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Fitness-Club für Kinder „Das ist keine Mucki-Bude“

07.09.2010 ·  In Büttelborn gibt es einen Fitness-Club für Kinder. Das Trainieren soll nicht nur Haltungsschäden vorbeugen, es soll auch Aggressionen abbauen und bei Problemen in der Schule helfen.

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Eine Sirene und der Ruf „Wechseln“ von Trainer Timo Lambert – schon gehen die Kinder zur nächsten Übung. Die bunten Sportgeräte haben Namen, und sie sind kleiner als die für Erwachsene und speziell auf Grundschüler zugeschnitten. Mit „Caesar“, „Leonard“ und „Oscar“ werden die Muskeln an Armen und Beinen, Brust und Rücken trainiert. Im Kinder-Fitness-Club des Vereins „Cool Kids“ im südhessischen Büttelborn sind strotzende Kraftpakete allerdings nicht das Ziel.

Stattdessen geht es darum, Frustrationen abzubauen und besser miteinander klarzukommen. „Vertragen statt schlagen“ hat sich der 2008 gegründete Verein als Motto gewählt. „Das ist keine Mucki-Bude“, sagt der 29 Jahre alte Trainer Lambert. „Die Kinder können selbst entscheiden, wann sie Pause machen.“ Der Verein ist überzeugt davon, dass solche sportlichen Übungen auch bei Schulproblemen helfen können – was Noten und soziales Verhalten angeht. Lambert zeigt auf Bemerkungen in Zeugnissen seines Bruders: Früher wurde Kevin als „unausgeglichen“ und „streitsüchtig“ beschrieben. Nach regelmäßigen Fitness-Übungen besserten sich die Beurteilungen zusehends.

Verlernt, sich zu bewegen

Bewegungsmangel sei ein Zeichen unserer Zeit. Schon Kinder säßen viel zu viel – in der Schule, vor dem Computer, vor dem Fernseher. Untersuchungen stellten bei Grundschülern immer wieder Haltungsschäden fest. Die Muskeln der Wirbelsäule seien zu schwach, viele Rücken krumm. Hinzu komme Übergewicht. „Jedes fünfte Kind ist zu dick“, erklärt die 30 Jahre alte Vereinsvorsitzende Ester Binder.

Ein wichtiger Ausgleich, Spielen und Toben in frischer Luft, falle häufig weg. „Kinder, egal wo auf der Welt, verlernen immer mehr, sich richtig zu bewegen“, sagt Lambert. „Wir sind noch Bäume hochgeklettert. Heute kann man Kinder kaum unbeaufsichtigt draußen spielen lassen.“ Jan Fuchs mag vor allem das Laufband, die erste Station des aus sechs Geräten bestehenden Parcours. „Da werden alle Muskeln trainiert“, sagt der Elfjährige. Auch die sechs Jahre alte Jessica Weiß kommt zweimal die Woche eine Stunde zum Trainieren.

Es muss den Kindern Spaß machen

Die Trimm-dich-Geräte sind nicht nur auf Größe und Kraft von Kindern zugeschnitten. Es gibt noch eine weitere Besonderheit: Macht ein Kind einen Fehler, ein Hohlkreuz etwa, ertönt ein Warnsignal. „Bei uns ist nicht nur der Trainer mit dabei“, erklärt Binder. „Das Kind erkennt auch selbst, wie es richtig trainieren muss.“ Die Kinder zahlen im Monat fünf Euro Vereinsmitgliedsbeitrag plus 15 Euro für die Studionutzung. Dafür dürfen sie zweimal die Woche je eine Stunde trainieren. Etwa 20 Vereinsmitglieder gibt es bislang.

Die Kleinen gehen nicht nur an die Geräte, sondern trainieren auch auf der aus dem Schulsport bekannten dicken Matte. Lambert muss die Kinder immer wieder daran erinnern, das Kinn auch richtig an die Brust zu nehmen, damit der Purzelbaum, den viele erst noch lernen müssen, nicht danebengeht. Derweil stehen andere vor der Torwand oder rudern auf einem niedrigen Schwebebalken mit den Armen, um die Balance zu halten.

Diese Gleichgewichtsübung wird gleich zweimal gemacht, einmal davon mit geschlossenen Augen. „Du musst mit den Füßen fühlen, wie du stehst und wie du ausgleichen musst“, erklärt Lambert, während er einem seiner Schützlinge Hilfestellung gibt. Das alles macht den Kindern sichtlich Spaß. „Das muss es auch“, sagt der Trainer. „Sonst ziehen sie sich wieder an die Play-Station zurück.“ Am Ende der Trainingsstunde kommen die Kinder zur Abschlussrunde zusammen. Jeder kommt zu Wort. „Es war anstrengend“, meint Jan. Die meisten stimmen zu. Wiederkommen wollen alle.

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