regelungen dürfe es nicht mehr geben. Ein Versagen der Schulaufsicht, als 1999 zum ersten Mal Übergriffe an der Odenwaldschule bekannt worden seien, sieht Henzler nicht. In einer persönlichen Erklärung verurteilte die Ministerin zu Beginn der Sitzung Lehrer, die ihnen anvertraute Schüler missbraucht hätten.

Früher habe es keine Hinweise auf weitere Fälle gegeben

Die Odenwaldschule, an der in den Jahren 1966 bis 1991 acht Lehrer 33 Schüler missbraucht haben sollen, hat nach Darstellung von Henzler Konsequenzen gezogen. So werde die Leitung von Schule und Internat getrennt, gemeinsame Duschräume von Lehrern und Schülern werde es nicht mehr geben, Schüler dürften Stoppschilder an ihren Zimmertüren anbringen, um sich vor unerbetenem Besuch von Lehrern zu schützen.

Auf den ersten Missbrauchshinweis an der Odenwaldschule habe die Aufsicht 1999 schnell reagiert, berichtete Henzler. So seien die Verträge des verdächtigen Schulleiters Gerold Becker mit dem Land nur einen Tag nach dem ersten Zeitungsbericht über den Verdacht gekündigt worden; das sei auch das Ende jeglicher Zusammenarbeit des Landes mit dem bekannten Reformpädagogen gewesen. Becker selbst habe sich zu keinem Zeitpunkt zu den Vorwürfen geäußert, aber alle seine Ämter in Verbänden und an der Odenwaldschule niedergelegt. Die Staatsanwaltschaft nahm im Jahr 1999 Ermittlungen auf, stellte sie aber wegen Verjährung im selben Jahr wieder ein. Damals habe es, so Henzler, keine Hinweise auf weitere Fälle gegeben.

Zweifel an Schulleiterin

Als weitere Reaktion auf die aktuellen Fälle an der Odenwaldschule kündigte Henzler an, disziplinarrechtliche Konsequenzen gegen zwei ehemals dort tätige Lehrer zu prüfen, die nun im Ruhestand seien. Dazu gehöre auch Wolfgang Harder, der Nachfolger Gerold Beckers als Schulleiter, der „aktiven Täterschutz“ betrieben habe.

Am angeblich entschlossenen Handeln der früheren Schulleiterin der Wiesbadener Helene-Lange-Schule, Enja Riegel, äußerte Henzler hingegen Zweifel. In einem 20 Jahre alten Fall ließen sich keine Belege für Sanktionen gegen einen Lehrer finden, von denen Riegel gesprochen hatte. So fehle jeder Hinweis, dass der Lehrer nach dem Hinweis auf den Missbrauch von vier Schülern suspendiert worden sei. Es gebe zudem keinen Eintrag in seiner Personalakte.

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Jahrgang 1960, Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Wiesbaden.

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