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Veröffentlicht: 25.01.2009, 20:58 Uhr

Landwirtschaft Dicke Brummer für eine reiche Ernte

Zuchthummeln sind bei Obstbauern und Gärtnern als Hilfskräfte beliebt. Viele dieser Hummeln kommen von Rüdiger Schwenk. Seit mehr als 15 Jahren ist er Hummelzüchter.

von Barbara Hofmann
© dpa Auch Hummeln bestäuben Blüten

Die Königin hat sich aus dem Staub gemacht. Rüdiger Schwenk sucht in dem kleinen Raum, der in Rotlicht getaucht ist, nach dem pelzigen Brummer. Endlich erwischt er die Flüchtige unter dem Tisch und schnappt sie sich vorsichtig mit einer langen Pinzette und bugsiert sie zurück zu ihrem Volk in die Zuchtbox in der es brummt, summt und wimmelt. Schwarz-gelbe Hummeln krabbeln kreuz und quer auf einem unförmigen Wachsklumpen zwischen Eiern, Larven und Puppen umher. Das Hummelvolk ist früh dran, Schwenk braucht auch in den Wintermonaten Hummelvölker für Messestände oder auch als Forschungsobjekt.

Kürzlich hat erst wieder eine Mitarbeiterin der Universität Würzburg ein Hummelvolk bei Schwenks Firma am Ortsrand von Aaarbergen abgeholt. Professoren und Studenten interessieren sich für die kleinen landwirtschaftlichen Nutztiere. Sie untersuchen, auf welche Farben sie besonders fliegen, welche Pflanzen sie bestäuben und wie ihre Flugbahn verläuft. Rüdiger Schwenk ist als Hummellieferant verschiedener Universitäten immer auf dem neuesten Forschungsstand. Seit mehr als 15 Jahren züchtet der bärtige Elektroingenieur Hummeln.

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Gefräßige Raupen

In diesem Frühjahr plant er, etwa 2.000 Hummelvölker an Landwirte, Obstbauern und Gärtner zu verkaufen. Erst kürzlich war er wieder bei Obstbauern im Schwarzwald, um für seine heimischen Bombus terrestris, wie die Erdhummeln heißen, zu werben. Dort hat er schon viele treue Abnehmer gefunden. Seine Hummeln sorgen auch dafür, dass Naschkatzen sich alljährlich die Piemontkirschen, die in Schokolade getunkt sind, auf der Zunge zergehen lassen können. Auch im Alten Land im Norden Hamburgs brummen die Hummeln aus dem Taunus über den Erdbeerfeldern. Ein Schnapsbrenner aus dem unterfränkischen Kahlgrund holt sich regelmäßig Schwenks Hummeln, damit sie seine Obstbäume bestäuben. Gärtner aus Wiesbaden und Frankfurt, Tomatenzüchter aus dem gesamten Bundesgebiet zählen zu seinen Kunden. Früher wurden Zuchthummeln vor allem zur Bestäubung von Tomaten eingesetzt, da nur sie an den Pollen der Tomatenblüten gelangen. Honigbienen fliegen Tomaten kaum an, da die Tomatenblüten keinen Nektar haben.

Seitdem Bienenvölker immer häufiger durch Krankheiten vernichtet werden, sind Schwenks Kunden auf die fleißigen Hummeln, die zur Familie der Bienen gehören, angewiesen. Im Gegensatz zu ihren Verwandten, den Honigbienen, beginnen sie mit ihrer Arbeit schon zeitig im Frühjahr und transportieren wesentlich mehr Blütenstaub als die Honigsammler. „Hummeln fliegen bereits ab neun Grad“, sagt Rüdiger Schwenk, der damit wirbt, der „einzige Hummelzüchter in Deutschland“ zu sein. Honigbienen sind Schönwetterflieger, die erst bei mindestens 15 Grad ausschwärmen, Hummeln mit ihrem dichten Pelz sind auch bei schlechterem Wetter unterwegs. Sobald die Obstbäume erste Blüten tragen, müssen sie bestäubt werden, damit im Herbst eine reiche Ernte gesichert ist. Und die soll um gut 15 Prozent größer ausfallen, wenn Zuchthummeln eingesetzt wurden. Erkenntnisse der Wissenschaft, wonach Hummeln mit ihrem Flügelschlag die gefräßigen Raupen vertreiben, nutzt der Hummelzüchter auch gerne als Verkaufsargument.

„Fliegende Holländer“

Schwenk hat das Wetter immer im Blick. Wenn bei ihm im rauhen Taunus die Natur erst langsam erwacht, blühen im Süden Deutschlands längst die ersten Obstbäume. Dann muss er innerhalb von 24 Stunden die Pakete mit dem brummenden Inhalt liefern können. Zur Zeit halten etwa 1.500 Jungköniginnen in einem Klimaschrank ihren wohltemperierten Winterschlaf. Die Temperatur beträgt acht Grad, die Luftfeuchtigkeit 70 Prozent. In den nächsten Wochen verlassen sie den Klimaschrank und werden in die Zuchtboxen gesetzt und mit Zuckerwasser und Pollen aus Südfrankreich ernährt. Mitte März verschickt Schwenk die ersten Völker mit etwa 100 Tieren. Ein Volk mit heimischen Bombus terrestris kostet zwischen 60 und 90 Euro. Während ihrer Reise, die nicht länger als zwei Tage dauern sollte, besteht ihr Proviant lediglich aus Zuckerwasser. „Sie sollen hungrig ankommen, damit sie gleich bestäuben“, sagt Schwenk. Er ist in der Hummelhochsaison zwischen März und Juni fast jederzeit erreichbar und beantwortet auch noch bis in den späten Abend hinein Telefonanrufe. Meistens kann er kleine Hummel-Probleme telefonisch lösen, etwa wenn die Insekten im Gewächshaus bei laufender Lüftung und offenen Türen freigelassen wurden.

Schwenk ist stolz darauf, dass er einheimische Erdhummeln züchtet. Sein heutiger Bestand geht fast ausschließlich auf die 300 Königinnen zurück, die er 1995 dem Bieneninstitut in Münster abgekauft hat. Seine Konkurrenten in den Niederlanden und Belgien dagegen handelten ausschließlich mit Zuchthummeln, die ursprünglich aus dem Mittelmeerraum stammen. Schwenk, der auf die „fliegenden Holländer“ nicht gut zu sprechen ist, befürchtet, dass diese Zuchthummeln, die heimischen Bombus terrestris verdrängen könnten. Daher appelliert er bei seinen Vortragsreisen durch die Anbaugebiete immer an seine Zuhörer, keine Hummeln aus dem Ausland einzusetzen.

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