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Kloster Altenberg Umzug zum Lebensabend

Die Diakonissen verlassen ihr Mutterhaus im Kloster Altenberg. Nach Umbau und Renovierung eröffnet dort eine Begegnungsstätte. Auch die Fachhochschule Gießen-Friedberg siedelt sich dort an.

© Rainer Wohlfahrt Ein Leben zusammen: Die Entscheidung zu gehen ist den Frauen schwergefallen

In der wechselvollen Geschichte der ehemaligen Klosteranlage Altenberg schließt demnächst ein bedeutendes Kapitel: Nach mehr als 50 Jahren verlassen die Schwestern der Königsberger Diakonie ihr Mutterhaus auf dem Altenberg. Damit verbunden ist auch die Schließung eines Alten- und Pflegeheims, das die als gemeinnützige GmbH geführte Königsberger Diakonie mit Geschäftssitz in Wetzlar dort betreibt.

Dann soll sich für das Jahrhunderte alte Anwesen in der Nähe des Solmser Ortsteils Oberbiel, oberhalb des Lahntals, wieder einmal Vieles ändern. Nach Sanierung und Umbau will die Diakonie dort ein Begegnungszentrum einrichten; einen anderen Teil des Gebäudes übernimmt die Fachhochschule Gießen-Friedberg, die in attraktivem Ambiente Tagungen und Seminare für Studenten und Wirtschaftsvertreter anbieten will.

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Regeln der Gemeinschaft

Leicht sei ihnen der Entschluss nicht gefallen, das Domizil ihrer Lebens- und Glaubensgemeinschaft nach Jahrzehnten aufzugeben, sagt Oberin Hannelore Skorzinski. Zumal ihnen die Königsberger Diakonie nach Angaben ihres theologischen Leiters, Pfarrer Jörn Contag, einen Gebäudeflügel als sogenanntes Feierabendheim herrichten wollte. Beim Konvent entschieden sich die Diakonissen jedoch zum Umzug; sie wollen ihren Lebensabend nun in einem der Alten- und Pflegeheime verbringen, das die Königsberger Diakonie in Wetzlar betreibt.

„Es gibt dazu keine Alternative“, sagt die Oberin, denn die Zahl der Bewohnerinnen des Mutterhauses auf dem Altenberg ist im Laufe der Jahre immer weiter gesunken, zugleich stieg der Altersdurchschnitt. Nur noch elf Schwestern leben heute im Mutterhaus, die jüngste ist 69 Jahre alt, die älteste 102. Zu den Regeln der Gemeinschaft zählt zwar die gegenseitige Unterstützung im Krankheitsfall, mehr als die Hälfte der Schwestern sei jedoch pflegebedürftig. Betreuung rund um die Uhr, sagt die 70 Jahre alte Oberin, sei mit dem Ende des dem Mutterhaus angeschlossenen Heims auf dem Altenberg nicht mehr möglich.

Flucht und Vertreibung

Der Umzug nach Wetzlar bedeutet für die Altenberger Schwestern die letzte Station eines bewegten Lebens. Von ihrem Diakonissenverband entsandt, engagierten sie sich an vielen Orten nicht nur in Deutschland für den „Dienst der Nächstenliebe“, arbeiteten in Krankenhäusern, Alten- und Pflegeheimen, in Waisenhäusern und Kindergärten oder in der Ausbildung des Nachwuchses.

Auch die Kriegswirren mit Flucht und Vertreibung vom Stammsitz in Königsberg haben die ältesten Schwestern noch miterlebt. Die Königsberger Diakonie entstand in der Mitte des 19. Jahrhunderts auf Initiative des sozial engagierten Pfarrers Theodor Fliedner in der größten Stadt Ostpreußens, wo zuletzt annähernd 800 Diakonissen tätig waren.

Tatkräftige Helferinnen für einen Neuaufbau

Mit Kriegsende und der sowjetischen Besetzung des nördlichen Ostpreußens flüchteten viele in den Westen. Andere aber blieben noch. Wer nicht in Gefangenschaft geriet, pflegte Verwundete, Alte und Kranke, bis die neuen Machthaber diesem Einsatz mit der Ausweisung 1948 ein Ende bereiteten. In mehr als 40 Mutterhäusern, Kirchengemeinden oder Flüchtlingslagern in mehr als 200 Orten fanden Königsberger Diakonissen nach dem Krieg Aufnahme, wie aus den von Oberin Hannelore Skorzinski verwalteten Unterlagen hervorgeht.

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