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Kriminalität verhindern „Engagiert Euch – es lohnt sich“

Justizminister Jürgen Banzer (CDU) lobte den Einsatz Hunderter ehrenamtlich Tätiger bei der Verleihung des hessischen Präventionspreises. Inzwischen gibt es mehr als 170 kommunale Präventionsräte und Präventionsprojekte.

© Frank Röth Justizminister Jürgen Banzer (CDU): „Es gibt nichts Gutes, außer man tut es.”

Kriminalität zu verhindern ist nach Ansicht von Justizminister Jürgen Banzer (CDU) der beste Beitrag für die Sicherheit der Bürger. Auch wenn sich die Effektivität von Präventionsarbeit nicht immer präzise messen lasse, sei sie vor allem im Kampf gegen Jugendkriminalität und Gewalt unentbehrlich. Ohne Aufklärung, Information und vorbeugende Arbeit würde die Gesellschaft an vielen Stellen schlimmer dastehen, sagte Banzer bei der Verleihung des hessischen Präventionspreises. Er lobte den Einsatz Hunderter ehrenamtlich Tätiger in den inzwischen mehr als 170 kommunalen Präventionsräten und Präventionsprojekten.

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Das Motto schlechthin für jegliche Präventionsarbeit sei: „Es gibt nichts Gutes, außer man tut es.“ Der Sport, so sagte Banzer, biete eine besonders große Chance, junge Menschen zu erreichen und sie mit der Tatsache vertraut zu machen, dass es im Leben Regeln und Schiedsrichter geben müsse. Dort könne ihnen die Bedeutung von Mannschaftsgeist, Fairness, Leistungswillen und Toleranz sowie die Kunst nahegebracht werden, mit Anstand zu verlieren.

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Respektvoller Umgang

Der Vorsitzende des Landespräventionsrats, der Marburger Juraprofessor Dieter Rössner, wies darauf hin, dass Vierzehn- bis Zwanzigjährige laut Polizeistatistiken dreimal so viele Delikte verübten wie Erwachsene. In Sportvereinen fänden gefährdete Jugendliche die emotionale Zuwendung und die innere Stärke, die sie brauchten, um ihr Gewaltpotential im Zaum zu halten. Ioannis Amanatidis, im Alter von neun Jahren nach Stuttgart gekommen, ohne ein Wort Deutsch zu sprechen und inzwischen griechischer Fußballnationalspieler, Kapitän von Eintracht Frankfurt und „Botschafter“ des Landespräventionsrats, bestätigte diese Erfahrung. „Integration war für mich das Fußballspiel“, sagte er bei der Preisverleihung im Landtag in Wiesbaden. Sein Appell an Jugendliche: „Engagiert Euch, tut was für Euer Leben – es lohnt sich.“

Den mit 2.000 Euro dotierten und alle zwei Jahre vergebenen Präventionspreis erhielt das Projekt „Mobile Jugendhilfe“ der Stadt Neu-Isenburg, das sich mit einigem Erfolg um schwierige ausländische Jugendliche ohne Perspektive kümmert (siehe Kasten). Jeweils 1.500 Euro gingen an die beiden zweitplazierten Initiativen in Offenbach und Wiesbaden. Der Box-Club Nordend Offenbach trainiert seit 2002 gewaltbereite und gewalttätige Kinder und junge Menschen im Alter zwischen zwölf und 22 Jahren und versucht, sie zu einem respektvollen Umgang zu animieren. Klare Regel dabei: Wer außerhalb des Boxrings Gewalt anwendet, wird von dem Projekt ausgeschlossen.

Eintracht Frankfurt stiftete Geldpreise

Die Jujutsu-Abteilung des Polizeisportvereins Grün-Weiß Wiesbaden schult Kinder und Jugendliche in sicherem Auftreten und Durchsetzungsvermögen. Die Mädchen und Jungen sollen körperlich und geistig gestärkt werden, um in brenzligen Situationen, als Opfer, aber auch als potentielle Täter, richtig zu reagieren. Das Motto für Bedrohte: Überraschungsangriff, Tritt vors Schienbein und sich dann schnell in Sicherheit bringen. Die Geldpreise wurden in diesem Jahr von Eintracht Frankfurt gestiftet.

„Mobile Jugendhilfe“ in Neu-Isenburg

Ende 2006 häuften sich in Neu-Isenburg Beschwerden wegen nächtlicher Ruhestörungen, Sachbeschädigungen, Beleidigungen und Belästigungen. Die Polizei berichtete von einer wachsenden Zahl auffälliger Jugendlicher, deren Taten in Landfriedensbruch und gewalttätigen Überfällen gipfelten. In enger Abstimmung mit der örtlichen Polizei, dem Jugendkoordinator der Stadt und dem Polizeipräsidium für die Region Südosthessen rief die Stadtverwaltung das Projekt „Mobile Jugendhilfe“ ins Leben, zu dem der Einsatz von vier Straßen-Sozialarbeitern gehörte, die auch türkische und russische Jugendliche in ihrer Muttersprache ansprechen konnten. Sie sorgten dafür, dass einige der auffälligen Jugendlichen regelmäßig in dem Neu-Isenburger Kampfsportverein „Seishin“ trainieren durften. Ziel war es, die Jungen von der Straße zu holen und ihnen Angebote für eine sinnvolle, persönlichkeitsbildende Beschäftigung zu machen. In diesem Sommer kam das „Café Zukunft“ hinzu, eine Aufenthalts- und Spielstätte, deren Besucher angeregt werden sollen, sich Gedanken über ihre berufliche Perspektive zu machen. Das Café wird von den Jugendlichen selbst betrieben, so dass sie bei Einkauf, Abrechnung, Organisation und Reinigung Verantwortung übernehmen. Nach Auskunft des hessischen Justizministeriums war die Zahl der Straftaten und Beschwerden schon drei Monate nach Projektbeginn um ein Drittel zurückgegangen. Einige Jugendliche hätten zudem eine Ausbildung begonnen oder einen Arbeitsplatz gefunden.

Quelle: F.A.Z.

 
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