16.06.2008 · Homberg an der Efze hat seine Chance genutzt, sich beim Hessentag bekannter zu machen. Die nachhaltigste Wirkung dürfte das Traditionsfest auf die Ladeninhaber haben, die ihre Geschäfte in dritter oder vierter Generation auf dem Marktplatz und an den angrenzen Straßen betreiben.
Von Alexander ArmbrusterGras deckt den Platz oben auf der Burg über Homberg wie ein hoffnungsgrüner Teppich. Wer an die alte Mauer tritt und hinunterschaut, hat einen grandiosen Ausblick über hessisches Tiefland; und auch auf die Hessentagsstadt.
Dort unten, in der Marienkirche, führt der Historiker Harald Götte gerade zum letzten Mal durch die Ausstellung über den ehemaligen Landgrafen Philipp den Großmütigen. Nicht weit von ihm dreht Kommissarin Gülben Kurucu auf ihrem futuristischen Fahrzeug "Segway" eine Schlussrunde durch die Besuchergruppen. In der Untergasse räumt Helmut Koch Schuhe in die Regale seines Ladens. Und ganz unten, auf dem Gelände der Landesausstellung, sind ein paar Beschicker immer noch unzufrieden mit ihrem Umsatz. Hier füttert Milchbauer Günther Koch seine Kühe und schnitzt Hartmut Keim mit seiner Motorsäge zum vorerst letzten Mal unter ohrenbetäubendem Lärm Figuren aus Baumstammstücken und verschenkt sie an Kinder.
In den vergangenen zehn Tagen haben sie alle ihre Geschichten erzählt und damit die Einladung der Stadt an die Landsleute mit Leben erfüllt. Der Hessentag, dem lange Zeit etwas Künstliches anhaftete, hat auch durch solches Engagement mittlerweile eine eigene Tradition entwickelt. Homberg hat seine Chance genutzt, sich bekannter zu machen. Seine Bewohner sind zu Recht stolz. Darauf, dass sie diese Mammutveranstaltung erfolgreich gestemmt haben, die noch viel größer wirkt, wenn die Gassen klein und eng sind.
Aber was bleibt? Die nachhaltigste Wirkung dürfte das Traditionsfest auf die Ladeninhaber haben, die ihre Geschäfte in dritter oder vierter Generation auf dem Marktplatz und an den angrenzen Straßen betreiben. Viele von ihnen haben Waren an Kunden verkauft, deren sie zuvor nie ansichtig geworden waren. Wenigstens einige von diesen dürften wiederkommen. Außerdem gab es in einer auf einem ehemaligen Kasernenareal eigens eingerichteten Bühne zwei Mega-Konzerte. Mit leichten Verkehrsbehinderungen beim ersten, aber trotzdem mit der gebliebenen Gewissheit, dass das geht. Auch hier.
Womit der dritte, vordergründig am wenigsten sichtbare Impuls angesprochen ist, der ebenfalls fortdauern sollte: Die Homberger werden mit einem größeren Selbstvertrauen aus den Festtagen gehen. Sie dürfen sich auch künftig zutrauen, Größeres auf die Beine zu stellen, als von einer Stadt mit 15 000 Einwohnern erwartet wird. Und zwar auch dann noch, wenn auch auf dem Feld, auf dem die großen Ausstellungszelte gestanden haben, längst wieder Gras gewachsen ist.