25.10.2009 · Am Freitag hat ihn das Uni-Klinikum Gießen freigestellt – seit Samstag hat Helge Reinhold Braun eine neue Aufgabe. Der CDU-Mann steht vor der Berufung zum Staatssekretär im Bundesforschungsministerium. In Gießen knüpfen sich daran einige Hoffnungen.
Von Thorsten WinterAm Freitag hat ihn das Uni-Klinikum Gießen freigestellt – seit Samstag hat Helge Reinhold Braun eine neue Aufgabe. Und eine herausgehobene dazu: Der CDU-Mann steht vor der Berufung zum Staatssekretär im Bundesforschungsministerium. Dabei hat sich der 37 Jahre alte Gießener in den eigenen Reihen „nicht besonders gereckt“, bevor die Posten in der Bundesregierung verteilt worden sind. Er habe über seine weitere Verwendung kein bisschen spekuliert, sagt er. Vielleicht ist er gerade deshalb zum Zuge gekommen.
„Am Samstag hat mich unser Landesgruppenchef Michael Meister angerufen und gesagt, wie es ist“, blickt Braun auf die auch für ihn überraschende Botschaft zurück. Zwar hat er im September den Wahlkreis Gießen gewonnen, eine feste Größe in der Bundespolitik ist er aber nicht. Indem er den bisherigen Wahlkreisabgeordneten Rüdiger Veit (SPD) besiegte, gelang ihm vielmehr der Wiedereinzug in den Bundestag.
Karrriereknick augenscheinlich weggesteckt
Vor gut vier Jahren sah seine politische Welt ganz anders aus, hätte sich Braun diesen Karrieresprung kaum träumen lassen. Hatte er doch gegen Veit deutlich verloren und wegen des schlechten CDU-Ergebnisses den Wiedereinzug über die Landesliste verpasst. Zuvor hatte er dem Bundestag knapp drei Jahre lang angehört. Nach der verlorenen Wahl 2005 kehrte er hauptberuflich als Narkosearzt und Intensivmediziner ans Uni-Klinikum Gießen zurück, an dem er in den Jahren zuvor noch stundenweise tätig gewesen war, um den Kontakt zu halten.
Trotz des Karriereknicks blieb Braun politisch am Ball. So ist er Gießener Stadtverordneter, führt die Unionsfraktion im Gießener Kreistag und seit 2007 auch die CDU im Bezirk Mittelhessen. Braun beschäftigte sich nach seinem Bekunden vor allem mit Bildungspolitik und Fragen der medizinischen Forschung, die zu seinem Berufsalltag zählten.
Bildungs- und Forschungsministerin Annette Schavan (CDU) wird jemand an die Seite gestellt, der selbst geforscht hat. Braun arbeitete zudem in seiner ersten Phase als Bundestagsabgeordneter im Ausschuss für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung mit und im Ausschuss für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit.
SPD: Für Region grundsätzlich gut
In seinem neuem Amt will der Gießener darauf achten, dass Forschung auch in Produkte mündet, wie er sagt. „Eine unserer Aufgaben ist es, aufzupassen, dass hier der Konjunkturmotor nicht ins Stottern gerät.“ In diesem Zusammenhang müssen aus seiner Sicht mehr Patente aus den Hochschulen kommen, wobei er die mehrfach prämierte Gießener Technologietransfer-Gesellschaft Trans-Mit als gutes Beispiel für die Verwertung von Patenten aus Hochschulen nennt.
In Gießen knüpfen sich Hoffnungen an Brauns künftige Position: „Dass eine Region, die so stark von Universitäten geprägt ist wie Mittelhessen, in der Bundesregierung vertreten ist, ist grundsätzlich immer gut“, sagt der Gießener SPD-Landtagsabgeordnete Gerhard Merz. „Es wird für uns spannend sein zu beobachten, was er daraus macht.“ Der hessische SPD-Vorsitzende Thorsten Schäfer-Gümbel, der Braun ebenfalls seit Jahren kennt, hat ihm „umgehend persönlich gratuliert“. Er erwartet von dem politischen Aufsteiger, „dass er etwas für die Region tut“.