09.06.2009 · Beim Hessentag können Besucher auch an den Zeremonien im ältesten buddhistischen Kloster Deutschlands teilnehmen. „Am Hessentag kommen auch endlich mal diejenigen, die sich vorher nicht getraut haben“, sagt Gründer Klaus Bünnecke.
Von Barbara Hofmann, LangenselboldDie unscheinbare ehemalige Lagerhalle liegt mitten in einem Wohngebiet, in dem vom Hessentag fast nichts zu spüren ist. Trotzdem sind um zehn Uhr etwa die Hälfte der 25 Besucher vom Hessentag zur Morgenveranstaltung gekommen. Die Asiaten knien auf Kissen auf dem Boden, die Europäer sitzen auf den Stühlen. Alle haben sie die drei Mönche in ihren dünnen, braunen Gewändern im Blick, die regungslos wie Statuen auf einem Podest sitzen. Links neben ihnen thront ein mächtiger goldener Buddha, flankiert von seinen goldenen Lieblingsschülern Siribut und Mogola. Zu Füßen des Buddhas sind blühende Orchideen, Grünpflanzen und Kerzen arrangiert.
Die Halle beherbergt Deutschlands erstes thailändisch-buddhistisches Kloster, Wat Puttabenjapon. Klaus Bünnecke hat es vor 20 Jahren gemeinsam mit seiner Frau Somporn und anderen thailändisch-deutschen Familien gegründet. Mittlerweile gibt es in Deutschland 30 buddhistische Klöster mit thailändischen Mönchen. Bünnecke freut sich, an diesem Morgen viele unbekannte Gesichter unter den Besuchern zu entdecken. „Am Hessentag kommen auch endlich mal diejenigen, die sich vorher nicht getraut haben.“ Das Kloster lädt während des Hessentags Besucher dazu ein, Einblicke in den Alltag der Mönche zu bekommen und etwas über den Buddhismus zu erfahren.
Melone, Kuchen und Hähnchenschenkel
Bünnecke erklärt und übersetzt die Zeremonie für die deutschen Gäste. Jeder von ihnen hat einen Zettel erhalten, auf dem die Rezitationen in dem altindischen Dialekt „Pali“ in vereinfachter deutscher Lautschrift geschrieben und mit „Regieanweisungen“, wie „viermal verbeugen“ oder „kurze Sprechpause“, versehen sind. Während der einstündigen Morgenveranstaltung rezitieren die Mönche einen Text, in dem sie ihre Dankbarkeit gegenüber den „Drei Juwelen“ – „Buddha“, „Dhamma“, die Lehre, und „Sangha“, die Mönchsgemeinde – zum Ausdruck bringen. Die anschließende „Alle-Güte-Meditation“ dient dazu, sich selbst und anderen – auch Menschen, die man nicht mag, – Glück zu wünschen. Danach folgt die Essensspende an die drei Mönche.
„Die Mönche haben keinen Beruf, daher müssen sie sich ihr Essen in Form von Almosen sammeln“, erklärt Bünnecke. Wichtig sei es, die Essensspende mit guten Gedanken zu verbinden. Die Besucher bringen den Mönchen Reis, Nudelgerichte, Salat, Gebäck, Obst und Getränke vom Büfett. Die füllen ihre Almosenschalen mit dem Essen, das für 24 Stunden reichen muss. Ob Melone, Kuchen oder Hähnchenschenkel, alles landet zusammen in der Schale, aus der die Mönche mit den Fingern essen. Die Ordensregeln schreiben vor, dass Frauen ihre Spende auf ein braunes Tuch legen müssen, das jeder Mönch vor sich ausgebreitet hat. Männer dürfen ihnen die Töpfe und Schalen direkt in die Hand geben. „Wir bedanken uns bei den Mönchen, dass wir mit der Spende eine gute Tat begehen durften“, sagt Bünnecke.
Seelisch und körperlich gestärkt
Seine Frau greift immer wieder in das Geschehen ein und dirigiert die Anwesenden mit Worten und Taten. Gerade bei der Essensspende reagieren die Neuen zögerlich, bevor sie sich mit ihren Reistellern in die Schlange vor den drei Almosenschalen einreihen. Wer sich nicht selber einen Teller mit dampfendem Reis am Büfett abholt, bekommt ihn von ihr einfach in die Hand gedrückt. Sie und ihre Helferinnen reagieren sehr nachsichtig, wenn die Schlange wegen der Unsicherheit von Besuchern ins Stocken gerät.
Bevor die Mönche essen, erteilen sie allen den Segen. Abt Phra Ajahn Tiva Abhakaro, der schon von Beginn an dem Kloster angehört, wünscht den Besuchern „Guten Appetit“, und dann dürfen diese sich auch am Büfett bedienen. Nach der morgendlichen Zeremonie sind alle ausreichend seelisch und körperlich gestärkt, um sich in das Hessentagsgetümmel stürzen.