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Veröffentlicht: 17.02.2017, 16:45 Uhr

Kriminalstatistik Weniger Wohnungseinbrüche in Hessen

Neue Kriminalstatistik: In Hessen gab es mehr Delikte, aber auch eine höhere Aufklärungsquote als 2015. Deutlich zugenommen haben die Straftaten von Zuwanderern.

von , Wiesbaden
© Maximilian von Lachner Erfolgreiche Arbeit: Die hessische Polizei hat im vergangenen Jahr fast 63 Prozent aller Straftaten aufgeklärt.

Die Zahl der in Hessen registrierten Straftaten ist im vergangenen Jahr leicht gestiegen, aber die Polizei konnte in zwei von drei Fällen einen Tatverdächtigen ermitteln. In der gestern in Wiesbaden vorgestellten Kriminalstatistik sind exakt 412 104 Fälle erfasst, das sind 2,2 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Die Aufklärungsquote stieg von 59,9 auf den Rekordwert von 62,7 Prozent. Die Zahl der Wohnungseinbrüche ging im Vergleich zu 2015 um gut zehn Prozent zurück. „Die Hessen leben sicher“, konstatierte Innenminister Peter Beuth (CDU), die Polizei leiste trotz einer enormen Belastung hervorragende Arbeit.

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Laut Statistik war im vergangenen Jahr bei knapp 65 800 Taten mindestens ein Verdächtiger ein Zuwanderer, das sind rund 21 200 Fälle mehr als im Jahr 2015 (plus 47 Prozent). Verstöße gegen das Aufenthaltsgesetz, das Asylgesetz und das Freizügigkeitsgesetz der Europäischen Union machten dabei mit rund 46 900 Fällen nach Angaben von Sabine Thurau, der Präsidentin des Landeskriminalamts (LKA), den überwiegenden Anteil aus.

Gewalttaten in Flüchtlingsunterkünften

Aber auch wenn man nur die Zahl der Straftaten ohne aufenthaltsrechtliche Verstöße nimmt, bei denen ein Zuwanderer als Tatverdächtiger ermittelt wurde, war ein ähnlich hoher Anstieg festzustellen: von 12 600 in 2015 auf rund 18 900 im vergangenen Jahr (plus 50 Prozent). Den Schwerpunkt bei diesen Straftaten bildeten Vermögens- und Fälschungsdelikte (5969 Fälle), außerdem wurden knapp 3400 Fälle von Schwarzfahren registriert. Zuwanderer waren laut Statistik aber auch für 3622 sogenannte Rohheitsdelikte (Raub und Körperverletzung) verantwortlich, was im Vergleich zum Vorjahr mehr als eine Verdoppelung bedeutet. Hinzu kommen 5400 Diebstahlsdelikte (plus neun Prozent).

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Etwa ein Drittel aller Opfer der Straftaten durch Zuwanderer sind deutsche Staatsangehörige (1568), darüber hinaus waren insbesondere Afghanen (772) und Syrer (692) betroffen, auch, weil viele Gewalttaten in Flüchtlingsunterkünften geschahen. In rund einem Viertel aller Fälle begingen tatverdächtige Zuwanderer mehr als eine Straftat; mehr als fünf Prozent von ihnen werden mit mehr als fünf Fällen in Zusammenhang gebracht. „Besonders algerische, marokkanische, aber auch Tatverdächtige aus Albanien und Somalia traten mehrfach als Straftäter in Erscheinung“, konstatierte Thurau. Innenminister Beuth wies darauf hin, dass die Zahl der Zuwanderer in Hessen trotz des deutlichen Rückgangs im vergangenen Jahr insgesamt gewachsen sei. Angesichts dieser Entwicklung halte er die Zunahme der Straftaten für „nicht besonders auffällig“. Allerdings sei es grundsätzlich „bedrückend und nicht akzeptabel“, wenn Menschen, die in Deutschland Schutz vor Verfolgung suchten, kriminell würden.

Gewalt gegen Polizisten: „ein trauriger Höchststand“

Besonders erfreulich ist aus Sicht von Beuth die Entwicklung bei den das Sicherheitsgefühl besonders beeinflussenden Wohnungseinbrüchen. Von 10 405 im vergangenen Jahr gemeldeten Einbruchsversuchen (minus 10,3 Prozent) seien nur noch gut die Hälfte (rund 5570) erfolgreich gewesen, der niedrigste Stand seit 20 Jahren. Das sei unter anderem darauf zurückzuführen, dass die Bürger ihre Häuser besser sicherten. LKA-Chefin Thurau berichtete von einer neuen Software, die der Polizei anhand von Erkenntnissen über bereits begangene Einbrüche und mit Hilfe von Bewegungsbildern eine Prognose ermögliche, wo Einbrecher vermutlich demnächst zuschlagen könnten.

Fast 3500 Mal wurden im vergangenen Jahr Polizeibeamte und Wachpolizisten Opfer von Gewalt, nach den Worten von Beuth „ein trauriger Höchststand“. Er begrüße deshalb die Gesetzesinitiative des Bundes für einen besseren Schutz der Polizisten. Der Minister forderte, dass in dem Entwurf eine Mindeststrafe von sechs Monaten für Angriffe auf Einsatzkräfte aufgenommen werde.

Die innenpolitische Sprecherin der SPD im Landtag, Nancy Faeser, sprach von einer erstaunlich erfolgreichen Bilanz angesichts der schlechten Rahmenbedingungen, unter denen die hessische Polizei arbeiten müsse. Als erschreckend empfinde sie den offenkundigen Mangel an Respekt vor den Sicherheitskräften. „Wir müssen uns schon fragen, was in der Gesellschaft nicht stimmt, wenn wir statistisch gesehen jeden Tag zehn Angriffe auf Polizistinnen und Polizisten in unserem Land registrieren müssen.“ Jürgen Frömmrich (Die Grünen) wies auf den starken Anstieg der rechtsradikalen Straftaten um 133 auf 840 Fälle hin. Zwar sei die Zahl im Bundesvergleich noch sehr niedrig, mehr als die Hälfte seien Propagandadelikte und nur ein kleiner Teil Gewalttaten. Aber auch die Zahl der Angriffe auf Flüchtlinge sei gestiegen. „Das zeigt, wie schnell aus rechter Hetze und Propaganda reale Gewalt wird.“

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