04.06.2008 · Die Studiengebühren werden abgeschafft, und kaum ein Student weiß es: So ist es am Dienstag an der Frankfurter Universität gewesen. Die meisten finden dessen ungeachtet die Abschaffung des 500-Euro-Semesterbeitrag durch die linke Mehrheit im hessischen Landtag gut.
Von Alexander ArmbrusterDie Studiengebühren werden abgeschafft, und kaum ein Student weiß es: So ist es am Dienstag an der Frankfurter Universität gewesen. Dass die Landtagsmehrheit von SPD, Grünen und Linkspartei beschlossen hat, den 500-Euro-Obolus künftig nicht mehr zu erheben, erfahren viele Studenten erst durch die Frage, was sie denn davon hielten. Dann allerdings finden es die meisten gut.
„Das war viel Geld, das nicht jeder bezahlen kann“, sagt Dilek Aydogdu, die im dritten Semester Wirtschaftswissenschaften studiert. Das soziale Argument führt Volkswirtschaftsstudent Manuel Pomorski an. „Wir werden sowieso immer mehr zu einer Zwei-Klassen-Gesellschaft, das sollte nicht noch durch Studiengebühren befördert werden.“
„Wenn hier mehr ankommen würde...“
Dass die meisten Studenten gegen die Beiträge seien, hat für ihn aber noch einen weiteren Grund. Von den Verbesserungen, die mit den Einnahmen bezahlt werden sollten, sei nur wenig zu merken: „Wenn hier mehr ankommen würde, dann wäre die Akzeptanz sicherlich größer gewesen.“ Ähnlich sieht es Wirtschaftsstudent Andreas Schmunk: „Solange die Hörsäle so klein sind, dass wir stehen müssen, sehe ich nicht ein, dafür zu zahlen.“
Vincent Master, der Theater-, Film- und Medienwissenschaften studiert und außerdem das Studentencafé Koz leitet, findet dagegen, dass es schon gereicht hätte, wenn über die Verwendung des Geldes besser aufgeklärt worden wäre. Mit der finanziellen Belastung hätten sich die meisten nämlich abgefunden. „Die breite Masse grummelt zwar, hat aber gezahlt.“
Gerechtigkeitsgründe
In einigen Fällen haben die Studenten aber auch nach eigener Wahrnehmung von den Gebühren profitiert. „An unserem Fachbereich sind die Exkursionen unterstützt worden“, sagt etwa Sonja Werner, die im Hauptfach klassische Archäologie studiert. Jurastudent Sander Runkel berichtet vom Kauf neuer Lehrbücher, die jetzt alle in der Fachbereichsbibliothek stünden – mit dem Hinweis, sie seien mit den Studiengebühren bezahlt worden.
Nora Hitscherich, die Englisch und Französisch auf Lehramt studiert, findet die Gebühren-Abschaffung aus Gerechtigkeitsgründen gut. „Das Erststudium sollte generell nichts kosten.“ Und die Sprecherin der Fachschaft Wirtschaftswissenschaften, Viola Glotz, lässt auch das Argument nicht gelten, mit den Beiträgen würden Studenten dazu gebracht, schneller abzuschließen. „Nach der neuen Prüfungsordnung muss man das Studium in einer bestimmten Zeit schaffen, sonst fliegt man sowieso von der Uni.“