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Maikäfer-Plage in Südhessen Fressmaschine Engerling

13.08.2009 ·  Südhessens Wald droht durch Maikäfer dramatisch geschädigt zu werden. im Waldboden finden sich enorm viele Larven des Käfers. Zur Bekämpfung wird nun der Einsatz eines chemischen Insektizids erwogen. Naturschützer äußern Kritik.

Von Werner Breunig, Pfungstadt
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Die hessischen Förster schlagen Alarm. Sie erwarten für das nächste Jahr eine Maikäferplage, wie sie das hessische Ried noch nicht gekannt hat. Seit den achtziger Jahren erhöht sich die Population beständig und schädigt die Wälder in Südhessen. Der Kulminationspunkt dürfte noch lange nicht erreicht sein. Die Schäden richten aber weniger die Käfer an, die sich innerhalb von zwei bis vier Wochen durch das Laub der Bäume fressen, vielmehr sind es ihre Larven, die Engerlinge. Von 100 Millionen sprechen die Fachleute allein in Südhessen.
Hessen-Forst zeigte im Pfungstädter Wald, wie sehr die gefräßigen Tiere den Bäumen zusetzen. Gefährdet sind ferner der Wald bei Lampertheim und Bürstadt, der Jägersburger Wald, der Darmstädter Westwald und Gebiete im im Raum Groß-Gerau. Odenwald und Taunus sind nicht betroffen, wohl aber gilt dies für die sandigen Böden der Rheinebene, auch für Baden-Württemberg.

Horst Gossenauer-Marohn, Sachbebietsleiter Waldschutz und Kommunikation von Hessen-Forst, und der Darmstädter Forstamtsleiter Helmut Müller fanden deutliche Worte für die Schäden der „Freßmaschine Engerling“. Sie sprachen von „Totengräbern des Waldes“, immer dramatischeren Prozessen, vom Verschwinden der Laubbäume. An zwei Stellen wiesen sie auf die Auswirkungen auf den Baumbestand. Der Wald könne sich nicht mehr verjüngen, berichteten sie, denn die Engerlinge fräßen die zarten Feinwurzeln der Bäumchen weg, so dass sie schon im Sommer braun würden und abstürben.

„Die Bäume sterben im Stehen“

Müller deutete auch auf die schüttere Baumkronen, kleinere Blätter bei ausgewachsenen Buchen, auf Lichtungen, die schon seit Jahren versteppen, weil aus Gründen der Sicherheit gefährdete Bäume gefällt worden waren. Eine vor 80 Jahren von der Kommune gepflanzte Buche hatten die Forstleute mit einem Schlepper umgelegt. Sie zeigten dabei exemplarisch, dass nur noch Hauptwurzeln den Baum im Boden hielten und die Zufuhr von Nährstoffen und Wasser nicht mehr möglich war. „Die Bäume sterben im Stehen“, sagte Müller.

An die Politik richteten die Fachleute von Hessen-Forst den Appell, alles zu tun, dass der Wald erhalten bleibe - nicht zuletzt in seiner Funktion als Wasserspeicher und Erholungsraum. Den Schaden, den Engerlinge hervorgerufen haben, konnten sie nicht beziffern, wohl aber die Befallsfläche, die sich bis heute auf mehr als 10.000 Hektar ausgedehnt hat.

Feinde haben Engerlinge nicht, da sie sich Boden wohlfühlen. Bei Frost ziehen sie sich in das tiefe Erdreich zurück und können allenfalls bei steigendem Grundwasser zugrunde gehen. Doch der Pegel sinkt seit Jahren eher. Untersuchungen der Larven ergaben, dass sie trotz steigender Population nicht von Parasiten befallen sind. Feinde wären Pilze, Bakterien, Viren. Doch es fehlt an Antagonisten. Einen natürlicher Zusammenbruch der Populationen erwarten die Fachleute für die absehbare Zukunft nicht.

Abnorm hohe Engerlingzahl

Bekämpfen lässt sich die Plage im Grunde nur innerhalb von zwei bis vier Wochen: wenn Ende April oder Anfang Mai die fertigen Käfer geschlupft sind und in den Baumkronen fressen. Die Weibchen gilt es, vor der Eiablage zu töten. Dazu bereitet Hessen-Forst jetzt die Voraussetzungen: Entscheiden aber muss das Umweltministerium.

Zu den Vorarbeiten zählt derzeit eine detaillierte Kartierung der Engerlingvorkommen. Rainer Hurling, Maikäferexperte der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt in Göttingen, erläuterte, dass seit Mai die südhessischen Wälder in Parzellen von 500 Meter auf 500 Meter eingeteilt worden seien. Je Parzelle an vier Punkten gegraben worden, nun lägen die Ergebnisse von 5124 Proben vor. Als kritisch gälten drei Engerlinge je Quadratmeter, doch im Pfungstädter Wald seien nirgendwo weniger als zehn je Quadratmeter gefunden worden, in der Spitze bis zu 100 der fünf Zentimeter großen Larven mit sechs Beinen und deutlich erkennbaren Fresswerkzeugen.

Die Forstleute verlangen, dass für das Hauptflugjahr 2010 ein großflächiges Bekämpfungskonzept entwickelt wird. Bis Herbst sollen dem Ministerium die Untersuchungen vorliegen, auch die Folgen von Insektiziden auf andere Lebewesen, wobei Insektenvernichtungsmittel ohnhin nicht in Wasserschutzgebieten oder nahe der Wohnbebauung ausgebracht werden dürfen. Auch Baden-Württemberg habe, schon überprüft, was gegen die Maikäfer unternommen werden könne, sagte Hurling. Die hessischen Tests bezögen sich nun auf Fragen, die für die badische Rheinebene noch nicht aufgeworfen worden seien. So kümmere man sich hier um Greifvögel und Fledermäuse.

Kritik von Naturschützern

Der Naturschutzbund (Nabu) lehnt eine chemische Bekämpfung der Käfer ab. Das Mittel vergifte nicht nur Maikäfer, sondern schädige auch zahlreiche andere Insekten, darunter bedrohte Schmetterlings- und Käferarten. „Es müssen die Ursachen bekämpft werden, nicht die Symptome“, sagte der hessische Nabu-Landesvorsitzende Gerhard Eppler laut Mitteilung in Wetzlar. Ursachen seien zum Beispiel der tiefe Grundwasserstand und die Klimaerwärmung. Die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW) dagegen meint, angesichts der schweren Bedrohung für die Wälder sollte auch ein Gifteinsatz nicht ausgeschlossen werden. Es sei zwar nicht das beste Mittel, „aber ein Aussitzen hätte fatale Folgen“, sagte SDW-Landesgeschäftsführer Christoph von Eisenhart Rothe. „Wenn nichts passiert, wird es in nur sehr wenigen Jahren eine großflächige Entwaldung zwischen Lampertheim und Frankfurt geben.“

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Jahrgang 1952, Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Landkreis Darmstadt-Dieburg.

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