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Lehramt Offene Lehrer-Stellen, zu wenige Ausbilder

30.06.2009 ·  In Hessen stehen in diesem Jahr 1.900 Lehrer-Pensionierungen an. Zusätzlich 1.000 neu geschaffene Stellen könnten besetzt werden. Das Kultusministerium will zum neuen Schuljahr 2.500 Lehrer einstellen. Wie der Bedarf, außer mit Pädagogen, die anderswo gewonnen werden, gedeckt werden kann, ist nicht absehbar.

Von Jacqueline Vogt, Wiesbaden
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Es gibt zu wenige Lehrer. Das hat am Wochenende der Deutsche Philologenverband beklagt: In ganz Deutschland fehlten heute 25.000, auf mittlere Sicht könnten es 50.000 werden. Hessen, wo in diesem Jahr 1.900 Lehrer-Pensionierungen anstehen und zusätzlich 1.000 neu geschaffene Stellen besetzt werden könnten, will nach Aussage des Kultusministeriums zum neuen Schuljahr 2.500 Lehrer einstellen. Das Land gehört so zu denen mit erhöhtem Bedarf. Wie er, außer mit Pädagogen, die anderswo gewonnen werden, und mit berufsfremdem Quereinsteigern gedeckt werden kann, ist nicht absehbar.

Worin eine seiner Ursachen besteht, glaubt die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) zu wissen. „Der Lehrkräftemangel ist teilweise hausgemacht“, sagt der Landesvorsitzende Jochen Nagel und verweist dazu auf die hohe Zahl derer, die unlängst das Erste Staatsexamen abgelegt haben, aber nicht in den Vorbereitungsdienst für das Lehramt, das Referendariat, übernommen werden.

An der Grenze

Wenn, sagt Jochen Nagel, alleine an der Schule, die seine Tochter besuche, zum nächsten Schuljahr zwei Mathematik-Lehrer fehlten und zugleich 42 Bewerbern, die dieses Mangelfach an Haupt-und Realschulen und an Gymnasien unterrichten wollten, kein Angebot gemacht werde, könne etwas nicht stimmen. Laut den Zahlen der Erziehungsgewerkschaft – die ihr über die Mitbestimmungsgremien im Kultusministerium und den nachgeordneten Behörden vorliegen – sollen von 2.706 Bewerbern um ein Referendariat nur 1.425 im August mit dem 24 Monaten dauernden Vorbereitungsdienst beginnen können. Die meisten Ablehnungen beträfen das Lehramt für Gymnasien, gefolgt von dem für Grundschulen. Für das Lehramt an beruflichen Schulen seien hingegen alle Anwärter in den Vorbereitungsdienst übernommen worden.

Die hohe Zahl der Ablehnungen zeugt für Nagel von einem „lang entwickelten Versäumnis von politisch Verantwortlichen“. Nach Darstellung derer, die für die sogenannte zweite Phase der Lehrerausbildung, also die nachuniversitäre, zuständig sind, zeugt sie von etwas anderem: „Die Studienseminare sind voll“, heißt es im Amt für Lehrerbildung, die Ausbilder seien an der Grenze dessen, was sie leisten könnten. Und: ein Teil des Lehrermangels resultiere sogar aus der Tatsache, dass Hessen heute weitaus mehr Referendare gleichzeitig für den Schuldienst qualifiziere als noch vor zehn Jahren.

Differenz

In der Regel knapp 5.000 Referendare würden parallel ausgebildet, informiert das Amt für Lehrerbildung. Nachfrage dort bei Joachim Euler, der das GEW-Referat für Lehrerausbildung in Hessen leitet und selbst Ausbilder ist: Warum können nicht einfach mehr Referendare aufgenommen werden? Die Kapazitäten fehlten, sagt er, und dass sich das so leicht nicht ändern lasse: Mit der Neustrukturierung des Teils der Lehrerausbildung, der an den Studienseminaren stattfindet – außerhalb des Schuldienstes, den die Aspiranten leisten –, sei deren zeitliche Belastung um fast 40 Prozent gewachsen, genauso die der etwa 700 hessischen Ausbilder. Die, eigentlich nebenamtlich tätig, schöben so viele Überstunden vor sich her, dass 70 Prozent von ihnen nicht mehr im regulären Unterrichtsbetrieb tätig seien, also: „An den Studienseminaren sind die, die an den Schulen fehlen.“

Ein Blick in das Archiv des Hessischen Landtags: 2001 hatte das KuItusministerium, damals unter Federführung der CDU-Politikerin Karin Wolff, in Beantwortung einer Anfrage den Lehrerbedarf an den Schulen in Hessen prognostiziert. Bis 2010, so hatte es damals geheißen, würden voraussichtlich 6.300 Lehrkräfte an Grundschulen, 6.200 an Haupt- und Realschulen und 5.500 an Gymnasien aus dem Dienst scheiden. Alle Schulformen zusammengenommen, waren zum Zeitpunkt dieser Erhebung 11.044 Lehramtsstudenten an den Universitäten des Landes immatrikuliert. Die Differenz zwischen den beiden Zahlen erklärt den Mangel von heute, zum Teil jedenfalls, denn an Grundschulen zum Beispiel ist die Lage derzeit, rein numerisch gesehen, entspannt.

Quereinsteigerproramm

Anders als an Gymnasien oder an Haupt- und Realschulen, die besonders viele offene Stellen haben. Wie viele das im Herbst seien, lasse sich momentan nicht beziffern, so das Kultusministerium, weil Bewerbungs- und Einstellungsverfahren nicht abgeschlossen seien. Verfahren, die schwer planbar sind, Fehler aus der Vergangenheit, Stellen, die man besetzen muss – eine Reaktion der Politik ist das Quereinsteigerproramm. Nagel hingegen fordert Angebote, Lehramtsstudenten mit wenig nachgefragten Fächern noch während des Studiums oder unmittelbar danach Angebote zum Umsatteln zu machen, „weil wir glauben, dass fachspezifisches Wissen leichter nachholbar ist als pädagogisches“.

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Jahrgang 1962, Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung, verantwortlich für den Rhein-Main-Teil der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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