Die Ergebnisse hessischer Schüler im neuen Bildungsvergleich der Länder haben ein sehr unterschiedliches Echo hervorgerufen. Kultusministerin Dorothea Henzler (FDP) sieht sich durch das Abschneiden in ihrem Kurs bestätigt. Auch CDU und FDP zeigten sich erfreut. Die Opposition und die Bildungsgewerkschaft VBE bemängelten dagegen, dass Schulbildung noch immer von der sozialen Herkunft abhänge.
In Hessen haben sich Henzler zufolge rund 120 Schulen mit jeweils einer neunten Klasse an dem neuen Test beteiligt, der den bisherigen Pisa-Bundesländer-Vergleich ablöst. Geprüft wurden Leistungen in Deutsch und in den ersten Fremdsprachen Englisch und Französisch. Dabei ging es um Kompetenzen in Zuhören und Lesen, im Fach Deutsch auch um Rechtschreibung. Grundlage für die Untersuchung waren erstmals die neuen bundesweiten Bildungsstandards.
Nur Mittelmaß beim Lesen und Hörverständnis
Als klare Sieger gingen die Bundesländer Bayern und Baden- Württemberg hervor. Hessen belegte in Englisch jeweils vierte Plätze beim Lese- und beim Hörverständnis. Dasselbe Ergebnisse erreichten die Schüler auch bei der deutschen Rechtschreibung. Nur Mittelmaß sind sie im Ländervergleich dagegen in Deutsch beim Lesen (Platz 8) und Hörverständnis (Platz 9). In Französisch gibt es nach Auskunft des Kultusministeriums keine Rangliste, da dies nur in sechs Ländern getestet werden konnte. Hessen habe aber sehr gut abgeschnitten.
Nach Ansicht der Lehrergewerkschaft VBE Hessen zeigt der neue Leistungsvergleich unverändert die soziale Abhängigkeit der Schulbildung. „Es kann doch nicht sein, dass im 21. Jahrhundert das Elternhaus ausschlaggebend dafür ist, ob ein Schüler auf das Gymnasium geht oder nicht“, kritisierte VBE-Landeschef Helmut Deckert in Frankfurt. Es sei auch „höchst ärgerlich“, dass mit den Reaktionen auf die unterschiedlichen Bundesländerergebnisse der Eindruck entstehe, dass Deutschland bei der Schulbildung noch in der Kleinstaaterei des 18. Jahrhunderts stecke.
Deckert nannte es „erschreckend“, dass ein Viertel der getesteten Schüler lediglich auf Grundschulniveau lesen könne. Wer komplexere und anspruchsvollere Texte nicht verstehe und solche Inhalte daher auch nicht in sein persönliches Leben einbeziehen könne, sei auch mit Blick auf politische Teilhabe verführbar, mahnte der VBE-Landeschef.
Linke: Weiter keine Chancengleichheit
Auch Grüne und Linkspartei kritisierten, dass der schulische Erfolges von der sozialen Herkunft der Kinde abhänge. Der Grünen-Abgeordnete Mathias Wagner nannte dies einen Skandal. Die Linken-Abgeordnete Barbara Cárdenas äußerte sich ähnlich. „Chancengleichheit gibt es im deutschen Schulsystem leider immer noch nicht“, sagte sie.
CDU und FDP lobten dagegen den Kurs in der Schulpolitik. „Entgegen aller Unkenrufe setzt Hessen in der Bildungspolitik die richtigen Maßstäbe“, sagte der FDP-Abgeordnete Mario Döweling. Auch sein CDU- Kollege Hans-Jürgen Irmer wertete die Ergebnisse im Ländervergleich als „ein Beleg dafür, dass sich umsichtige und entschlossene Schulpolitik, die durchaus auch gegen manche Bedenken und Widerstände ankämpfen musste, auszahlt“.
Chancengleichheit
Harald Möller (Velbert)
- 23.06.2010, 18:35 Uhr
Bitte die Realität begreifen
Ungefragt Nachgefragt (Ungefragt)
- 23.06.2010, 18:59 Uhr

