09.10.2008 · Nachdem der Historiker Hubertus Knabe Stasi-Vorwürfe gegen Willi von Ooyen erhoben hat, fordert die hessische CDU Aufklärung. Der Fraktionschef der Linkspartei weist die Vorwürfe zurück.
Von Thomas HollDer hessische CDU-Fraktionsvorsitzende Christean Wagner hat den Fraktionsvorsitzenden der Linkspartei, Willi van Ooyen, aufgefordert, sich umgehend zu den in der F.A.Z. erhobenen Vorwürfen des Historikers Hubertus Knabe zu äußern (siehe: Arbeitete mit Honeckers Millionen: Linkspolitiker Willi van Ooyen). Nach Angaben des Direktors der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen habe van Ooyen als Geschäftsführer der von der DDR finanzierten Deutschen Friedensunion den Status eines „Einflussagenten“ der Staatssicherheit gehabt.
Nach Ansicht Knabes hat van Ooyen auch mit seiner in der Zeitung „Die Welt“ im März aufgestellten Behauptung gelogen, er habe die Geldflüsse an die DFU nicht gekannt. Knabe verwies dazu auf ein Interview Ooyens in der Bremer Ausgabe der „Tageszeitung“. Darin hatte Ooyen am 29. November 1989 gesagt: „Durch die Entwicklung in der DDR ist eine entscheidende Finanzquelle überraschend versiegt.“ Noch 1989 erhielt die DFU laut dem Bericht eines Untersuchungsausschusses des Bundestags 3,1 Millionen Mark aus der DDR für ihre 31 Mitarbeiter, darunter auch Ooyen. Nach Ansicht Wagners war Ooyen deshalb ein „tatkräftiger Unterstützer der menschenverachtenden Diktatur in der DDR“.
Ooyen: Nichts gewusst
Ooyen wies den Vorwurf zurück, er habe von der Finanzierung der DFU durch das SED-Regime gewusst. In seiner Tätigkeit als DFU-Geschäftsführer habe er sich nicht um Finanzen, sondern um Friedensarbeit und internationale Politik gekümmert. Er habe in den achtziger Jahren nicht gewusst, dass die DFU von der SED finanziert wurde. Ooyen sagte zu, dass er die bei der Birthler-Behörde angeforderte Auskunft über mögliche Stasi-Kontakte veröffentlichen werde, sobald diese vorliege. Einen Antrag darauf habe er im Juni gestellt. Der stellvertretende SPD-Landesvorsitzende Jürgen Walter sagte der F.A.Z., er gehe davon aus, dass Ooyen umfassend alle in der Birthler-Behörde gefundenen Unterlagen über seine Arbeit bei der DFU offenlege.
Thomas Holl Jahrgang 1960, politischer Korrespondent für Hessen, Rheinland-Pfalz und das Saarland mit Sitz in Wiesbaden.
Jüngste Beiträge