20.01.2008 · Das Bistum Limburg hat einen neuen Oberhirten. Bischof Tebartz-van Elst wurde im Georgsdom in sein Amt eingeführt. 2500 Gläubige verfolgten das Ereignis. Jesus sei „in den oft leidvollen Abbrüchen unserer Zeit ein Bote des Anfangs“, sagte der neue Bischof in der Predigt.
Von Stefan ToepferDer neue Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst sieht die Zeit eines neuen Aufbruchs für die katholische Kirche gekommen. In der Predigt zu seiner Amtseinführung erinnerte er am Sonntag an Johannes den Täufer, der von Jesus Zeugnis und den Menschen somit Orientierung gegeben habe. „Er ist in den oft leidvollen Abbrüchen unserer Zeit ein Bote des Anfangs.“ Damit die Kirche missionarisch wirken kann, muß sie sich nach Überzeugung des Bischofs deutlich positionieren. „Wo Kirche Konturen hat, wird Glaube anschaulich.“ Kontur gewinne sie, indem Christen beides praktizierten: sich zum Gebet versammeln und Nächstenliebe zeigen. Kirche lebe nicht aus Sitzungen und Satzungen, sondern aus dem Blick auf Gott und in die Zukunft.
Damit umriss der neue Bischof in der Predigt eine Art Programm für seine Amtsführung mit Kerngedanken, die auch sein bisheriges Wirken als Pastoraltheologe und Weihbischof im Bistum Münster kennzeichneten. Dabei machte er den Christen Mut: „Wo Menschen den Mehrwert des Glaubens in sich tragen, wird sie das Gefühl nicht erschüttern, Minderheit zu sein.“ Zu der Feier waren rund 2500 Gläubige gekommen. Sie fanden Platz im Dom, in der Stadtkirche und in einem großen Zelt vor dem Dom. Dorthin wurde der Gottesdienst übertragen. Anders als bei seinem Vorgänger Franz Kamphaus wurde keine Bischofsweihe gefeiert. Diese hatte der neue Bischof schon erhalten, als er Weihbischof wurde. In sein Amt eingeführt hat ihn der Kölner Erzbischof Joachim Kardinal Meisner. Das Bistum Limburg gehört zur Kölner Kirchenprovinz. Er führte Tebartz-van Elst zum Bischofsthron. Indem er auf ihm Platz nehme, nehme er das Bistum in Besitz und das Bistum ihn, den neuen Bischof, sagte Meisner.
Koch und Ypsilanti unter den Gästen
Zuvor hatte Nuntius Jean-Claude Périsset die Ernennungsurkunde des Papstes überbracht, die vom Domkapitel - es hatte Tebartz-van Elst gewählt - in Augenschein genommen und gebilligt wurde. Nachdem der neue Bischof auf dem Bischofssitz Platz genommen hatte, überreichte ihm Kamphaus in einem der bewegendsten Momente der Feier als Zeichen der Amtsübergabe den Petrusstab der Limburger Bischöfe - einen wertvollen Stab aus dem Domschatz. Unter dem Applaus der Gemeinde dankte Tebartz-van Elst seinem Vorgänger am Ende der Messe für dessen Dienst.
An dem Gottesdienst, dem sich ein Empfang im Priesterseminar anschloss, nahmen mehr als 50 Bischöfe aus deutschen und ausländischen Bistümern teil, aber auch Vertreter der evangelischen Kirchen in Hessen und Landespolitiker, unter ihnen auch Ministerpräsident Roland Koch (CDU) und seine Herausforderin bei der anstehenden Landtagswahl, Andrea Ypsilanti (SPD).
„Unversehrtheit der Lehre verteidigen“
Meisner hob hervor, dass ein Bischof Sorge tragen müsse für die „Unversehrtheit der Lehre, die Einheit des Glaubensbekenntnisses und die authentische Feier der Eucharistie“. Menschen dürften sich nicht nur die Glaubenswahrheiten aussuchen, „die ihnen passen“. Der Mainzer Bischof und scheidende Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Karl Kardinal Lehmann, würdigte die bisherigen Verdienste des neuen Limburger Oberhirten als Theologe und Mitglied der Konferenz. Gerade in einer mobilen Gesellschaft des Rhein-Main-Gebiets sei eine „grundlegend missionarische Seelsorge“ nötig.
Am Ende des Gottesdienstes kündigte der neue Bischof an, den früheren Generalvikar Günther Geis wieder mit dieser Aufgabe betrauen; Geis hatte während der Sedisvakanz das Bistum verwaltet. Kamphaus hatte das Amt mit Erreichen der Altersgrenze von 75 Jahren am 2. Februar 2007 abgegeben. Ebenso bestätigte der neue Bischof den Leiter des kirchlichen Gerichts, Johannes zu Eltz, in seinem Amt.
verzerrte Selbstwahrnehmung
Max Schub (Max.Schub)
- 24.01.2008, 18:08 Uhr