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Missbrauchs-Vorwürfe in Heppenheim Odenwaldschule geht auf potentielle Opfer zu

09.03.2010 ·  Bei der Odenwaldschule in Heppenheim haben sich bisher 24 Schüler gemeldet, die von sexuellen Übergriffen berichteten. Die Staatsanwaltschaft Darmstadt hat gegen mehrere Lehrkräfte ein Ermittlungsverfahren eingeleitet.

Von Werner Breunig, Heppenheim
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Bei der Odenwaldschule in Heppenheim haben sich bisher 24 Schüler gemeldet, die von sexuellen Übergriffen berichteten. Am Montag wollte Schulleiterin Margarita Kaufmann keine stündlich aktualisierten Zahlen bekanntgeben. Sie teilte aber mit, dass sich das Ausmaß an sexuellem Missbrauch als weit höher herausgestellt habe, als sie bisher vermutet habe.

Im vergangenen Jahr trafen sich Kaufmann zufolge in Frankfurt Vertreter der Schule mit vier ehemaligen Schülern, die früher Opfer von Übergriffen an der Schule waren. Damals hat sich die Schule gegen eine große Aktion entschieden. Am Montagmorgen gingen nun aber 900 Schreiben an ehemalige Schüler, die in den Jahren 1970 bis 1985 die reformpädagogische Institution besuchten. Thema des Briefes ist sexueller Missbrauch. Kaufmann entschuldigt sich im Namen der Schule für das nicht wiedergutzumachende Leid, das den Schülern widerfahren sei. Sie fordert in dem Brief mögliche Opfer von sexuellen Übergriffen aus jener Zeit auf, sich bei der Schule zu melden. Die Odenwaldschule habe, so ist darin zu lesen, eine erfahrene Rechtsanwältin engagiert, die juristischen Rat gebe und auch Therapien vermittle. An der Schule wurde zudem ein Telefondienst eingerichtet, der Anfragen entgegennimmt.

Selbstkritik der Schule ist zu vernehmen

Von Vertuschen könne keine Rede sein, ließ die Schule gestern wissen. Doch ist auch Selbstkritik zu vernehmen. Nachdem erste Vorwürfe 1998 laut geworden waren, die Staatsanwaltschaft aber wegen Verjährung die Ermittlungen eingestellt hatte, habe man es versäumt, aktiv in den eigenen Reihen und bei den früheren Schülern nachzuforschen.

Bei der Pressekonferenz im Heppenheimer Stadtteil Ober-Hambach erläuterte Kaufmann – sie ist erst seit 2007 im Amt –, dass 2001 eine regelmäßige und verpflichtende Fortbildung und Supervision für die Lehrkräfte eingeführt worden sei. Zudem gebe es inzwischen die doppelte Familienführung. Die Reformschule zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass in dem Internat Lehrer und Schüler in einer Art Familiengruppe zusammenleben und sich dreimal täglich zu den Mahlzeiten treffen. Die Lehrer oder Erzieher wohnen mit den Schülern unter einem Dach, sie sind ständig erreichbar. Die enge emotionale Bindung betrachtet die Schule als besonderen Wert.

Staatsanwaltschaft Darmstadt ermittelt

Kaufmann nimmt an, dass der Vorstand des Trägervereins demnächst zurücktritt. Mit einem zum Teil neuen Vorstand könne die Vorwärtsstrategie beibehalten werden. Gestern wurde bekannt, dass die Staatsanwaltschaft Darmstadt gegen einen namentlich bekannten und weitere unbekannte ehemalige Lehrkräfte ein Ermittlungsverfahren eingeleitet hat. Es sei nicht auszuschließen, dass es weitere sexuelle Übergriffe gegeben habe, die noch nicht verjährt seien, teilte die Behörde mit. Die frühere Kultusministerin Karin Wolff (CDU) sagte auf Anfrage, der Schule in freier Trägerschaft sei die Lizenz 1999 nicht entzogen worden, denn die Taten seien damals verjährt gewesen, wie eine Prüfung ergeben habe.

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