22.04.2010 · Nach fünf Jahren des Projekts „Staufreies Hessen 2015“ sind die Stauzeiten in Hessen um etwa 80 Prozent zurückgegangen. „Jetzt zur Halbzeit haben wir mehr als die Hälfte erreicht“, lautet die Bilanz.
Von Hans Riebsamen, FrankfurtNach fünf Jahren des Projekts „Staufreies Hessen 2015“ sind die Stauzeiten in Hessen um etwa 80 Prozent zurückgegangen. „Jetzt zur Halbzeit haben wir mehr als die Hälfte erreicht“, lautet die Bilanz von Gerd Riegelhuth, Abteilungsleiter für Verkehrsmanagement im Hessischen Landesamt für Straßen- und Verkehrswesen.
Im Jahr 2003 hätten die Auto- und Lastwagenfahrer in Hessen noch 90.000 Stunden im Stau gestanden, im vergangenen Jahr nur noch 20.000 Stunden, berichtet Riegelhuth. Der Erfolg gehe vor allem auf die Freigabe der Standspur während des Berufsverkehrs auf zahlreichen Autobahnabschnitten besonders im Rhein-Main-Gebiet zurück. Beim Kongress „Strategien in Bewegung“ im Torhaus der Frankfurter Messe diskutieren heute Fachleute darüber, wie man mit intelligenten Verkehrstechniken und -strategien Staus verhindern kann. Sowohl Ministerpräsident Roland Koch (CDU) als auch Verkehrsminister Dieter Posch (FDP) wollen sich zu den weiteren Plänen der Landesregierung äußern, Hessen staufrei zu machen.
Flexibles Baustellen-Management
Um ein staufreies Hessen 2015, wie die Regierung Koch es versprochen hat, zu erreichen, bleiben den Planern noch fünf Jahre. Einfach wird es für sie nicht werden, die restlichen 20 Prozent an Stauzeiten zu verringern. Denn für komplexe Projekte gilt das Prinzip des italienischen Ingenieurs Vilfredo Pareto, wonach die letzten 20 Prozent die meiste Arbeit verursachen. Zudem nimmt den Prognosen zufolge während der nächsten Jahre vor allem der Güterverkehr auf den Autobahnen weiter zu.
Bisher haben die Planer von „Staufreies Hessen“ sich auf die Engstellen im Autobahnnetz konzentriert: auf die Abschnitte mit zu wenigen Spuren oder auf Baustellen. Diese Engstellen verursachen erfahrungsgemäß etwa 70 Prozent der Stauungen. Mit dem Mittel der Freigabe von Seitenstreifen, mit einem flexiblen Baustellen-Management und mit elektronischen Anzeigetafeln zur Verkehrslenkung haben die Straßenbauer das Kapazitätsproblem mittlerweile recht gut in den Griff bekommen.
Testfeld Rhein-Main-Gebiet
Etwa 30 Prozent der Staus entstehen nach Unfällen und Pannen. Will man sie verhindern, muss man Einfluss auf das Verhalten der Fahrer nehmen und diesen Unterstützung für mehr Sicherheit geben. Assistenzsysteme wie das Anti-Blockier-System oder ein automatischer Abstandswarner machen das Fahren schon jetzt weniger gefährlich. Im Projekt „Staufreies Hessen“ arbeiten Straßenbehörden und Industrie an sogenannten kooperativen Systemen. Sie sollen einen Informationsaustausch zwischen den Autos untereinander, von diesen mit der Verkehrszentrale in Rödelheim und umgekehrt sowie zwischen den Fahrzeugen und der Straßeninfrastruktur wie Ampeln oder Sender am Straßenrand ermöglichen. Das noch in weiter Ferne liegende Ziel lautet: unfallfreies Fahren.
Unter anderem mit dem 2008 begonnenen und auf vier Jahre angelegten Projekt „Sichere Intelligente Mobilität – Testfeld Deutschland“ will man ihm näherkommen. Der Verband der Automobilindustrie hat das Vorhaben ins Leben gerufen. Es verbindet die öffentliche Hand in Form verschiedener Bundesministerien sowie der Landesregierung mit wichtigen Automobilherstellern, Zulieferern und Kommunikationsunternehmen in dem Bemühen, in einem Feldversuch Kommunikationssysteme zwischen Autos zu untersuchen. Der Autofahrer soll frühzeitig vor Gefahrenstellen gewarnt werden und alle wichtigen Informationen über Staus, Baustellen und Umleitungen auf seiner Strecke erhalten.
Als Testfeld für den Bundesversuch wurde das Rhein-Main-Gebiet ausgewählt. In Frankfurt-Niederrad etwa kommuniziert die Testflotte von 400 Fahrzeugen mit Ampeln und auf einigen Autobahnen und Bundesstraßen um Frankfurt mit Sendeeinheiten am Straßenrand.
Lobenswertes Projekt.....
Michael Meier (never1)
- 22.04.2010, 13:15 Uhr