Home
http://www.faz.net/-gzm-zeph
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Kassel „Fäkal-orale Infektion“ von Mensch auf Lebensmittel?

10.06.2011 ·  Hat es in Kassel eine „fäkal-orale Infektion“ mit Ehec-Keimen gegeben? Behörden in Nordhessen sehen die nach einem Fall in einer Kasseler Küche als möglich an. Derweil ist bekannt geworden, dass das Frankfurter Ehec-Opfer schwere Vorerkrankungen hatte.

Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (0)

Nach den Ehec-Fällen bei einer Kasseler Catering-Firma verfolgen die Behörden in Nordhessen eine neue Spur: Der Darmkeim könnte von Menschen auf Lebensmittel zurückübertragen worden sein. „Es besteht die Möglichkeit, dass sich Mitarbeiter zunächst selbst infiziert und danach den Keim wieder auf Lebensmittel übertragen haben“, sagte Markus Schimmelpfennig vom Gesundheitsamt der Stadt der Nachrichtenagentur dpa am Freitag.

Die im Kreis Kassel ansässige Firma hatte eine Familienfeier im Landkreis Göttingen beliefert. Fünf der rund 70 Teilnehmer mussten laut niedersächsischem Gesundheitsministerium im Krankenhaus behandelt werden. Die Catering-Firma habe keine Sprossen ausgeliefert, berichtete Schimmelpfennig in Kassel. Dennoch könne bislang nicht ausgeschlossen werden, dass die Firma selbst mit kontaminierten Lebensmitteln beliefert wurde.

Eine „fäkal-orale Infektion“?

Bisher sei die Mensch-zu-Lebensmittel-Übertragung nur eine „Vermutung“, sagte Schimmelpfennig. Sollte es sich tatsächlich so abgespielt haben, wäre dies „der erste nachgewiesene Fall in der aktuellen Situation.“ Bei früheren Ehec-Ausbrüchen habe es eine solche „fäkal-orale Infektion“ häufig gegeben. Wenn Kühe infiziert sind und Fäkalien ans Euter spritzen, kann der Erreger beim Melken in die Milch gelangen. Oder Kinder streicheln auf dem Bauernhof Tiere, die mit der Schnauze in den Ehec-belasteten Fäkalien wühlen, und stecken sich dann die Finger in den Mund.

Hessens erster Ehec-Toter war schon vor der Infektion mit dem lebensgefährlichen Darmkeim schwer krank. Der Mann habe „schwerwiegende Vorerkrankungen“ gehabt, erfuhr die dpa am Freitag von der Klinik, in der der 57 Jahre alte Mann am Donnerstag gestorben war. „Mit hoher Wahrscheinlichkeit ist davon auszugehen, dass die Vorerkrankungen mit dem tödlichen Ausgang in Zusammenhang stehen“, sagte eine Sprecherin der Frankfurter Diakonie Kliniken. „Er war sehr geschwächt.“ Um welche Vorerkrankungen es sich handelte, wurde nicht genannt.

Frau des Toten wird noch behandelt

Der Verstorbene hatte nach Angaben des Stadtgesundheitsamts mit seiner Ehefrau Ende Mai Hamburg besucht. Er wurde seit Montag stationär in Frankfurt behandelt. Die ebenfalls infizierte Frau des Toten wird weiter im Krankenhaus behandelt, sie liege aber nicht auf der Intensivstation. „Es geht ihr den Umständen entsprechend gut“, sagte die Sprecherin.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
Themen zu diesem Artikel

Das streift das Absurde

Von Peter Lückemeier

Die Landesregierung behält Ergebnisse von Meinungsumfragen für sich. Es lassen sich viele gute Gründe finden, warum das Unbehagen darüber nicht auf die SPD beschränkt bleiben muss. Mehr