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„Familienfreundlichkeit ist ein Standortvorteil“ IHK lobt Ausbau der Kinderbetreuung

15.08.2009 ·  Die Städte und Gemeinden im Hochtaunus- wie auch im Main-Taunus-Kreis haben ebenso wie die Stadt Frankfurt ihr Betreuungsangebot für Kleinkinder in den vergangenen Jahren deutlich verbessert. Das geht aus dem Familien- und Demografieatlas 2009 hervor.

Von Philipp Elsbrock
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Die Städte und Gemeinden im Hochtaunus- wie auch im Main-Taunus-Kreis haben ebenso wie die Stadt Frankfurt ihr Betreuungsangebot für Kleinkinder in den vergangenen Jahren deutlich verbessert. Das geht aus dem Familien- und Demografieatlas 2009 hervor, den die Frankfurter Industrie- und Handelskammer gestern vorgelegt hat. Danach steht im Durchschnitt für jedes fünfte Kind unter drei Jahren ein Platz entweder in einer Kindertagesstätte oder bei einer Tagesmutter zur Verfügung – allerdings bei deutlichen Unterschieden von Ort zu Ort. Während die Versorgungsquote in Eschborn bei 47 Prozent liegt, bleibt sie in Schmitten mit acht Prozent weit hinter dem Durchschnittswert von 21 Prozent zurück. Frankfurt trifft diesen Wert mit 20 Prozent hingegen fast genau, wie die Tabelle zeigt.

„Familienfreundlichkeit wird als Standortvorteil immer wichtiger“, sagte gestern Karen Hoyndorf, eine der Vizepräsidentinnen der Kammer. Sie lobte die Kommunalverwaltungen in der Region. Mit 21 Prozent sei die Versorgungsquote in Frankfurt und im Taunus überdurchschnittlich; im übrigen Hessen gebe es lediglich für 14 Prozent der Kinder unter drei Jahren einen Betreuungsplatz. Dennoch seien weitere Anstrengungen nötig. „Eine Bedarfsdeckung ist noch lange nicht erreicht.“ Hoyndorf erinnerte an die Vorgabe der Bundesregierung, wonach es bis 2013 für jedes dritte Kind unter drei Jahren am Wohnort einen Betreuungsplatz geben soll.

Die Herausforderungen sind von Ort zu Ort unterschiedlich

Zuletzt hatte die IHK vor drei Jahren eine solche Studie veröffentlicht, die auf Daten von 2003 basierte. Damals waren 2167 Krippenplätze vorhanden. Diesmal wurden aus den 25 Orten 5360 Betreuungsplätze gemeldet. Hinzu kommen 1445 Plätze bei Tagesmüttern und -vätern. Die Studie stützt sich auf Erhebungen des Statistischen Landesamtes; Stichtag war der 1. Januar dieses Jahres. In Frankfurt wurde gestern darauf verwiesen, dass die Investitionen in neue Betreuungseinrichtungen weitergehen. Allein in diesem Jahr sollen nach Angaben der Stadt mit rund vier Millionen Euro 900 Plätze geschaffen werden.

Allerdings sind die Herausforderungen von Ort zu Ort unterschiedlich. So ist das Bevölkerungswachstum in den vergangenen Jahren in manchen Orten besonders groß ausgefallen, wie die Grafik zeigt – auch hier lag Eschborn mit einem Plus von 5,8 Prozent vorn. Manche Orte hingegen hatten sogar einen Bevölkerungsverlust zu beklagen. Weilrod war mit einem Rückgang von 3,2 Prozent besonders betroffen, obwohl die Stadt nach Angaben der Studie günstigen Wohnraum und ein vielfältiges Angebot für junge Familien bietet. Außerdem ist der Anteil der jungen Leute an der Bevölkerung verschieden, wobei hier allerdings die Spannweite nicht so groß ausfällt.

Frankfurt wird auch in Zukunft wachsen

Wichtig für die Nachfrage nach Kinderbetreuungsplätzen ist allerdings auch die Frage, wie viele Frauen im Alter zwischen 15 und 65 Jahren berufstätig sind. Sie liegt nahezu im gesamten Taunus wie auch in Frankfurt über dem hessischen Durchschnitt von 45 Prozent. Der Spitzenwert wird der Studie zufolge mit 56 Prozent in Sulzbach erreicht, gefolgt von Eschborn mit 53 Prozent. Mit 48 Prozent liegt auch Bad Homburg kaum darunter; in Frankfurt gehen 46 Prozent der erwähnten Altersgruppe einer Berufstätigkeit nach.

Die Effekte des demografischen Wandels sind nach den Ergebnissen der Studie für die untersuchte Region weniger dramatisch als anderswo. Im Hochtaunuskreis werde die Bevölkerungszahl bis 2050 voraussichtlich um 12.500 sinken, sagte Hoyndorf. Frankfurt könne hingegen mit einem Zuwachs von 14.000 Einwohnern rechnen – durch Zuwanderer. Für den Main-Taunus-Kreis sei eine Stagnation zu erwarten. Alle Regionen haben nach Auskunft der Kammer gemein, dass der Anteil der Erwerbstätigen zurückgeht.

„Je weniger eine Kommune verschuldet ist, desto mehr Möglichkeiten hat sie“

Hubertus Hille, IHK-Geschäftsführer für Wirtschaftspolitik und Metropolenentwicklung, warnte davor, die Kommunen zu vergleichen. Im Gegensatz zur Studie vor drei Jahren habe man diesmal auf ein Ranking verzichtet – „die Städte sind zu unterschiedlich“. Ein Wettbewerb unter den Kommunen sei dennoch ratsam. „Sich als interessante Gemeinde zu positionieren sollte als dringende Investition in die Zukunft gesehen werden.“ Menschen im erwerbsfähigem Alter anzuziehen werde mit dem demografischen Wandel immer wichtiger.

Nicht nur die Unternehmen, auch die Kommunen gäben sich dabei Mühe. „Je weniger eine Kommune verschuldet ist, desto mehr Möglichkeiten hat sie“, sagte Hille. Barrierefreie S-Bahn-Zugänge oder neue Kindertagesstätten seien notwendig. Zugleich seien auch die Unternehmen in der Pflicht. Sie könnten Mitarbeitern über flexible Arbeitszeiten oder Unterstützung bei der Kinderbetreuung während der Arbeitszeiten helfen, sagte Hoyndorf. Wie wichtig eine familienorientierte Unternehmenspolitik sei, habe sie oft bei Gesprächen mit Bewerbern erfahren. Hoyndorf ist in führender Position bei der Unternehmensberatung Accenture in Kronberg tätig. Schon während des ersten Gesprächs fragten Bewerber, wie Familie und Beruf zu vereinbaren seien. „Wenn Sie darauf nicht überzeugend antworten, kommen die Fachkräfte nicht.“

Der Familien- und Demografieatlas 2009 der Industrie- und Handelskammer Frankfurt findet sich unter der Adresse http://www.frankfurt-main.ihk.de/standortpolitik/arbeitsmarkt/familien_demografieatlas/ im Internet.

Quelle: F.A.Z.
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