Eine vom Kultusministerium verschuldete Panne bei den schriftlichen Abiturprüfungen vom vergangenen Freitag hat es nicht gegeben. Das haben nach einem Gespräch in Wiesbaden der Vorsitzende des Landesschülerrats Tim Huß und der Staatssekretär im Kultusministerium Heinz-Wilhelm Brockmann (CDU) gesagt. Die Schülervertretung wiederholte jedoch die schon am Wochenende erhobene Forderung, das Zentralabitur müsse entbürokratisiert werden; eigentlich gehöre es abgeschafft.
Offenbar weil sie nicht ausreichend über die Erfordernisse für die schriftlichen Grundkurs-Abiturprüfungen im Fach Mathematik informiert waren, hatten sich Schüler noch am Freitag abend an Huß gewandt. Auch in Internet-Foren diskutierten Jugendliche darüber, ob Aufgaben, die sie lösen mussten, ihnen überhaupt hätten gestellt werden dürfen: Aus einer ebenfalls im Internet zugänglichen Auflistung von Themen, die in Grundkurs-Prüfungen vorkamen, und Themen, die in Leistungskurs-Prüfungen behandelt wurden, hatten sie gefolgert, dass von ihnen beanstandete Inhalte aus ihrer Prüfung (eine Aufgabe zum Thema Volumenintegrale) nur für Schüler in Leistungskursen relevant gewesen wären.
„Formal alles korrekt gelaufen“
Daraus wiederum schlossen sie, es sei nicht rechtens gewesen, dass ihnen eine solche Aufgabe gestellt worden war. Dieser Vorwurf, so Huß, lasse sich nicht aufrechterhalten. Formal sei alles korrekt abgelaufen, hatte schon in einer ersten Stellungnahme am Sonntag ein Sprecher des Kultusministeriums gesagt und von einem Missverständnis gesprochen. Diesen Begriff wählte der Schülersprecher dann ebenfalls.
Das „Missverständnis“ besteht nach bisheriger Sachlage darin, dass die über Erlasse festgeschriebenen Prüfungsmodalitäten – was im Lehrplan steht, kann auch im Abitur drankommen – in einzelnen Fällen nicht kommuniziert wurden. Anders gesagt: Womöglich hat es Lehrer gegeben, die ihre Schüler nicht richtig vorbereitet haben. Womöglich sind aber auch Aufgaben gestellt worden, die einige Jugendliche nicht richtig verstanden haben. Für letzteres, was ärgerlich, aber keine Panne ist, spricht, dass von den Schulämtern keine Beschwerden aus Schulen heraus gemeldet worden waren. Auf Nachfrage der Rhein-Main-Zeitung hatten mehrere Direktoren ebenfalls von höchstens sehr schwierigen Aufgaben gesprochen. Eltern-Gremien waren mit dem Thema gar nicht befasst.
„Der Beanstandungen schnell angenommen“
Landes-Schülersprecher Huß lobte, dass sich das Ministerium der Beanstandungen schnell angenommen habe. Formal sei der Behörde kein Fehler anzukreiden. Dass der bürokratische Wald aber so dicht sei, dass einzelne Schüler sich darin geradezu zwangsläufig verliefen, bleibe als Vorwurf bestehen. Nach dem mehrere Stunden währenden Gespräch mit dem Schülerrat kündigte das Ministerium an, an allen hessischen Schulämtern nochmals zu fragen, ob Schüler sich über falsche Hinweise zum Lernen fürs das Abitur beschwert hätten. Jeder Fall werde überprüft.

