Home
http://www.faz.net/-gzm-75760
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER

Kontrollen von Dunkelhäutigen Zwischen Taktik und Diskriminierung

Kontrolliert die Polizei gezielt Dunkelhäutige? Der Vorwurf ist schwer zu belegen, die Rechtslage unscharf. Das macht es den Beamten wie auch den Betroffenen schwer.

© Wohlfahrt, Rainer Vergrößern Sieht sich zu Unrecht von Polizisten gegängelt und als Opfer von Polizeigewalt: Derege Wevelsiep

Der Vorwurf ist nicht an Statistiken festzumachen, und das ist ein Problem, sowohl für die, die ihn machen, als auch für die, die ihn aushalten müssen. Die einen flüchten sich deshalb in Schimpfworte, und die anderen sagen Sätze, die eigentlich nichts sagen. „Wir stellen Fragen, weil wir Informationen brauchen“ ist so ein Satz. Den hat der Präsident der Bundespolizeidirektion am Frankfurter Flughafen, Wolfgang Wurm, gesagt, als er sorgfältig nach den richtigen Worten gesucht hat. Er wollte damit dem Vorwurf begegnen, die Polizei bitte Menschen allein wegen ihrer Hautfarbe um ihren Ausweis.

Wurm muss vermitteln: zwischen dem Verdacht, einer latent rassistischen Organisation vorzustehen, und seinen Erfahrungen damit, was hilft im Kampf gegen Schleusungen, Menschenhandel und Zwangsprostitution. Die fehlende Statistik ist dabei eines seiner Probleme. Eine komplizierte Rechtslage und Menschen, die immer wieder von schlimmen Erfahrungen erzählen, sind zwei andere.

Metallschilder mit Bekenntnis

Die Bundespolizei am Frankfurter Flughafen hat gestern ihre Unterstützung der Initiative „Respekt! Kein Platz für Rassismus“ gefeiert. „Respekt!“ wurde 2006 in Frankfurt gegründet, steht unter der Schirmherrschaft der ehemaligen Fußballerin Steffi Jones und brachte bisher vor allem in Fußballstadien Metallschilder mit dem Bekenntnis gegen Rassismus an.

Es sei innerhalb der Initiative umstritten gewesen, ob man der Bitte der Bundespolizei zur Zusammenarbeit nachkommen solle, sagte Niko Miosga, der Mitarbeiter der Initiative ist. In den vergangenen Tagen musste er viele anonyme Anrufe aushalten, in denen „Respekt!“ für die Aktion mit der Bundespolizei beschimpft worden ist. Fans der Heidelberger Band Irie Révoltés, die ebenfalls Unterstützer von „Respekt!“ ist, haben sich in einem offenen Brief über „solche Scheiße“ beschwert und unter anderem kritisiert, dass sich Menschen „ausschließlich wegen ihrer Hautfarbe rassistischen und erniedrigten Polizeikontrollen unterziehen“ müssten.

“Wir wollen zusammen an dem arbeiten, was noch nicht gut ist“, sagt Miosga und redet von „hoffentlich Einzelfällen“, wenn er die Vorwürfe anspricht. Gerade ist das Thema besonders sensibel. Erst kürzlich haben zwei dunkelhäutige Frankfurter mehrere Polizisten wegen Körperverletzung und rassistischer Beleidigung angezeigt. Beide sagen, dass sie schon zuvor immer häufiger als ihre weißen Freunde nach ihrem Ausweis gefragt worden seien. Mounir Ackermann, der sagt, von zwei Polizisten in Sachsenhausen zusammengeschlagen worden zu sein, berichtet, dass es eigentlich egal sei, welches Auto er fahre. Er sei schon in großen und kleinen, in teuren und weniger teuren Wagen unterwegs gewesen und immer gleich häufig von Polizisten angehalten worden. Ackermann findet die vielen Kontrollen unangenehm, aber er habe sich inzwischen daran gewöhnt.

„Wollen nicht diskriminieren, sondern Arbeit tun“

Verkehrskontrollen sind nicht das Metier von Wolfgang Wurm, dem Präsidenten der Bundespolizei am Flughafen. Aber auch seine Behörde, bei der es um all die Asylfragen geht und Fälle illegaler Einreise, arbeitet in einem sensiblen Umfeld. „Das wir im Einzelfall nicht immer den richtigen Weg gehen, möchte ich gar nicht abstreiten“, sagte er. Wenn Bundespolizisten Reisende verdachtsunabhängig kontrollierten, wollten sie nicht diskriminieren, sondern nur ihre Arbeit tun. Um gegen Schleuser und Schmuggler vorzugehen, brauchten die Beamten Informationen. „Und die bekommen wir nur von Reisenden aus anderen Ländern“, sagt er. Laut Wurm werden von der Bundespolizei am Flughafen nicht allein Menschen fremder Herkunft angesprochen oder solche, die danach aussehen. Es gebe verschiedene Merkmale, nach denen Stichprobenkontrollen gemacht würden, ein wichtiges sei die Flugverbindung. Passagiere, die auf bei Schleusern beliebten Strecken unterwegs seien, würden häufiger kontrolliert.

1 | 2 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Nach Studenten-Massaker Mexikanische Streitkräfte übernehmen Kontrolle in Iguala

Örtliche Polizeikräfte und ein Drogenkartell könnten hinter dem Massaker an Studenten in der Stadt Iguala stecken. Die Bundespolizei hat nun in der Stadt die Kontrolle übernommen. Die Gangsterbande begrüßte sie mit dem Plakat: Der Krieg hat schon begonnen. Mehr

07.10.2014, 05:32 Uhr | Gesellschaft
Kämpfe in Donezk werden heftiger

Rebellen und Regierungstruppen streben die Kontrolle über den Flughafen an. Mehr

04.10.2014, 12:57 Uhr | Politik
Epidemie Kann Ebola auf dem Landweg nach Deutschland kommen?

Kann sich Ebola bis nach Deutschland ausbreiten? An Flughäfen gibt es viele Kontrollen. Aber afrikanische Flüchtlinge kommen mit dem Zug oder in den Autos der Schlepper. Was Behörden und Fachleute zu diesem Szenario sagen. Mehr Von Uta Rasche

12.10.2014, 15:13 Uhr | Politik
Finde den Täter

Sammle Informationen, erstelle Profile und begebe dich auf eine spannende kriminalistische Reise. Das Spiel über Digitale Forensik und Profiling, das von Arte Future entwickelt wurde, ist Teil eines Dossiers zur Zukunft der Forensik. Mehr

09.07.2014, 19:16 Uhr | Wissen
Mexiko Der lange Arm der Kartelle

Das Verschwinden von 43 Lehramtsstudenten legt offen, wie sehr Politik und Polizei in Mexiko durch das organisierte Verbrechen unterwandert sind. Mehr Von Matthias Rüb

20.10.2014, 12:56 Uhr | Politik
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 19.12.2012, 23:22 Uhr

Ein Geschenk als Auftrag

Von Matthias Alexander

Das Stifterehepaar Giersch überlässt sein bisher der Kunst gewidmetem Museum der Frankfurter Universität - eine großzügige Geste. Doch einen geeigneten Leiter für das Haus zu finden wird schwierig. Mehr