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Veröffentlicht: 14.05.2017, 12:04 Uhr

Hessentag in Rüsselsheim Mit neuem Blick auf den Main

In Rüsselsheim beginnt der Aufbau für den Hessentag im Juni, zu dem eine Million Besucher erwartet werden. Die Stadt rückt für das Landesfest näher an den Fluss, dessen Ufer nicht nur eine Fähre beleben wird.

von , Rüsselsheim
© Cornelia Sick Im Zentrum des Hessentags: Das Opel-Werk, vor dem eine Statue an den Firmengründer Adam Opel erinnert, und der Marktplatz vor dem Rüsselsheimer Rathaus.

Die Naturfreunde sind schon seit Tagen am Werk, um einen Abschnitt der zwischen Main und Damm gelegenen Grünfläche in einen vorzeigbaren Zustand zu versetzen. Winzer aus dem Rheingau und Handwerker aus ganz Hessen haben ihr Kommen zugesagt. Auch die Bundeswehr will, ebenso wie die Polizei, Flagge zeigen, wenn in Rüsselsheim vom 9. bis zum 18. Juni der 57. Hessentag über die Bühne geht.

Markus Schug Folgen:

Derweil sind die Bauarbeiter, die über Monate hinweg in der Stadt und dort vor allem rund um das Rathaus sowie am Landungsplatz gebaggert, gegraben und gepflastert haben, unverkennbar auf dem Rückzug. Schließlich soll es in dieser Woche mit den Aufbauten losgehen, die für das zehntägige Landesfest mit mehr als 1000 Einzelveranstaltungen notwendig sind. Oberbürgermeister Patrick Burghardt (CDU) rechnet mit deutlich mehr als einer Million Besuchern und rät allen Gästen, „die Erbsensuppe der Bundeswehr und Wildschweinbratwürste“ zu probieren.

„Main Rüsselsheim – Unser Hessen“

Dass die gerade für junges Publikum gedachte „Rap-Nacht“ wegen zahlreicher Proteste noch einmal neu geplant werden musste; dass linke Gruppierungen gegen die vorgesehene Imagekampagne der Soldaten Sturm laufen; und dass ihm die Fraktion „Wir sind Rüsselsheim“ fünf Wochen vor der großen Feier immer noch einen intransparenten Kosten- und Finanzierungsplan für den vom Stadtparlament grundsätzlich unterstützten Hessentag vorhält: All das kann Burghardt die gute Laune nicht vermiesen. Der 36 Jahre alte Rathauschef freut sich vielmehr über den seit kurzem barrierefreien Verna-Park, der als Rückzugsraum für Familien und Weinfreunde gedacht ist. Ebenso wie über den bis dato nicht zu genießenden „ungestörten Blick auf den Main“, durch den die inzwischen von Büschen und Hecken befreite Promenade am Leinreiter-Denkmal dauerhaft aufgewertet worden sei. Schließlich habe man genau das bei der Auswahl des Mottos „Main Rüsselsheim – Unser Hessen“ im Sinn gehabt.

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Am Mainufer soll im Juni eine Fähre aus Flörsheim anlegen, um regelmäßig Gäste von der anderen Seite des Flusses in die Stadt sowie später wieder zurück zu bringen. Ansonsten empfehlen die Organisatoren den Besuchern, möglichst mit Nahverkehrsmitteln wie der S-Bahn in die Autostadt zu kommen, deren Zentrum nicht zuletzt aus Sicherheitsgründen abgesperrt sein wird. Wer trotzdem mit dem eigenen Fahrzeug anreisen möchte, gelangt mit Shuttle-Bussen von den etwas außerhalb gelegenen Opel-Parkplätzen zum Ort des Geschehens. Die „Hessentagsstraße“ und die „Straße der Innovation“, die normalerweise als Mainzer respektive Frankfurter Straße bekannt sind, führen direkt am Rathaus und an dem neu gestalteten Marktplatz vorbei, der in eine „Plaza mit Liegestühlen, Cocktailbar und einer Bühne“ verwandelt werden soll. Passend dazu will man, was offiziell erst heute vorgestellt wird, mit Hilfe der Fraport AG die Rathausfront abends in einem „besonderen Licht“ erstrahlen lassen.

Programm soll am 23. Mai vorgestellt werden

Ohne Partner und Sponsoren, zu denen in Rüsselsheim selbstverständlich die Opel AG gehört, wären die vom Steuerzahlerbund immer wieder als zu teuer kritisierten Landesfeiern kaum auszurichten. Etwa zwei Drittel der vom Land gewährten Zuschüsse in Höhe von zehn Millionen Euro mussten für Verbesserungen der Infrastruktur verwendet werden. Immerhin 3,5 Millionen Euro dürfen, anders als bei früheren Hessentagen, mittlerweile in die Programmgestaltung gesteckt werden.

Burghardt will die Chance nutzen, den „urbansten Hessentag aller Zeiten“ auf die Beine zu stellen und allen zu zeigen, dass sich die in den vergangenen Monaten für viele Schlagzeilen sorgende Autobauerstadt auf gutem Weg „von der Arbeiterstadt zur Denkfabrik“ befinde. Wenngleich man sehr genau wisse, woher man komme. Am Dienstag etwa hätten die Rüsselsheimer im Normalfall an ihren berühmtesten Sohn, den Unternehmensgründer Adam Opel, erinnert, der vor 180 Jahren geboren wurde. Dass man immer noch stolz auf ihn und die eigene Geschichte sei, wolle man in diesem Jahr ausnahmsweise aber nicht an dessen Geburtstag, sondern erst beim Hessentag unter Beweis stellen, erklärte der Oberbürgermeister. Dazu gehöre, dass sich das Hessentagpaar, Selma Kücükyavuz und Marcel Sedlmayer, schon seit 2016 bei offiziellen Terminen in historischen Kostümen zeige, wie sie wohl auch Adam und Sophie Opel seinerzeit hätten tragen können.

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Was genau die Besucher an den zehn Festtagen erwartet, lässt sich bereits erahnen: weil für die meisten Konzerte – ob in der 34 000 Zuhörer fassenden Hessentagsarena oder der Music-Hall „K48“ – der Kartenverkauf längst begonnen hat. Offiziell soll das Programm zusammen mit Vertretern der Staatskanzlei allerdings erst am 23. Mai in der Rotunde des Rathauses vorgestellt werden. Zum breitgefächerten Künstleraufgebot gehören unter anderen David Garrett, die Scorpions und Peter Maffay & Band (siehe untenstehender Kasten).

Für jene Gäste, die keine speziellen Veranstaltungen besuchen, sondern sich lieber treiben lassen wollen, wird die Hessentagsstraße täglich von 10 bis 23 Uhr geöffnet haben; ebenso wie das Weindorf mit eigener Bühne am kleinen Teich im Verna-Park. Damit sich auf dem Weg vom Marktplatz zu den Opelvillen und weiter bis zur Festung niemand verläuft, wurde das Festgelände noch einmal zentimetergenau vermessen, so dass es nun gleich drei fixe GPS-Referenzpunkte für Rüsselsheim gibt. Und außerdem fest steht, dass sich das Rathaus der rund 63 000 Einwohner zählenden Stadt, als das Zentrum des Hessentages 2017, exakt bei 49 Grad 59,7067 Minuten nördlicher Breite und 8 Grad 24,6810 Minuten östlicher Länge befindet – und damit kaum mehr zu verfehlen sein dürfte.

Infografik / Karte / Landkarte zum Hessentag in Rüsselsheim © F-A.Z.-Karte Vergrößern

Viele Bühnen in der Stadt und ein Weindorf im Park

Fast die gesamte Stadt wird gebraucht, um den mehr als 1000 Hessentag-Veranstaltungen, die vom 9. bis 18. Juni in Rüsselsheim geplant sind, ausreichend Raum zu geben. Vor allem in der Hessentagsarena und der Music-Hall K 48, die sich auf dem Opel-Werksgelände befinden, werden Künstler „mit großen Namen“ auftreten. Der Vorverkauf für die Karten hat schon begonnen. Zusätzliche Spielstätten sind das in Hessenpalace umbenannte Theater, die Zeitkirche, der HR-Treff am Mainufer und eine kleine Bühne im Verna-Park.

In die Hessentagsarena kommen

am 9. Juni zum „hr3 Open Air“ Silbermond, Andreas Bourani und Joris (Stehplatztickets für 44 Euro)

am 11. Juni die Scorpions (48,40 bis 68,20 Euro)

am 12. Juni die Kings of Leon (68,20 bis 84,71 Euro)

am 14. Juni der Geiger David Garrett (49,50 bis 79,20 Euro)

am 15. Juni schließlich Peter Maffay & Band (Stehplätze für 59,95 Euro)

am 16. Juni zur italienischen Nacht Zucchero, Gianna Nannini, Niccolò Fabi (61,60 bis 88 Euro)

In der Music-Hall K 48 werden am 13. Juni Bülent Ceylan und andere Comedians (44 bis 57,20 Euro)

am 14. Juni die Bundeswehr Big Band (je 16,50 Euro)

sowie am 15. Juni Jürgen Drews, Mickie Krause und weitere Party-Macher (41,80 bis 52,80 Euro) erwartet.

In der Zeitkirche am Marktplatz spielt am 14. Juni die Band Fools Garden (je 37,40 Euro).

Im Verna-Park soll am 17. Juni etwa Mrs. Greenbird zu hören sein. Neben den Winzerständen, die täglich von 10 bis 23 Uhr in der Grünanlage geöffnet haben werden, soll es in dem Park auch Spiel- und Spaßangebote für Kinder geben.

Während die Landesausstellung, an der sich unter anderem die Ministerien sowie etliche hessische Unternehmen und Verbände beteiligen, auf Opel- Flächen an der Mainzer Straße zu finden sein wird, wollen sich Polizei und Bundeswehr auf dem Landungsplatz den Besuchern präsentieren, wo zudem die Ausstellung „Der Natur auf der Spur“ gezeigt wird.

Weiteres zum Programm und den einzelnen Veranstaltungsorten findet sich im Internet unter www.hessentag2017.de.

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