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Hymne für Hessen : Duftige Wälder

Hessens Wälder und Weiden: „Ich kenne ein Land, so reich und so schön, voll goldener Ähren und Felder.“ Bild: Frank Röth

Auch unser Bundesland soll endlich eine offizielle Hymne bekommen. Das jedenfalls wünscht sich die FDP.

          In einer optimalen Welt gibt es so viele Hymnen wie möglich. Denn ach, so Vieles will besungen werden. Schöne Frauen natürlich, die Liebe, das Glück, das Leben und zur Not sogar ein Bundesland. Ähnlich hat vielleicht auch der FDP-Landtagsabgeordnete Jörg-Uwe Hahn gedacht. In der „Frankfurter Rundschau“ tat er nun kund, er wolle folgenden Satz in die Landesverfassung aufgenommen sehen: „Das Land Hessen gibt sich eine Hymne. Das Nähere wird durch Gesetz geregelt.“ Gerade in Zeiten des Umbruchs seien Symbole wichtig, meint Hahn. Und zur Identität eines Landes „gehören nun einmal eine Fahne und eine Hymne“.

          Tobias Rösmann

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Nun ist es nicht so, dass Hessen keine Hymne hätte. Gemeint ist nicht das außerhalb unseres Bundeslands mit Verwunderung aufgenommene „Erbarme, die Hesse komme“ der regionalen Musikkapelle Rodgau Monotones. Vielmehr gibt es seit mehr als 100 Jahren ein feingeistiges Stück mit dem Titel „Ich kenne ein Land“, Text: Carl Preser, Melodie: Albrecht Brede. Es beginnt mit den lyrischen Zeilen: „Ich kenne ein Land, so reich und so schön, voll goldener Ähren und Felder. Dort grünen vom Tal bis zu sonnigen Höhn viel dunkele, duftige Wälder“. Wohlklingend mündet es in den Refrain: „Ich grüß’ dich, du Heimat, du herrliches Land. Herz Deutschlands, mein blühendes Hessenland.“ Leider ist das Lied zwar eine Hymne, aber eben keine offizielle.

          Bayern und Niedersachsen kennen ihr Liedgut

          Ähnlich ist die Lage in Niedersachsen. Das „Niedersachsenlied“, das auch „Das Lied der Niedersachsen“ genannt wird, ist auch lediglich inoffiziell staatliches Liedgut. Anders als der gemeine Hesse kennt der gemeine Niedersachse aber immerhin den Refrain des zünftigen Titels, der da lautet: „Wir sind die Niedersachsen, sturmfest und erdverwachsen, Heil Herzog Widukinds Stamm! Wir sind die Niedersachsen, sturmfest und erdverwachsen, Heil Herzog Widukinds Stamm!“ Noch weiter sind wie immer die Bayern. Dort ist die Bayernhymne seit den sechziger Jahren das offizielle Lied des Freistaats; zu festlichen Anlässen wird es dargeboten. Es hebt an mit den Zeilen: „Gott mit dir, du Land der Bayern, deutsche Erde, Vaterland! Über deinen weiten Gauen ruhe Seine Segenshand!“

          FDP-Politiker Hahn scheint sich für die Kür der künftig in der Verfassung zu verwurzelnden hessischen Offizialmelodie am Schweizer Vorbild zu orientieren. Im Land der Eidgenossen hatte vor gut vier Jahren eine gemeinnützige Organisation dazu aufgerufen, den angeblich sperrigen und in die Jahre gekommenen Text des Schweizerpsalms („Trittst im Morgenrot daher, seh’ ich dich im Strahlenmeer, Dich, du Hocherhabener, Herrlicher! Wenn der Alpenfirn sich rötet, betet, freie Schweizer, betet!“) zu ersetzen; die Melodie sollte beibehalten werden. Es gab dann auch mehr als 200Vorschläge, aus denen eine Jury sechs auswählte. Doch seitdem ist nichts geschehen. Damit das in Hessen nicht auch passiert, müssen alle zusammen arbeiten. Keine Option allerdings ist ein Lied, das sich im Internet als „FDP-Wahlsong“ zur Bundestagswahl 2009 findet. Der Refrain „Ohohoh Schwarz-Gelb“ passt überhaupt nicht zur hessischen Fahne.

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