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Gießener Loewe-Forschungen Antibiotikum aus dem Marienkäfer

17.08.2010 ·  Wie biotechnisch Arzneien aus Käfern gewonnen werden können, wollen Forscher aus Gießen klären. Das Land und BASF unterstützen sie dabei.

Von Thorsten Winter, Gießen
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Honig fleißiger Bienen dient dem Genuss, die von den Raupen des Maulbeerspinners produzierte Seide schmeichelt der Haut - und ein Erzeugnis des asiatischen Marienkäfers könnte einmal Krankheiten heilen helfen. Inwieweit der Mensch von Schmetterlingen, Käfern oder Fliegen profitieren kann und wie sich dies auf die industrielle Produktion von Wirkstoffen für Medizin oder Pflanzenschutz übertragen lässt, wollen Forscher der Universität Gießen mit Kollegen der Fraunhofer-Gesellschaft mit dem Großprojekt Insektenbiotechnologie klären.

Die Wissenschaftler werden vom Land Hessen mit Millionensummen der Landes-Offensive zur Entwicklung wissenschaftlich-ökonomischer Exzellenz, kurz Loewe genannt, unterstützt. Gleiches gilt für ein Großprojekt, bei dem Unfruchtbarkeit beim Mann infolge von Infektionen und Entzündungen als eine Ursache ungewollter Kinderlosigkeit erforscht wird. Zudem arbeitet die Gießener Hochschule in einem weiteren Loewe-Projekt mit der Geohumus International GmbH aus Frankfurt zusammen. Das Unternehmen stellt ein stark wasserspeicherndes, mehrfach preisgekröntes Granulat her, das sich besonders für den Einsatz in Wassermangelgebieten eignet.

„Gelbe Biotechnologie“ als junges Forschungsfeld

Aus Sicht des Gießener Wissenschaftlers Andreas Vilcinskas, der das Insektenbiotechnologie-Projekt leitet, verfügen Insekten aufgrund ihrer vielfältigen Überlebensstrategien über „einen Schatz an bisher unentdeckten Substanzen, den es zum Wohle der Menschen zu heben gilt“. Wie Forschungsarbeiten von Vilcinskas schon ergeben haben, können bestimmte Körperflüssigkeiten des asiatischen Marienkäfers die Zahl von Bakterien in seinem Umfeld stark verringern. Auch den Rattenschwanzlarven, also Vorstufen von Schwebfliegen, wird ein schlagkräftiges Immunsystem zugeschrieben. Leben sie doch als einzige bekannte Tiere in Gülle- und Jauchegruben, wo sie sich von Mikroben ernähren. Vilcinskas spricht mit Blick auf sein junges Forschungsgebiet schon von der „gelben Biotechnologie“. Diese gesellt sich zu der roten, der grünen und der weißen Biotechnologie, die, in dieser Reihenfolge, neue Produkte für Medizin, Landwirtschaft und Industrie hervorbringen.

Nach Angaben der Universität Gießen erfährt die Insektenbiotechnologie nicht nur überregional großen Zuspruch bei Nachwuchsforschern, die sich auf Doktorandenstellen in dem Projekt bewerben, auch die Großchemie zeigt Interesse: So liegt eine Drittmittelzusage von BASF vor, wobei es dem Ludwigshafener Konzern um Eiweißstoffe aus Insekten geht, die sogenannte Biofilme wie etwa Zahnbeläge abbauen, wie es heißt.

Problem ungewollter Kinderlosigkeit

Mit dem Großprojekt zur Unfruchtbarkeit beim Mann infolge von Infektionen und Entzündungen sieht die Universität Gießen ihren Forschungsschwerpunkt Reproduktionsmedizin gestärkt. Das Großprojekt soll helfen, entsprechende Fälle von Unfruchtbarkeit besser erkennen und behandeln zu können, zumal sie ein wesentlicher Faktor bei ungewollter Kinderlosigkeit seien. Dabei handelt es sich wiederum um ein Massenphänomen: In Deutschland bleibt ein Paar unter sechs Paaren kinderlos, wie die Hochschule sagt. „Unfruchtbarkeit stellt ein drängendes Problem der deutschen Gesellschaft dar und ist einer der Gründe für die vorhergesagte Abnahme der Bevölkerung um etwa zehn bis 20 Millionen Menschen bis zum Jahr 2050“, heißt es weiter bei der Universität, die in diesem Fall mit der Universität Marburg, der Fachhochschule Gießen-Friedberg, dem Kinderwunschzentrum Wetzlar und der School of Veterinary Medicine Pennsylvania kooperiert.

Mit der Zusage, beide Projekte in die Loewe-Exzellenzinitiative aufzunehmen, sind insgesamt neun Millionen Euro aus der Landeskasse verbunden. Vor Jahresfrist hatte das Land schon vier Millionen Euro für den Aufbau der Fraunhofer-Projektgruppe „Bioressourcen“ zugesagt, die sich um die Insektenbiologie kümmert.

Langjährige Kooperation mit Geohumus

In der Zusammenarbeit mit Geohumus geht es wiederum um die Frage, wie lange der Abbau des Granulats im Boden dauert. Das Unternehmen kooperiert nicht von ungefähr mit der Universität Gießen, vielmehr begleitet dessen Institut für Landschaftsökologie die Entwicklung des Bodenhilfsstoffs aus Fechenheim schon seit 2006. Die Loewe-Forschungen sollen in die Gesetzgebung einfließen: Von 2014 an wird der Nachweis gefordert, dass Bodenhilfsstoffe in der Erde aufgelöst werden. Nach ersten Erkenntnissen dauert das bei Geohumus vier bis sechs Jahre.

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