30.11.2009 · Als Kristina Köhler am Freitag zum Telefon griff, konnte sie noch nicht wissen, dass ihr die Kanzlerin eine schwierige Frage stellen würde. Sie hat ja gesagt. Jetzt wird sie Ministerin. Und freut sich immer mehr darauf.
Frau Köhler, wie haben Sie genau davon erfahren, dass Sie Bundesfamilienministerin werden sollen?
Das war am Freitagmittag. Da rief mich die Bundeskanzlerin an und hat mich gefragt, ob ich mir das vorstellen könnte.
Hatten Sie schon auf den Anruf gewartet?
Überhaupt nicht. Ich war wirklich total überrascht.
Wie haben Sie sich gefühlt? Herzrasen?
Ich habe schon sofort sehr großen Respekt vor einer solchen Aufgabe empfunden. Vor dem, was da auf mich zukommen könnte. Ich habe mich gefragt, was das bedeutet vor dem Hintergrund meiner bisherigen Arbeit. Ich habe mir da schon in der Kürze der Zeit eine Menge Fragen gestellt.
Mussten Sie sich sofort entscheiden?
Nein, ich musste mich an dem Nachmittag entscheiden, aber nicht sofort, die Bundeskanzlerin gab mir die Chance, darüber nachzudenken.
Wie lange dauerte das Telefonat?
Vielleicht zehn Minuten. Die Kanzlerin hat gesagt, dass sich das neue Amt gut an meine bisherige Arbeit anschließen würde. Ich habe mich ja bisher vor allem um gesellschaftspolitische Themen gekümmert, etwa um Fragen der Integration.
War es das erste Mal, dass die Kanzlerin Sie angerufen hat?
Nein, sie ruft jetzt nicht dauernd an, aber zum Beispiel damals, als ich vom Umwelt- in den Innenausschuss wechselte, da hat sie auch mit mir telefoniert.
Hatten Sie, bevor Sie zusagten, mit Roland Koch Kontakt?
Nein, hatte ich nicht. Ich wusste aber, dass es mit Roland Koch abgestimmt war. Aber Kontakt hatte ich zu ihm erst danach.
Wie erklären Sie es sich, dass der hessische Ministerpräsident nicht für einen anderen Kandidaten aus Hessen gekämpft hat, etwa für eine Ministerin oder einen Minister aus seinem Landeskabinett?
Ich denke, dass Roland Koch sich meine bisherige Arbeit angeguckt hat und er sich gesagt hat, dass meine bisherigen Schwerpunkte und die neue Aufgabe im Familienministerium gut zusammenpassen. Vielleicht ist ihm auch meine Hartnäckigkeit im BND-Untersuchungsausschuss angenehm aufgefallen.
Sind Sie stolz, mit 32 Jahren Ministerin und damit – geschlechtsneutral betrachtet – die zweitjüngste Person auf dem Stuhl eines Bundesministers seit 1949 zu sein?
Ich freue mich, Mitglied des Bundeskabinetts zu werden und damit die Politik der Bundesregierung mitgestalten zu dürfen.
Sie interessieren sich für Politik, seitdem Sie zwölf waren. Was gab damals vor zwanzig Jahren den Anstoß?
Der Fall der Mauer. Meine Eltern waren eigentlich politisch nicht sonderlich engagiert. Aber die Wiedervereinigung hat mich unglaublich fasziniert und in die Politik förmlich hineingezogen. Ich habe sogar Kabinettslisten auswendig gelernt.
Was ja schon auf einen gewissen frühen Ehrgeiz hindeutet. Wird es nicht ein komisches Gefühl sein für Sie als Zweiunddreißigjährige, ein Ministerium mit vielen kompetenten Beamten, inklusive einem beamteten Staatssekretär, zu leiten, die alle älter sind als Sie?
Einerseits kenne ich „dieses komische Gefühl“, wie Sie es nennen, ja aus anderen Zusammenhängen. Im Parlamentarischen Untersuchungsausschuss zum Beispiel arbeitete ich fast nur mit Älteren zusammen. Andererseits geht man damit recht schnell auch gelassen um, denn nur am Anfang geht es um Attribute wie „jung“ und „Frau“, doch bald zählen nur noch die Kompetenz und die Leistung.
Was nehmen Sie sich für Ihr Amt als Ministerin vor?
Ich habe natürlich erst einmal die Aufgabe, die Kinderbetreuung konsequent weiter umzusetzen. Zweitens müssen wir uns, glaube ich, stärker um die Jungs in Kindergarten und Grundschule kümmern, die oft nicht so optimal gefördert werden wie die Mädchen. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist auch für junge Väter ein großes Thema, weil die es ja in ihren Unternehmen auch nicht immer leicht haben, wenn sie ihren Anteil an der Erziehung wahrnehmen wollen.
Und drittens?
Ich finde es ganz wichtig, dass wir die alternde Gesellschaft, zu der wir zweifellos werden, nicht nur unter negativen Vorzeichen betrachten. Wir müssen auch das Potential sehen, das heute die älteren Menschen haben und auch der Gesellschaft gern zur Verfügung stellen, wenn sie in geeigneter Weise angesprochen werden. Es gibt so viele fitte, kompetente Siebzig- und Achtzigjährige, die noch sehr viel Kraft haben, die Gesellschaft zu unterstützen und zu bereichern.
Werden Sie Ihren Lebensmittelpunkt nach Berlin verlagern?
Ich wohne ja jetzt schon in Berlin, behalte aber natürlich meine Wurzeln im Wahlkreis.
Wie ist jetzt Ihre momentane Gefühlslage?
Ein bisschen angespannt. Aber ich freue mich auch immer mehr.
Die Fragen stellte Peter Lückemeier.
Sie scheint qualifizierter zu sein als v.d. Leyen
thomas schulz (peanutbutter)
- 30.11.2009, 13:10 Uhr
Neue Ministerin
Klaus D. Wolf (LaoK)
- 30.11.2009, 13:32 Uhr