28.01.2008 · Gut 2,81 Millionen Wähler gaben am Sonntag in Hessen ihre Stimme ab - ein Plus gegenüber 2003. Gleichwohl war die Beteiligung an einer Landtagswahl noch nie so schwach. Zur Wahl gingen nur 64,3 Prozent der Berechtigten.
Gut 2,81 Millionen Wähler gaben am Sonntag in Hessen ihre Stimme ab - 12.438 mehr als vor fünf Jahren. Gleichwohl war die Beteiligung an einer Landtagswahl noch nie so schwach wie gestern. Zur Wahl gingen nur 64,3 Prozent der Berechtigten. Das waren 0,3 Prozentpunkte weniger als 2003. Seinerzeit hatte 64,7 Prozent den bisherigen Tiefstand in der Geschichte Hessens markiert.
Zur Stimmenabgabe waren diesmal gut 4,37 Millionen Wahlberechtigte aufgerufen. Zum Vergleich: Vor fünf Jahren waren es noch etwas mehr als 4,33 Millionen Personen gewesen. Seinerzeit waren annähernd 2,8 Millionen Frauen und Männer dem Aufruf auch gefolgt. Angesichts der Zunahme von gut 39.600 Wahlberechtigten gegenüber 2003 reichten die gut 2,81 Millionen Wählerinnen und Wähler aber nicht aus, um eine bessere Quote zu erzielen.
„Die Wähler trauen dem Theater der Parteien nicht“
Der Politikwissenschaftler Wolfgang Schroeder erklärt diesen Umstand mit dem Unvermögen der Parteien, die Wähler ausreichend zu mobilisieren. „Das eigentlich überraschende dieser Landtagswahl ist, dass trotz dieser unglaublichen Polarisierung im Wahlkampf, die Wahlbeteiligung sogar noch etwas gesunken ist“, sagte der Kasseler Professor. Vor allem die Parteien seien Schuld, dass die Mobilisierung noch hinter dem „untemperierten Wahlkampf“ von 2003 zurückgeblieben ist: „Die Wähler wissen nicht mehr, was sie vom Wahlkampf halten sollen. Sie trauen dem Theater der Parteien nicht.“
Nach Schroeders Worten spricht das Wahlergebnis auch für eine „Normalisierung“ in der hessischen Politik: „Seit 1946 hat es immer wieder knappe Verhältnisse in Hessen gegeben. Die absolute Mehrheit für die CDU war nicht normal.“ Vor hessischen Wahlen gehöre „ein gewisses Maß an Unsicherheit“ dazu. Gerade das mache es auch schwer, Ergebnisse vorauszusagen. Ein Grund für diese Unsicherheit sei, dass die CDU in Hessen traditionell besonders konservativ sei und die SPD besonders weit links stehe.
Am Wahlabend hatte schon Innenminister Volker Bouffier (CDU) zugegeben, die Union habe ihre Wählerschaft nicht genügend mobilisiert.