14.09.2008 · In Zeiten steigender Energiepreise spart der am meisten, der die Wärme nicht aus den Mauern lässt. Bei der Sanierung ihrer Eigenheime sind die hessischen Hauseigentümer aber noch immer zurückhaltend.
Von Rainer SchulzeEr klopft nicht auf Holz und haut auch nicht auf den Putz. Matthias Henties pocht mit dem Finger auf Styropor. Der Architekt hat ein Mietshaus, Baujahr 1932, im Frankfurter Nordend in einen warmen Mantel gepackt. Eine weiße Schicht klebt an der Fassade, sie ist 14 Zentimeter dick. Wäre das Mietshaus im Nordend ein Mensch, man würde über seinen neuen Bauchumfang lästern können: „Der hat aber ganz schön zugelegt.“
Wie viel 14 Zentimeter bringen, kann Henties genau bestimmen: „Die Heizkosten gehen um fünf Prozent runter.“ Das ist nicht alles. Im Keller steht neben einem neuen Blockheizkraftwerk, dessen überschüssige Strommenge in die Netze des lokalen Energieversorgers eingespeist wird, ein „intelligenter Kessel“. Die Heizung merkt sich die Gewohnheiten der Verbraucher und läuft nur auf Hochtouren, wenn es wirklich notwendig ist. Wenn Frau Müller regelmäßig um 22.30 Uhr unter die Dusche springt, kann sich die Intelligenzbestie im Keller darauf einstellen und das Wasser kurz zuvor aufwärmen, statt den ganzen Tag lang zu bollern. Die Kellerdecke hat Henties außerdem mit 100 Millimetern Styropor gedämmt. „Das bringt noch einmal acht Prozent Ersparnis.“
Die Mieter sparen 50 bis 60 Prozent an Energie
Zu Mantel und Schuhen fehlt dem Haus nur noch der passende Hut. Damit die neue Garderobe des Mietshauses komplett ist, hat der Architekt auch die oberste Etage ausgepolstert. 25 Zentimeter Zellulosefaser hat er unter das Dach geklemmt. Alle Maßnahmen zusammengerechnet, sparen die Mieter 50 bis 60 Prozent an Energie. Diese Ersparnis gibt es für sie sogar zum Nulltarif, denn die Mieten sollen nicht angehoben werden. Insgesamt hat der Beamtenwohnungsverein 1,6 Millionen Euro in die energetische Sanierung gesteckt. Henties ist sicher, dass sich die Investition lohnt. „Ich muss etwas reinstecken, damit mir die Energie nicht abhaut.“
Trotz der gestiegenen Heizöl- und Gaspreise und des wachsenden Umweltbewusstseins sind die hessischen Hauseigentümer noch immer zurückhaltend bei der Sanierung ihrer Eigenheime. Die „Hessische Energiespar-Aktion“ der Landesregierung geht davon aus, dass nur rund ein bis 1,5 Prozent der Bestandsimmobilien jährlich saniert werden. Besonders für die Mieter von begehrten Altbauten ist das Thema Nebenkosten häufig zweitrangig. Darum halten sich viele Eigentümer bei der energetischen Sanierung ihrer Wohnhäuser noch zurück. Immobilienmakler gehen aber davon aus, dass sich das wegen der teurer werdenden Energieversorgung schon bald ändern wird.
Wer sein Haus warm einpackt, kann die Nebenkosten auf einen Bruchteil drücken. Noch weniger Nebenkosten fallen bei Neubauten an, die energetisch auf dem neuesten Stand sind. Nach Auskunft der Frankfurter Wohnungsbaugesellschaft ABG, die nur noch im „Passivhausstandard“ baut, lässt sich so viel Energie einsparen, dass sich der Aufwand für die Abrechnung kaum noch lohne. Nach Angaben der ABG ist der Energieverbrauch in Passivhäusern bis zu 80 Prozent niedriger als der Verbrauch in Gebäuden, die in gewöhnlicher Bauweise errichtet wurden.
Ein wahrer Dschungel von Förderprogrammen
Wer Nebenkosten sparen möchte, trifft auf einen wahren Dschungel von Förderprogrammen. Dennoch kämpfen sich immer mehr Hauseigentümer durch. Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW), die einen Großteil der energieeffizienten Sanierungen unterstützt, teilt mit, dass durch ihr „CO2-Gebäudesanierungsprogramm“ bis Ende des Jahres eine halbe Milliarde Euro Heizkosten eingespart werden können.
Einen Anreiz zur Modernisierung sollte auch der Energieausweis bieten, der seit dem 1. Juli bei Verkauf oder Vermietung von Altbauten vorgelegt werden muss, die bis 1965 gebaut wurden. Mieter versprachen sich mehr Transparenz hinsichtlich der Nebenkosten, die auf sie zukommen. Doch der Ausweis könnte sich als nutzlos entpuppen, da die Angaben zum Teil ungeprüft im Internet erfasst werden. Sind die Daten falsch, ist der Energieausweis ungültig. Einige unseriöse Anbieter stellen den Ausweis online für zehn Euro aus. Von Januar an ist der Ausweis für Wohngebäude Pflicht, denkmalgeschützte Bauten sind ausgenommen. Vom 1. Juli 2009 an gilt die Vorschrift auch für Gewerbe- und Bürogebäude.
Auch Matthias Henties hat die Erfahrung gemacht, dass viele Eigentümer und Mieter der energetischen Sanierung ihrer Wohngebäude skeptisch gegenüberstehen. „Viele Leute haben Angst vor Schimmel in ihrer Wohnung, weil die Wände besser gedämmt sind. Das ist absoluter Quatsch.“ Für das Mietshaus in Frankfurt hat er einen Psychologiestudenten angestellt, der die Mieter betreut und sie von der Sinnhaftigkeit der Sanierung überzeugt. Henties hält das Umweltbewusstsein auch für eine Generationenfrage. „Leute, die jünger als 40 Jahre sind, sind eher bereit, in Umwelttechnik zu investieren, ohne auf den Preis zu achten.“
Persönlich setzt Henties auf Pellets. Das sind kleine Kügelchen, die meist aus Holz gepresst werden und in speziellen Anlagen verfeuert werden. Sie machen einem richtig warm ums Herz. Vor allem, wenn der Ölpreis wieder steigt.
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wr p (wrp)
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