05.08.2008 · Der Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst ist erst seit gut sechs Monaten im Amt. Doch macht er ernst mit seinen Ankündigungen, das katholische Profil zu schärfen. So ist er gegen gemischten Religionsunterricht mit Protestanten.
Von Stefan ToepferMatthias Werner weiß viel, aber nicht alles. Zum Beispiel weiß der Leiter des Amtes für katholische Religionspädagogik in Frankfurt nicht genau, wie viele Frankfurter Grundschulen Katholiken und Protestanten gemeinsam in Religion unterrichten. Bis zu 20 Schulen tun dies, wie es den Vorschriften entspricht, mit der Genehmigung seines Amtes. Mal gibt es zu wenige Katholiken, mal fehlen Lehrer. „Nimmt man jene Schulen hinzu, die das ohne Genehmigung tun, liegt die Zahl deutlich höher.“
Die Dunkelziffer wird auch seinem Dienstherrn nicht gefallen, Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst. Er ist gegen einen gemischten Unterricht. Zur Einschulung hat er allen Eltern katholischer Erstklässler geschrieben und fordert sie auf, sich zu engagieren, wenn Religionsunterricht auszufallen droht. Kinder hätten ein Recht auf Religion und auf Religionsunterricht vom ersten Schuljahr an, jedes in seiner Konfession.
Es ist nicht das erste Mal, dass sich ein Limburger Bischof an die Eltern von Schulanfängern wendet. Doch Tebartz-van Elst, seit Januar im Amt, hat in seinem ersten Brief dieser Art seine Handschrift hinterlassen. In diesen Schreiben stehen auch Fragen, die Kinder zur Religion stellen (etwa solche zum Leben nach dem Tod). Der neue Bischof hat sie neu formuliert und konfrontiert nun die Eltern mit dem Kirchgang und dem Gebet, letztlich also mit der Frage nach ihrer eigenen religiösen Praxis, und Ostern als dem wichtigsten christlichen Fest. An einer anderen Stelle erinnert er die Eltern deutlicher als bisher an ihre Entscheidung für die katholische Taufe ihres Kindes und nimmt so ihre Rolle als Erzieher ernster.
Konfessionelle Selbstvergewisserung
Der Brief ist ein Beispiel dafür, wie der Bischof das Profil seiner Kirche schärfen will. Wie unlängst auch gegenüber dem Kirchenpräsidenten der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, Peter Steinacker. Zwar marschierte Franz Kamphaus, der Vorgänger Tebartz-van Elsts, nicht gerade an der Spitze der ökumenischen Bewegung, dennoch stand er - so empfinden es Protestanten jedenfalls - für ein offeneres Miteinander. Nicht umsonst hängt in Steinackers Arbeitszimmer ein Foto von Kamphaus. Solche Signale kann auch Tebartz-van Elst durchaus setzen: So sprach er bei einem Treffen mit Vertretern orthodoxer Kirchen im Juni von der christlichen Taufe als „Quelle der Einheit“. In der katholisch-evangelischen Ökumene redet er aber lieber von konfessioneller Selbstvergewisserung (wie es umgekehrt auch die evangelische Kirche stärker als früher tut).
Überraschend ist das alles nicht. Schon am Tag seiner Ernennung machte Tebartz-van Elst klar, wie er denkt. Gegenüber dieser Zeitung nannte er es „eine Priorität, die Identität derer zu stärken, die schon glauben, damit sie auch über ihren Glauben sprechen können“. In der Ökumene wolle er „die Unterschiede genauso betonen wie die Gemeinsamkeiten“.
Der Bischof soll neue Sicherheit bringen
Die sieben Geistlichen im Domkapitel werden gewusst haben, warum sie gerade ihn gewählt haben, den Identitätsstifter. In einer Zeit, in der auch im Bistum Limburg die Zahl der Katholiken schrumpft, Strukturen brüchig werden und Gewissheiten schwinden, soll er neue Sicherheit bringen. Doch der Umbruch ist tief, auch in den einst streng katholischen Gebieten seiner Diözese. Tebartz-van Elst weiß, dass angesichts zurückgehender Mitgliederzahlen und des immer größer werdenden Priestermangels an größeren Pfarreien kein Weg vorbeiführt. Er wird die mühsame Diskussion über Seelsorge-Strukturen fortsetzen müssen.
Daneben und grundlegender setzt er innerkirchlich aber auf eine dreifache Profilierung und lässt auch hier den ersten Äußerungen nach seiner Ernennung Taten folgen: So strich er in seinem Hirtenbrief zu Pfingsten deutlich das „sakramentale Wesen“ der Kirche heraus, vor allem die Bedeutung der Eucharistiefeier, der Messe, als Begegnung mit Christus. Die Kirche braucht seiner Meinung nach also erstens ein stärkeres theologisch-spirituelles Profil mit der Liturgie als einem zentralen Element - eine klare katholische Identität eben.
Er spricht vom „Mut zur Lücke“
Zudem forciert der Bischof die Bereitschaft, in der Seelsorge Prioritäten zu setzen, spricht vom „Mut zur Lücke“ und von neuen „Pilotprojekten“. Seine Kirche soll, zweitens, missionarischer werden. Dazu gehört für ihn auch das karitative Engagement. „Das ist der Anfang aller Mission: Unser Glaube will in der gelebten Liebe wirksam werden“, sagte er bei seiner Amtseinführung im Limburger Dom. So setzt er etwa die Zusammenarbeit mit dem von Kamphaus gegründeten „sozialpolitischen Arbeitskreis“ fort. Im Herbst soll es ein sozialpolitisches Positionspapier geben. Die Arbeit daran dauert länger als geplant, denn der Bischof möchte, dass möglichst konkret auf Herausforderungen in den unterschiedlichen Gegenden des Bistums eingegangen wird.
Drittens tritt er für eine deutlichere Konturierung der verschiedenen kirchlichen Berufe ein. „Es darf nicht zu einer Gleichmacherei kommen“, sagte er schon am Tag seiner Ernennung. Was das heißt, haben vor kurzem Gemeinde- und Pastoralreferenten erfahren, die nicht mehr, wie die Priester, „Seelsorger“ genannt werden sollen.
Der Bischof erhofft sich von dieser Berufsprofilierung nicht zuletzt, das Priesteramt wieder attraktiver machen zu können. Ob es ihm gelingt? Schon Kamphaus war mit seinem Einsatz für mehr Priester, den er vor allem zu Beginn seiner Amtszeit gezeigt hatte, letztlich gescheitert. Auch charismatische Kirchenführer - und das sind beide auf eine unterschiedliche Art und Weise - haben ihre Grenzen.
Mut zur Rückständigkeit...
Tobias Mecke (tMecke)
- 05.08.2008, 15:28 Uhr