24.08.2008 · Eröffnet, geschlossen, neuer Chef, andere Karte: Die Lokalszene ändert sich schnell und stetig. Das Update im August mit Namen und Nachrichten aus der Gastronomie.
Von Jacqueline VogtEröffnet, geschlossen, neuer Chef, andere Karte: Die Lokalszene ändert sich schnell und stetig. Das Update im August mit Namen und Nachrichten aus der Gastronomie.
Seebacher ins Kraftwerk
Aus der Landeshauptstadt in den Taunus zieht Bertl Seebacher. Er war bis Ende 2006 Küchenchef im Restaurant „Tsvai“ in Wiesbaden (unlängst geschlossen) und hatte später im Hotel Bären, ebenfalls in Wiesbaden, das Amadé betrieben mit österreichisch-internationaler Bistroküche. Von September an kocht er im Kraftwerk in Oberursel, wo bisher ein etwas unentschiedenes italienisches Konzept gepflegt wurde. Seebachers Lokal wird „Amadé im Kraftwerk“ heißen, wieder auf der Karte stehen dort der Wiener Backhendl-Salat und „Ösi Surf & Turf“: Zander auf Ragout von Ochsenbäckchen mit Stampfkartoffeln. (Zimmersmühlenweg 2, Telefon: 0 61 71/92 99 82; www.kraftwerke-taunus.de)
Medler pachtet „Hessler“
Nur zu kochen ist vielen Köchen nicht genug, auch Küchenchef Markus Medler aus dem Hessler in Maintal nicht: Er hat das Lokal, in dem er seit zwei Jahren angestellt ist, mitsamt dem zugehörigen Sechszimmerhotel von Besitzer Ludwig Hessler gepachtet, für fünf Jahre zunächst. Küchenbrigade und Servicemannschaft hat er übernommen, insgesamt arbeiten zwölf Personen im Hessler. Markus Medler ist der zweite Küchenchef in Maintal, seitdem 2004 Doris Katharina Hessler starb. Der Guide Michelin hatte ihr 1979 als erster Frau in Deutschland einen Stern verliehen, das Lokal hält ihn ununterbrochen bis heute. (Am Bootshafen 4 in Maintal, 0 61 81/ 4 20 30; www.hesslers.de)
Genussmesse in Frankfurt
Eine kulinarische Messe für Endverbraucher findet am 11. und 12. Oktober von 12 bis 22 Uhr und von 10 bis 19 Uhr im Bockenheimer Depot in Frankfurt statt, die „kulinart“. Unter den Ausstellern sind Produzenten und Händler, wer genau, steht unter der Internetadresse www.kulinart-messe.de
Mayer geht, Köhler kommt
Der Alte ist der Neue im Hessischen Hof in Frankfurt und im Schlosshotel Kronberg. Als Gerhard Köhler sich 2004 in den Ruhestand verabschiedete, haben das viele seiner Mitarbeiter bedauert und viele Gäste, die den immer freundlich und leise auftretenden Mann für seine großzügige Art des Gastgebens geschätzt haben. Sein Nachfolger Horst Mayer ist im Juli aus seinem Job ausgeschieden; die offizielle Lesart dafür heißt „auf eigenen Wunsch“, die inoffizielle handelt von Differenzen mit dem Haus Hessen, dem die beiden Luxushotels gehören. Wie auch immer, der inzwischen 70 Jahre alte Gerhard Köhler führt jetzt die Geschäfte, bis der Nachfolger seines Nachfolgers gefunden ist. Interessant vielleicht für jene, die öfters das Schlosshotel Kronberg besuchen: Dort ist Küchenchef Marco Kaschke von Bord gegangen, ein Souschef aus dem Frankfurter Betrieb hat vorerst übernommen.
Allendorf lobt Preis aus
Einen Wein-Karikaturpreis lobt der Oestrich-Winkeler Winzer Ulrich Allendorf (Weingut Fritz Allendorf) aus. Zeichner können sich von sofort an bewerben mit Arbeiten, die das Thema Weingenuss beziehungsweise Wein und Genuss haben. Dotiert ist der Preis mit 99 Flaschen Wein, außerdem wird Allendorf eine Vernissage veranstalten. Wer mitmachen möchte: Einsendeschluss ist der 31. Dezember 2008. Teilnehmen können auch Zeichner aus Österreich, der Schweiz und aus Südtirol. Einsendungen an Weingut Fritz Allendorf, Kirchstraße 69 in 65375 Oestrich-Winkel.
Franz Keller feiert
Glückliche Schweine und Charolais-Rinder züchtet der Hattenheimer Koch Franz Keller (Adlerwirtschaft, Hattenheim) auf dem Falkenhof in Dickschied, den er 2007 gekauft hat. Dorthin lädt Keller für den 31. August zu einem Sommerfest ein. Dessen Besucher können sehen, woher das Fleisch in der Adlerwirtschaft stammt und ausnahmsweise auf dem Hof essen, denn die Köche aus Hattenheim werden an diesem Tag dort arbeiten. Unter anderem wird eine 18 Stunden lang gegarte Rinderkeule aufgeschnitten werden, es gibt Bratwürste aus eigener Produktion, Steinofenbrot und Grüne Soße und einiges mehr. Wer mitfeiern und mitessen möchte, wird gebeten, sich in der Adlerwirtschaft anzumelden, zum Beispiel per Fax unter 0 67 23/8 78 67. Weitere Informationen zu der Veranstaltung auch unter www.franzkeller.de
Mongolisches Restaurant
Auf Namen soll man ja nicht allzu viel geben. Dennoch ist dieser gewöhnungsbedürftig, vielleicht betont man ihn am besten leicht schleppend, oder englisch: Mongo’S heißt ein neues Restaurant im Frankfurter Ostend. Sein kulinarisches Programm ist der fleisch- und milchproduktelastigen mongolischen Küche mit ihren einfachen Zubereitungsarten entlehnt. Was sie essen wollen, suchen sich die Gäste aus einer Reihe von Rohwaren aus, gegart wird dann à la minute auf einer großen Grillplatte. Neunmal gibt es diese Lokale schon in Deutschland, schön an ihnen ist die Einrichtung im schick aufgemachten Ethnophantasiestil. Wer es sehen und ausprobieren möchte: Hanauer Landstraße 291, 0 69/24 24 06 50. www.mongos.de
Nykke & Kokki am Flughafen
Noch ein Gastronomieunternehmen aus dem Frankfurter Raum, das es zum Geldverdienen an den Flughafen zieht: 2009 will auch das Cateringunternehmen Nykke & Kokki dort vertreten sein, mit einer Lounge im Terminal 1, in der kleine Biogerichte angeboten werden sollen. Das Unternehmen Nykke & Kokki hat seinen Firmensitz und seine Produktionsküche in Mörfelden-Walldorf, in Frankfurt betreibt die Firma unter anderem das Café im Kunstverein und das Lokal im Mercedes-Benz-Spot am Kaiserplatz (beides empfehlenswert, unser Favorit ist dennoch der Kunstverein), außerdem das Bistro im neuen 25-hours-Hotel im Bahnhofsviertel.
Biergarten in Hanau
Über den Siegeszug des Weißbieres außerhalb Bayerns hat schon so mancher Apfelweinkelterer geklagt, oder besser: sich ein ähnlich starkes Werbevolumen gewünscht wie es die Großen unter den Brauereien haben. Hefeweizen und Radler in einem Biergarten nach Münchner Art gibt es jetzt auch in Hanau, im Congresspark am Altstadtrand. Dort hat Christian Holle das „Holle’s“ eröffnet und im Schlossgarten den „Paulaner Biergarten“ mit bayerischem Programm. Holle ist zwar Bayer, betreibt aber in Frankfurt das „Hannibal“ an der Berger Straße und das „Emma’s“ unmittelbar am Zoo, und vielleicht deshalb gibt es bei ihm auch Apfelwein, die Manufakturprodukte des Maintalers Jörg Stier. (Schlossplatz 1, Biergarten täglich von 16 Uhr an, sonntags und feiertags von 12 Uhr an geöffnet)
Horberth in Köln
Abgang aus dem Restaurant Villa Merton im Frankfurter Union-Club. Der Einsternekoch Hans Horberth, bekannt für eine kraftstrotzend-vitale, dabei niemals derbe Art zu arbeiten, ist jetzt Küchenchef im La Vision in Köln, sein Chefpatissier ist zu Alfred Friedrich ins Restaurant Zarges an der Fressgass’ gewechselt. Für Horberth nachgerückt ist in der Villa Merton sein Souschef Matthias Schmidt (Am Leonhardsbrunnen 8, Telefon 0 69/70 30 33).
Wurst in der Rhön
Es geht um die Wurst, im direkten Sinne des Wortes. Eine Verkostungs- und Verkaufsveranstaltung für handwerklich und traditionell erzeugte Würste und Wurstwaren richtet der Ort Ostheim in der Rhön am 11. und 12. Oktober aus. 50 Betriebe aus der Rhön sowie aus den Gastregionen Pfälzerwald-Nordvogesen und Calvados bieten ihre Waren feil, neben Metzgern werden auch Winzer, Bäcker, Brauer und Brenner dabei sein. Im Feuerwehrhaus des Ortes finden moderierte Verkostungen statt, zahlreiche Lokale stimmen ihr Angebot auf den Wurstmarkt ab. Weitere Angaben zu der Veranstaltung bei der Touristinformation Ostheim unter der Rufnummer 0 97 77/18 50; im Internet unter www.rhoener-wurstmarkt.de
Stille in der Pfalz
Hornbach in der Südpfalz ist ein schönes und vom Rhein-Main-Gebiet nicht allzu weit entferntes Ausflugsziel, ein schönes Hotel dort ist das „Kloster Hornbach“. Seine Besitzerin hat vor kurzem renoviert und bietet Übernachtungsmöglichkeiten in der sogenannten Klosterzelle und der Pilgerzelle an, zwei Räume in einem Gebäude abseits des Haupthauses. Es sind mit hochwertigen Materialien schlicht eingerichtete Einzelzimmer, die an die Vergangenheit des ehemaligen Benediktinerklosters Hornbach erinnern: Ohne Fernseher, ohne Telefon und ohne Internetanschluss. Oft, sagt Christiane Lösch, die Besitzerin des 34-Zimmer-Hauses, sagten Gäste ihr, dass sie „die kontemplative Atmosphäre“ hinter den Klostermauern schätzten; so sei sie auf die Idee gekommen, die beiden Edelzellen einzurichten (www.kloster-hornbach.de).
Öl im Netz
Ihren Internetshop eröffnet hat die Olivenölhändlerin Ingrid Finger. In ihrem Hinterhofladen in Frankfurt-Sachsenhausen führt sie ein beeindruckendes Sortiment handverlesener Edelöle, jetzt kann man sie auch online kaufen, unter www.oeldorado.de
. . . und außerdem . . .
. . . entsteht in Limburg ein Club in einer ehemaligen Steingutfabrik; hat in Frankfurt vor einigen Wochen die weit und breit erste und einzige Tee-Lounge, das Teelirium, geschlossen; hat, ebenfalls in Frankfurt, ein gutbürgerliches Lokal an der Schweizer Straße eröffnet, das Veritas; hat der Hotelier Micky Rosen das geschlossene Café Liliput in der Frankfurter Steinwegpassage übernommen und wird es neu eröffnen; hat das vor wenigen Monaten wiedereröffnete Harvey’s am Friedberger Platz mit Joaquin Badia Tardio jetzt einen richtig guten Koch und ist das Gasthaus zum Löwen in Frankfurt-Alt-Sossenheim dieser Tage 170 Jahre alt geworden, und das ist ja auch etwas.
Jacqueline Vogt Jahrgang 1962, Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung, verantwortlich für den Rhein-Main-Teil der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
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