Bis zum Jahr 2011 will die Kassenärztliche Vereinigung Hessen bis zu 200 Vollzeit-Arbeitsplätze streichen und drei bis vier Bezirksstellen schließen. Das teilten gestern die Vorstandsvorsitzenden der Vereinigung, Margita Bert und Gerd W. Zimmermann, mit, als sie das Modernisierungskonzept in der Landesstelle in Frankfurt vorstellten.
Ziel des Konzepts sei es, die Verwaltungskosten für die Mitglieder deutlich zu senken, sagte Bert. Derzeit gehöre die hessische Vereinigung der Kassenärzte mit einem Verwaltungskostensatz von 2,9 Prozent den teuersten in Deutschland. Mit der Umstrukturierung solle der Satz auf 2 bis 2,5 Prozent verringert werden. Dies bedeute eine Ersparnis von acht bis 15 Millionen Euro.
Schließungen in Hessen betreffen das „Ballungsgebiet Süden“
Welche Bezirksstellen geschlossen würden, stehe noch nicht fest, sagte Zimmermann. Die Schließungen beträfen jedoch weniger den Norden Hessens, „eher das Ballungsgebiet Süden“. Zurzeit unterhält die Ärztevertretung neben der Landesstelle in Frankfurt sieben Bezirksstellen in Darmstadt, Frankfurt, Gießen, Kassel, Limburg, Marburg und Wiesbaden. Der Personalabbau kann nach Worten von Zimmermann für 130 Stellen über Altersteilzeitregelungen erreicht werden. Bei weiteren 70 Stellen seien „Trennungen im gegenseitigen Einvernehmen“ und betriebsbedingte Kündigungen denkbar. „Uns ist es wichtig, dass diese Kündigungen sozialverträglich geschehen“, sagte Zimmermann, „das heißt, mit Abfindungen an die Betroffenen.“
Die Gesamtpersonalratsvorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen, Uschi Höhle, wollte sich gestern gegenüber dieser Zeitung nicht zu den Plänen des Vorstands und zur Reaktion der Mitarbeiter äußern. Bert sagte, die Beschäftigten seien in zwei Personalvollversammlungen informiert worden. Die Stimmung im Haus sei jedoch „nicht gut“; mit den Ergebnissen des Gutachtens von einer externen Unternehmensberatung, auf denen das Konzept zur Umstrukturierung fußt, seien sie offenbar „nicht einverstanden“. Insgesamt beschäftigt die Vereinigung zurzeit 930 Mitarbeiter in Hessen, 400 davon in Frankfurt.
Alle Mediziner, die Kassenpatienten ambulant behandeln, müssen Mitglieder der Kassenärztlichen Vereinigung sein: In Hessen sind das etwa 11 000 niedergelassene Ärzte und Psychotherapeuten. Sie decken aus ihren Honoraren die Verwaltungskosten der Vereinigung. In Zukunft will diese den Mitgliedern neben dem geringeren Umlagesatz auch ein gestaffeltes Leistungsangebot bieten. Danach erhalten alle Kassenärzte ein Basis-Paket an Leistungen und könnten weitere, je nach Bedarf, in Anspruch nehmen.
Kleinere „Servicestellen“ in abgelegenen Gebieten
Um für die Ärzte in abgelegenen Gebieten und an den Standorten, an denen Bezirksstellen geschlossen würden, weiterhin persönlich erreichbar zu sein, werde die Vereinigung dort kleinere „Servicestellen“ einrichten. Bei der Standortfrage spielten unter anderem Immobilienpreise eine Rolle. Wie die Arbeitsprozesse verbessert werden könnten, um die Aufgaben mit weniger Personal zu erfüllen, werde ein weiteres Gutachten noch in diesem Jahr darstellen.
Die Kassenärztliche Vereinigung Hessen war in den Jahren 2005 und 2006 in die Kritik geraten, weil es Pannen bei der Abrechnung der Arzthonorare gegeben hatte. Nach einer Erneuerung der Prozesse laufe die Abrechnung seit 2007 „fehlerfrei und zuverlässiger denn je“, sagte die Vorstandsvorsitzende Bert. Nachdem dies gelungen sei, müsse die Vereinigung jetzt daran arbeiten, konkurrenzfähig zu bleiben und sich mit Hilfe des Umbaus zu einer der effizientesten kassenärztlichen Vereinigungen in Deutschland entwickeln. (clan)

