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Institut Lucius Die „geduldreiche Liebe“als Erziehungsmaxime

 ·  In der ländlichen Idylle der Wetterau leben und wohnen 150 Schüler in der Internatsschule Institut Lucius. Die Privatschule in Echzell ist seit mehr als 200 Jahren ein Familienbetrieb.

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Wer sich dem Gelände des früheren Jagdschlosses des hessen-darmstädtischen Landgrafen Ludwig VIII. bei Echzell nähert, der mag vermuten, ein Ferienidyll gefunden zu haben. Ein Blick in das holzverzierte Treppenhaus des Hauptgebäudes, das lange als Forsthaus genutzt wurde, kann den Eindruck einer Oase jenseits des Alltags bestätigen. Der Besuch in den zum Teil ebenfalls unter Denkmalschutz stehenden Nachbargebäuden zeigt indes, dass die Annahme falsch ist. Räume mit Tafeln an den Wänden, Schulbücher, die auf den Tischen liegen, und präparierte Tiere auf Regalen deuten an, dass hier Mädchen und Jungen die Grundlage für ihr späteres Leben und ihre Karriere legen. Die Internatsschule Institut Lucius ist ein staatlich anerkanntes privates Gymnasium. In dem Internat lebt und arbeitet die Gründerfamilie mit den Kindern und Jugendlichen des Hauses unter einem Dach.

Die Anfänge reichen bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts zurück. Die Internatsschule wurde 1809 vom evangelischen Pfarrer Georg-Friedrich Lucius gegründet. Seiner Erkenntnis folgend, „dass Studium der Pädagogik allein den Mann nicht zum Erzieher macht“, sondern nur die „geduldreiche Liebe“ das Werk gelingen lässt, rief der Pfarrer vor mehr als 200 Jahren im rheinhessischen Jugenheim ein Pensionat ins Leben, in dem er zusätzlich zu seiner Tätigkeit als lutherischer Pfarrer in Nierstein Schüler unterrichtete. Der Erfolg seines Erziehungscredos sprach sich schnell herum und schon bald konnte das Pfarrhaus seine vielen Zöglinge nicht mehr beherbergen.

Im April wird die Musikscheune fertiggestellt

Politische Wirren und Auseinandersetzungen innerhalb der Kirche zwangen den Theologen und Pädagogen an verschiedenen Orten in Oberhessen immer wieder zum Neubeginn. 1888 verpachtete der Großherzog dann das leerstehende Forsthaus mit dem von weitem sichtbaren Dachtürmchen und einem kleinen Park an den Pfarrer Lucius. Das direkt am Echzeller Wald gelegene historische Gebäude wurde später um mehrere Gebäude erweitert. Bis April wird eine mit Konjunkturmitteln sanierte Musikscheune fertiggestellt.

An dem idyllischen Ort, etwa eine Autostunde von Frankfurt entfernt, lässt es sich gut lernen und leben. Etwa 150 Schüler, die vor allem aus dem Rhein-Main-Gebiet kommen, besuchen das Gymnasium. Die Internatsschule ist eine Wochenschule. Das heißt, die Kinder reisen am Sonntagabend an und fahren am Freitagmittag nach dem Unterricht wieder zu ihren Familien. Die Schüler werden von rund 30 Lehrern unterrichtet. Das Gymnasium ist nach den Worten von Schulleiterin Laura Lucius, die seit 2004 die Gesamtleitung des Internats innehat und ihrer Cousine Vera Kissner, die für das Oberstufeninternat zuständig ist, neusprachlich ausgerichtet. Wie an allen hessischen Gymnasien erfolgt das Abitur inzwischen nach zwölf Jahren. „Die überschaubare Größe unserer Internatsschule erlaubt es uns, eine familiäre Lern- und Wohnatmosphäre zu schaffen, in der jeder jeden kennt“, sagt Lucius.

Rührei im Sexualkundeunterricht

Auch ihr zehn Jahre alter Sohn Julius wird in der Schule unterrichtet. Im Sexualkundeunterricht lernen er und der drei Jahre ältere Adrian gerade, wie sich ein Embryo im Mutterleib bewegt. Ein Ei wird in eine Plastiktüte gelegt, mit Wasser befüllt und in ein Glasgefäß gelegt, um die Funktion der Fruchtblase zu erläutern. Weil die Jungen jedoch beim Klopfen gegen das Glas zu unvorsichtig sind, zerbricht das Ei. „Jetzt haben wir Rührei“ freuen sich die Schüler, die mit dem kleinen Experiment aber das Prinzip verstanden haben.

Während die Mittelstufenschüler auf dem Gelände des ehemaligen Forsthauses, dem Hauptsitz des Internates, unterrichtet werden und wohnen, sind die Oberstufenschüler etwa zwei Kilometer vom Forsthaus entfernt in einer ehemaligen Burg untergebracht. Sie liegt mitten in Echzell und ist von einem kleinen Park umgeben.

Physik-AG tüftelt an Solarmobil

Zweimal täglich finden eine Studierzeit und Förderkurse in Mathematik und Englisch statt. Gemeinsam mit den Pädagogen und in enger Abstimmung mit den Fachlehrern wird Kissner zufolge mit jedem Schüler individuell ein Lern- und Studienkonzept ausgearbeitet. „Die Mitarbeiter helfen nicht nur dabei, den festgesetzten Zeitrahmen einzuhalten, sondern stehen auch in der Studierzeit am späten Nachmittag bei der Anfertigung der Hausarbeiten, der Referate und der Präsentationen den Schülern zur Seite“. Neben dem Unterricht gibt es an der Schule zahlreiche Arbeitgruppen – vom Debattierclub über eine Musical-AG bis hin zur Physik-AG, die seit Jahren in einem Holzhäuschen auf dem Internatsgelände auch an einem Solarmobil tüftelt und schon zahlreiche Preise und Meisterschaften gewonnen hat.

Der Besuch der Internatsschule kostet monatlich zwischen 1700 und 1780 Euro. Hinzu kommen rund 150 Euro für Nebenkosten sowie eine einmalige Verwaltungsgebühr von 250 Euro.

In der Serie Schulbesuch sind bisher Beiträge über die Konrad-Adenauer-Berufsschule in Kriftel, die St.-Angela-Schule in Königstein und die Realschule plus Mainz-Altstadt erschienen.

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