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Hessische Landtagsabgeordnete „Der Papst braucht mich nicht“

 ·  Der Papstbesuch löste bei den meisten hessischen Abgeordneten Freude aus. Tom Koenigs fehlte allerdings.

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Papst Benedikt XVI. hat bei seiner Rede am Donnerstag im Bundestag auch einen Muslim als Zuhörer gefunden. Omid Nouripour, der aus Iran stammende Frankfurter Bundestagsabgeordnete der Grünen, war im Plenarsaal, als der Papst den Volksvertretern seine Gedanken zu Recht und Religion nahe zu bringen versuchte.

Für Nouripour war es „ein Akt der Höflichkeit“, an der Veranstaltung teilzunehmen, schließlich habe das Parlament den Papst eingeladen. Doch mochte der Abgeordnete nicht auf ein kleine Geste des Protests verzichten. Demonstrativ hatte er sich eine Aids-Schleife angesteckt, um seine Kritik an der Sexualmoral der katholischen Kirche und ihres Verbots von Kondomen zum Ausdruck zu bringen.

Rede vor Menschenrechtsgruppen

Erika Steinbach von der CDU hingegen hat mit Begeisterung der Veranstaltung mit Benedikt XVI. im Plenarsaal beigewohnt. Sie, die protestantische Christin, bezeichnet sich als „Papst-Fan“. Steinbach sieht in Benedikt einen klugen und gebildeten Mann, der innere Stabilität gebe in bewegten Zeiten. Für ihren CDU-Kollegen Matthias Zimmer ist der Besuch des Papstes sogar ein „Höhepunkt“ – nicht nur in seiner parlamentarischen Laufbahn. Für ihn, den Katholiken, war gestern ein Tag der Freude, der frohen Botschaft und des Nachdenkens. Als intellektuell Interessierter habe er die Texte Benedikts, der einer der wenigen Großintellektuellen Europas sei, immer mit Gewinn gelesen, sagte Zimmer.

Während Steinbach und Zimmer, aber auch die beiden FDP-Abgeordneten Hans-Joachim Otto und Christoph Schnurr sich auf die Papst-Rede gefreut haben, sind zwei andere Frankfurter Abgeordnete dem Kirchenoberhaupt aus dem Weg gegangen. Tom Koenigs von den Grünen, der frühere Frankfurter Stadtkämmerer, redete just zu jener Stunde, da der Papst im Plenarsaal sprach, mit Vertretern von Menschenrechtsgruppen, die sich in Afrika um Aids-Kranke kümmern. Er glaube, damit mehr zur Durchsetzung des Rechts auf Leben und Gesundheit zu erreichen als durch eine Teilnahme an einer pompösen Veranstaltung, begründete der Vorsitzende des Menschenrechtsausschusses sein Fernbleiben: „Der Papst braucht mich nicht, die Aids-Kranken brauchen unsere Unterstützung.

Deutschland sei eine liberale Demokratie - also dürfe der Papst auch im Bundestag sprechen

Unter den Zuhörern im Bundestag fehlte auch der Frankfurter Abgeordnete Wolfgang Gehrcke von der Linken. Er hatte einen nicht zu verschiebenden Arzt-Termin wahrzunehmen. Doch auch sonst hätte er die Veranstaltung gemieden. „Ich habe Respekt vor dem Papst, ich habe Respekt davor, dass er im Bundestag redet“, sagte Gehrcke. „Aber ich habe auch Respekt vor mir selbst und muss ihm nicht zuhören.“

Staatssekretär Otto von der FDP nannte die Kritik daran, dass der Papst im Bundestag geredet haben, kleingeistig und intolerant. Niemand sei gezwungen gewesen, ihm zuzuhören. Wer aber für sich die Freiheit in Anspruch nehme, dem Papst nicht zuzuhören, möge dies aus Respekt ohne Protest oder gar Diffamierung tun. Er jedenfalls habe die Rede Benedikts mit großem Interesse verfolgt.

Auch wenn er nicht alle Ansichten des Papstes teile, sehe er doch in Benedikts Auftritt einen kleinen Beitrag zum Dialog der Religionen, sagte der FDP-Abgeordnete Schnurr. Deutschland sei eine liberale Demokratie, zu der auch gehöre, dass ein Papst im Bundestag sprechen dürfe.

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Jahrgang 1954, Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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