Home
http://www.faz.net/-gzm-zpzi
Mehr Angebote
| Abo|Hilfe
Samstag, 18. Februar 2012
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Kommentar zum Einbürgerungstest Keine deutsche Erfindung

10.07.2008 ·  Jetzt mal Hand aufs Herz: Wie sieht die offizielle hessische Landesflagge aus? Auch wenn eine Antwort schwierig sein kann - ein demokratischer Staat muss Menschen, die seine Bürger werden wollen, Wissensfragen stellen dürfen.

Von Peter Lückemeier
Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (4)

Jetzt mal Hand aufs Herz: Wie sieht die offizielle hessische Landesflagge aus? Rot-weiß? Blau-weiß-rot? Grün-weiß-Gott? Sehen Sie, ganz schön knifflig. (Um Ihren Wissensdurst zu stillen: oben ein rotes Feld, unten ein weißes, in der Mitte das blaugrundierte Wappen mit dem auf den Tatzen stehenden Löwen). Auch die Frage, wie lange eine Legislaturperiode im Hessischen Landtag währt, dürfte nicht von jedem (deutschen) Hessen korrekt beantwortet werden, es sind nämlich nicht mehr vier, sondern seit dem Jahr 2003 fünf Jahre.

Wer also per Fragebogen das Wissen einbürgerungsbereiter Fremder überprüfen will, muss erstens darauf achten, dass die Fragen nicht zu schwierig ausfallen, und er muss zweitens ausschließen, dass sie mehrdeutig sind. Die Frage etwa, wo man sich in Hessen über Politik informieren könne, darf man ja im Lande der EKHN getrost mit der Antwort versehen: „bei den Kirchen“.

Das Vernünftigste der Welt

Fragen an Einbürgerungswillige sind keine deutsche Erfindung. In Österreich soll man wissen, wie das Land bei seiner ersten urkundlichen Erwähnung hieß (nämlich Ostarrichi). In Großbritannien muss man nicht nur die Magna Charta von der Mappa Mundi und der Bill of Rights unterscheiden, sondern auch – kein Witz – noch darlegen, was man tut, falls man im Pub jemanden das Pint umstößt (ein neues Bier bezahlen oder die Kleidung der Person abtrocknen?).

Da sollte man sich vielleicht doch lieber um eine niederländische Staatsbürgerschaft bemühen, dort braucht man nur so einfache Sachen zu kennen wie die Hauptstadt (Amsterdam) und den Regierungssitz (Den Haag). Der Haken: Man muss seine Antworten in den Sprachcomputer eingeben – auf Niederländisch.

Lange galt es in Deutschland als chauvinistisch, Ausländern Pflichten abzuverlangen – ewig dauerte es zum Beispiel, bis das Vernünftigste von der Welt eingeführt wurde, verpflichtende Sprachkurse. Darf aber ein aufgeklärter demokratischer Staat Menschen, die seine Bürger werden wollen, mit Wissensfragen über diesen Staat traktieren? Nein. Darf er nicht. Er muss es.

Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen

Das Passivhaus ist überholt

Von Rainer Schulze

Über mangelnden Ehrgeiz der öffentlichen Wohnungsbaugesellschaften, wenn es um umweltfreundliches Bauen geht, kann sich in Frankfurt niemand beschweren. Mehr 2