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Hochtaunus-Außenstelle aufgelöst Beim Weißen Ring tobt ein heftiger Streit

Kriminalitätsopfern im Rhein-Main-Gebiet stehen künftig weniger Helfer zur Verfügung. Der Grund dafür liegt in heftigen Querelen innerhalb der Opferschutzorganisation Weißer Ring.

© obs In hessischen Vertretungen des Weißen Rings gärt es heftig

Kriminalitätsopfern im Rhein-Main-Gebiet stehen künftig weniger Helfer zur Verfügung. Der Grund dafür liegt in heftigen Querelen innerhalb der Opferschutzorganisation Weißer Ring. In der Kritik steht dabei auch der hessische Landesvorsitzende Horst Cerny.

Stefan Toepfer Folgen:

Neu aufgebaut werden muss die Hilfe im Hochtaunuskreis: Dort hat Cerny bis auf einen Mitarbeiter neun in der Außenstelle tätige Männer und Frauen von ihren Aufgaben entbunden, auch den Leiter Hans-Jürgen Oppitz. Einschnitte gab es auch in den Außenstellen Darmstadt, Darmstadt-Dieburg und Groß-Gerau: Dort haben sich nach Auskunft des einstigen Leiters Uwe Neumann zehn Ehrenamtliche nach einem Zwist mit Cerny zurückgezogen. Cerny zufolge leidet die Arbeit für die Opfer darunter nicht – Oppitz und Neumann sehen das anders.

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Als „außerordentlich bitter“ bezeichnet Helmut Rüster, Sprecher der Bundeszentrale des Weißen Rings in Mainz, diese Entwicklungen. Der Konflikt begann zum einen mit einem Brief, den die Hochtaunus-Mitarbeiter im März an Cerny und die Bundesführung geschrieben hatten. Dort heißt es, es gebe „deutliche Hinweise“ darauf, dass der Leiter zweier Außenstellen in Frankfurt, Ulrich Warncke, den Weißen Ring „als Plattform zur Mandantenakquisition für eine (oder mehrere?) Kanzleien nutzt“. Warncke ist Rechtsanwalt. So werde der gute Ruf des Weißen Rings gefährdet. Gegen diesen Kernvorwurf und andere in dem Brief erhobene Anschuldigungen verwahrt sich Warncke, der kommissarisch Cernys Stellvertreter ist, nach wie vor: Sie seien unzutreffend, ehrenrührig und beleidigend.

Unterlassungserklärung verlangt

Der Streit wurde schließlich juristisch ausgetragen. Dabei gab das Amtsgericht Warnckes Gegnern Recht und wertete den Kernvorwurf als grundgesetzlich geschützte Meinungsäußerung. Warncke hatte eine Unterlassungserklärung verlangt. Ob er weiter prozessieren wird, ist offen. Er vermutet, dass die Kritik der Mitarbeiter letztlich dem Landesvorsitzenden gelte. Cerny hebt hervor, dass er Oppitz und dessen Stellvertreterin wegen eines anderen Vorfalls ihrer Ämter enthoben habe, der mit dem Gerichtsurteil nichts zu tun habe. Beide hätten sich „satzungswidrig“ verhalten. Es ging dabei um einen Opferfall, der nicht in ihrem Zuständigkeitsgebiet lag, sondern in dem von Warncke.

Oppitz gibt zu, damals einen Fehler gemacht zu haben, die Abberufung sei aber nicht gerechtfertigt. Ohnehin sei dieses Argument „vorgeschoben“; der wahre Grund liege darin, dass auch er und seine Vertreterin den Protestbrief im März unterschrieben hätten. Cerny sagt, die anderen Mitarbeiter habe er abberufen, weilsie auf ein Gesprächsangebot nicht eingegangen seien. „Eine vertrauensvolle Zusammenarbeit war nicht mehr möglich.“ Oppitz zufolge hat die Außenstelle im vergangenen Jahr in 40 Fällen geholfen, hinzu kamen mehr als 80 Telefon-Beratungen.

„Sofort“ vier Helfer im Hochtaunus

Die von der Gruppe geforderte Abberufung Warnckes lehnt Cerny weiter ab. Warncke sei ein anerkannter Außenstellenleiter, der alle Vorwürfe widerlegt habe. Zudem gebe es beim Weißen Ring mehrere Außenstellenleiter, die Anwälte seien. Dem Weißen-Ring-Sprecher Rüster zufolge erwartet man von ihnen, dass sie ihr Ehrenamt und ihren Beruf nicht miteinander vermischten; es gebe bundesweit „keine Probleme“. Oppitz fehlt jedoch das Vertrauen in Warncke, wie er sagt.

Im Hochtaunuskreis gibt es derzeit noch einen Mitarbeiter. Er hatte den Protestbrief damals nicht unterzeichnet, weil er erkrankt war. Nun erwägt er, sein Amt von sich aus niederzulegen. Cerny sieht die Arbeit zugunsten der Opfer jedoch nicht gefährdet, da es im Hochtaunuskreis „sofort“ vier Helfer gebe. Angesichts der Zahlen - in diesem Jahr gebe es bisher 17Fälle - sei die Betreuung „mehr als sichergestellt“.
Auch in den Außenstellen Darmstadt, Darmstadt-Dieburg und Groß-Gerau gibt es laut Cerny noch vier Mitarbeiter für die Opferhilfe. Der Konflikt in Darmstadt und Umgebung beruht auf einer Auseinandersetzung um eine Ausstellung und einem Einladungsschreiben, das fehlerhaft gewesen sei. Hinzu kommt, dass Cerny dem früheren Leiter, Uwe Neumann, vorhält, er habe ihn 2006 stürzen wollen.
Neumann sagt, er habe einen Gegenkandidaten für Cerny präsentieren können, es aber doch nicht getan, um eine Kampfabstimmung zu vermeiden. Mittlerweile wolle die Außenstelle aber nicht mehr mit Cerny zusammenarbeiten. Im Februar habe man sich entschlossen, die Tätigkeit „ruhen“ zu lassen. „Die Aufbauarbeit, die wir geleistet haben, können wir abschreiben.“

Keine Handhabe gegen Landeschef

Auf Kritik stößt bei der Gruppe aus dem Hochtaunus auch der Umgang mit ihrem Anliegen innerhalb des Weißen Rings. Wie Warncke sagt, hatte sie Anfang März bei einem Treffen aller Außenstellenleiter ein Forum für ihre Einwände. Das sieht jene Gruppe anders. Auch die Bundesführung habe sich nicht genug für die Kritik interessiert. „Der Weiße Ring hat im Jahr 2007 bundesweit rund 13 Millionen Euro an Spenden und anderen Einnahmen bekommen, wir sind doch nicht der TV Bommersheim“, klagt die frühere ehrenamtliche Mitarbeiterin Nina Kuhn.

Rüster zufolge hat der Geschäftsführende Bundesvorstand durchaus an Cerny appelliert, den Konflikt nicht eskalieren zu lassen, „leider erfolglos“. Eine Handhabe, gegen Landesvorsitzende vorzugehen, gebe es laut Satzung nicht. Man werde die Satzung bei der nächsten Bundesdelegiertenversammlung im Oktober 2010 dahingehend ändern. Vom Vorgehen Cernys distanziere sich der Geschäftsführende Bundesvorstand. In allen nun betroffenen Außenstellen sei jahrelang gute Arbeit geleistet worden. Für Oppitz zeigt sich aus den Vorgängen in Hessen auch dies: „Es gibt eine regelrechte Verschwendung gut geschulter Mitarbeiter.“

Quelle: F.A.Z.

 
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