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Evangelische Kirche in Hessen : Synode distanziert sich von Luthers „Judenschriften“

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Grenzt sich ab: Die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau unter Präsident Volker Jung hat sich von Martin Luthers Schriften zum Judentum distanziert. Bild: dpa

Mit Blick auf das Reformationsjubiläum 2017 hat sich die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau am Freitag von Martin Luthers Schriften zum Judentum distanziert.

          Die Synode der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) hat sich formal von den sogenannten Judenschriften Martin Luthers distanziert. Die Haltung des Reformators zum zeitgenössischen Judentum des 16. Jahrhunderts seien nicht vereinbar mit dem heutigen Bekenntnis der EKHN, heißt es in einer Stellungnahme, die das Kirchenparlament am Freitag in Frankfurt beschloss. In seinen späten Schriften greife Luther die Juden mit scharfen Worten an und bezichtige sie der Lüge, sagte Präses Ulrich Oelschläger.

          Der Beschluss der Synode stelle die zentrale Bedeutung Luthers für die Geschichte und Theologie des Protestantismus nicht infrage, teilte die EKHN mit. Aber Luthers Verhältnis zum Judentum sei keine marginale Größe in seinem Denken und Wirken, der spätere völkische Antijudaismus habe seine Schriften fatalerweise aufgegriffen.

          Kirchenpräsident Volker Jung erwartet auch von der Evangelischen Kirche in Deutschland eine klare Positionierung. Zwar gebe es dort ein Papier des wissenschaftlichen Beirats zu dem Thema, aber „es wäre gut, wenn auch die EKD-Synode einen Grundsatz beschließt“, sagte Jung.

          Auf dem Programm der Synode stand neben aktuellen Themen die Debatte über den Haushalt des nächsten Jahres mit einem Volumen von 550 Millionen Euro. Die EKHN hat rund 1,7 Millionen Mitglieder, das Gebiet erstreckt sich auch auf Teile von Rheinland-Pfalz.

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